Krisenbewältigung

Corona-Sofortfonds verhindert Vereinspleiten

Der Musikverein rief für seine Musiker, hier das Symphonisches Blasorchester, einen vierstelligen Betrag ab.

Der Musikverein rief für seine Musiker, hier das Symphonisches Blasorchester, einen vierstelligen Betrag ab.

Foto: Musikverein Norderstedt

120.000 Euro haben Norderstedter Vereine schon bei der Stadt Norderstedt abgerufen – 260.000 Euro warten nach auf Abnehmer.

Norderstedt.  25 Vereine haben bislang Förderanträge für Geld aus dem 380.000 Euro schweren Corona-Soforthilfefonds der Stadt Norderstedt gestellt. 118.400 Euro werde die Stadt ausschütten, teilte Sozialdezernentin Anette Reinders im Hauptausschuss der Stadtvertretung mit. Bei 21 genehmigten Anträgen bedeute das im Durchschnitt gut 5600 Euro für jeden Antragsteller.

Aus dem Kulturbereich liegen der Stadtverwaltung die meisten Förderanträge vor. 13 Vereine wollen die Finanzspritze der Stadt in Anspruch nehmen. Neun Anträge sind geprüft, vier werden noch bearbeitet. Der gesamte Zuschuss beläuft sich hier auf 44.500 Euro.

Acht Antragsteller stammen aus dem Sport, 50.500 Euro werden ausgeschüttet. 23.400 Euro beträgt die Fördersumme für den Bereich Jugend/Soziales/Sonstiges.

Viele Anträge werden noch bearbeitet, weitere können gestellt werden

„Der von der CDU initiierte Corona-Sonderfonds zur Unterstützung der Vereine und Organisationen in Norderstedt ist ein voller Erfolg“, sagt CDU-Stadtvertreter Arne Mann. Die Christdemokraten hatten den Antrag gestellt, den die Stadtvertretung Mitte Juni beschlossen hatte. Danach wird es 2021 keinen Nachholtermin für das pandemiebedingt ausgefallene Stadtfest zum 50. Geburtstag Norderstedts geben, die dafür vorgesehenen 380.000 Euro sollen in die Vereine der Kultur, des Sports und der Jugendhilfe investiert werden, um deren Corona-Einnahmeausfälle zu kompensieren. „Es ist großartig, dass das Geld da ankommt, wo es gebraucht wird“, sagt Mann. Andererseits erscheint es bei der Fülle von Vereinen in Norderstedt erstaunlich, dass bisher noch nicht mal ein Drittel der zur Verfügung stehenden Gesamtsumme abgerufen wurde. „Die Höhe der Fördersumme entspricht dem Geld, was für das abgesagte Jubiläumsfest eingeplant war. Mit den Bedarfen der Vereine hatte das nichts zu tun“, sagt Sozialdezernentin Anette Reinders. Außerdem bearbeite die Verwaltung immer noch Anträge. „Wir gehen davon aus, dass es auch im zweiten Halbjahr 2020 sowie im Jahr 2021 coronabedingte Einnahmeausfälle bei Vereinen geben kann, die aus diesem Fonds gedeckt werden können.“

Für den TuRa-Spielmannszug ist die Finanzspritze ein Segen

„Wir haben Finanzhilfe für unseren Spielmannszug beantragt, für den Sportbereich aber keine Anträge gestellt“, sagt Tobias Claßen, Geschäftsführer von TuRa Harksheide, dem mitgliederstärksten Verein der Stadt. Für die TuRa-Sportler habe man die Unterstützung des Landes Schleswig-Holstein genutzt und auf Mittel der Stadt verzichtet. Claßen erwartet eine fünfstellige Summe vom Land.

Beim TuRa-Spielmannszug gebe es starke Einnahmeausfälle, sagt Claßen. Da der Kulturbereich seit Monaten am Boden liegt und Feste wie zum 50. Geburtstag der Stadt gestrichen wurden, gebe es keine Auftritte. Mehr als fraglich sei, ob die Musiker zu ihrem Saisonhöhepunkt auf die Straße dürfen: Die Laternenumzüge seien eine wichtige Einnahmequelle. „Covid-19 hat dazu geführt, dass wir seit März keine Neueintritte hatten, was uns finanziell erheblich belastet.“ Das Minus werde sich bis Jahresende auf 14.400 Euro summieren. Zurzeit entspanne sich die Situation, hat Claßen festgestellt: „Wir verzeichnen die ersten Neueintritte, unsere Sportler freuen sich, dass sie nach der langen Zeit der Einschränkungen wieder voll loslegen können.“

Der Musikverein Norderstedt baut auf eine Corona-Finanzspritze der Stadt. „Wir haben eine hohe vierstellige Summe beantragt“, sagt Jens Becker, Vorsitzender des Vereins, zu dem das Symphonische Blasorchester Norderstedt, das Junge Blasorchester Norderstedt, „Brass,Wind & Fun“, das Blasorchester für Kinder und Jugendliche und die Bigband „Fishhead Horns“ gehören. Außerdem organisiert der Musikverein „Blaswars“, den Blasmusik-Workshop in den Ferien, der in diesem Herbst wegen der Corona-Krise ausfällt. Der Verein will die städtische Unterstützung vor allem verwenden, um die Dirigenten weiter zu bezahlen. „Gerade diejenigen, die freiberuflich arbeiten, sind von der Krise besonders betroffen“, sagt Becker. Der normale musikalische Alltag sei noch weit weg. „Einige vermissen Proben und Auftritte mit den anderen extrem, andere haben die freie Zeit mit anderen Hobbys gefüllt“, sagt Becker.

Es gibt maximal 10.000 Euro für jeden Verein

Die Stadtverwaltung ermittelt in Einzelfallprüfungen die Höhe des Ausfalls der Einnahmen durch Covid-19 bei jedem Antragsteller. Das Ergebnis ist dann die Grundlage für den Zuschuss. Maximal bekommt jeder Verein 10.000 Euro, auch wenn mehr Geld bis zum Jahresende fehlen sollte. Förderanträge können noch bis zum Jahresende gestellt werden. Zuschüsse würden von Anfang September an ausgezahlt werden – wenn die Stadtvertreter den Nachtragshaushalt 2020/21 beschlossen haben.