Prozess

Ex-Soldat bestiehlt Seniorin mit dem Kaffeehaustrick

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Angeklagter aus Norderstedt bringt 84-Jährige mit einer perfiden Masche um ihr Gold- und Barvermögen.

Norderstedt/Wien. Mit dem „Kaffeehaustrick“ brachte ein Ex-Soldat aus Norderstedt eine Wiener Seniorin um Gold- und Barvermögen. Dafür setzte der Angeklagte einen Bundeswehrkameraden als Lockvogel ein: Der in Wien lebende Komplize lockte die Witwe (84) mit der Aussicht auf einen Cafébesuch aus der Wohnung. Inzwischen leerte der aus dem Norden angereiste Einbrecher in aller Ruhe ihren Tresor.

Als die Bestohlene nach Hause kam, waren 40 Goldmünzen, ein Goldbarren sowie 6000 Euro Bargeld verschwunden. Ihren Schmuck hatte der Angeklagte wegen des hohen Wiedererkennungswerts liegen lassen. Gesamtwert des Stehlguts: 51.000 Euro.

Damit wollte die alte Dame einen Heimaufenthalt finanzieren. Der Angeklagte fuhr zurück nach Schleswig-Holstein und kaufte sich eine BMW-Luxuslimousine. Der Verkaufserlös für die 500-PS-Karosse fließt jetzt zurück an das Opfer. Dies ist Teil einer Verständigung, auf die sich die Berufungskammer des Landgerichts am Montag mit dem Angeklagten und dem Staatsanwalt einigten.

Schuldgefühle: Der Komplize aus Wien nahm sich das Leben

Im Februar 2020 war der vielfach vorbestrafte Mittvierziger für die Tat aus dem August 2015 von einem Norderstedter Schöffengericht zu anderthalb Jahren „Haft pur“ verurteilt worden. Er legte Rechtsmittel ein und kämpft um Bewährung. Zum Deal mit dem Kieler Landgericht gehört, dass er der Justiz durch ein Geständnis eine zweite Beweisaufnahme erspart.

Darüber hinaus muss der Angeklagte der heute 89 Jahre alten Witwe bis zum nächsten Verhandlungstermin weitere 20.000 Euro Schadensersatz überweisen. Wie der langjährige Hartz-IV-Empfänger die Summe aufbringen will, wurde nicht erörtert. Sein Komplize, der die Witwe schon länger kannte, wurde 2016 in Österreich zu acht Monaten auf Bewährung verurteilt und nahm sich vier Monate später das Leben. „Er hat sich wegen der Sache totgesoffen“, erklärte der Angeklagte.

Seine in Aussicht gestellte zweijährige Bewährungsstrafe soll noch zwei Urteile für frühere Straftaten miteinbeziehen, bei denen ebenfalls ein Lockvogel mitspielte. Weil der Angeklagte heute in geordneten Verhältnissen lebt, hofft er auf eine positive Sozialprognose. Doch sein Verteidiger ließ in einer Sitzungspause durchblicken, am Amtsgericht Norderstedt sei noch ein Betrugsverfahren „zum Nachteil von zwei Damen“ aus 2018 anhängig. Schadenssumme: 20.000 Euro.