Brandbekämpfung

Florian Segeberg: Die fliegenden Augen der Feuerwehr

Eine Maschine des Flugdienstes Florian Segeberg auf einem Routineflug über dem Kreis Segeberg.

Eine Maschine des Flugdienstes Florian Segeberg auf einem Routineflug über dem Kreis Segeberg.

Foto: Kreisfeuerwehrverband Segeberg

Das Flugzeug der Feuerwehr kommt insbesondere zum Einsatz, um Waldbrände früh zu erkennen und zu bekämpfen.

Bad Segeberg.  „Florian Segeberg 1-16-1 und 1-16-2 für Leitstelle Holstein kommen!“ Gerade in den Sommermonaten hört man auf der Feuerwehr Rufgruppe des Kreises Segeberg immer wieder diese beiden Funkrufnamen – aber was es mit dieser Kennung auf sich hat und welcher Einsatz sich dahinter verbirgt, wissen die wenigsten.

Florian Segeberg 1-16-1 und 1-16-2 sind quasi die Augen der Feuerwehr in den Kreisen Segeberg und Stormarn. Hinter den Kennungen verbergen sich zwei Flugzeuge und ihre Crews, der Feuerwehrflugdienst Segeberg-Stormarn. In Zeiten zunehmender Dürre und Waldbrandgefahr ein unerlässlicher Dienst, um die Lage jederzeit überblicken zu können.

Alarm! Mitten im Besuchsprogramm kommt es zum Ernstfall

Mit einem Besuch des Dienstes, der auf dem Flugplatz in Neumünster stationiert ist, unterstrichen Landesbrandmeister Frank Homrich und Segebergs Kreisbrandmeister Jörg Nero seine zunehmende Bedeutung für die Brandbekämpfung.

Doch noch während der Vorstellungsrunde der Crew mit den Gästen meldet die Rettungsleitstelle Holstein der „Führungsstelle Flugdienst“ eine unklare Rauchentwicklung im Bereich der Bundesautobahn 21 zwischen Wahlstedt und Trappenkamp. Das Briefing wird abgebrochen, schnell ist klar, dass ist keine Übung! Binnen kurzer Zeit sind die beiden Flieger in der Luft, können aber zum Glück schnell Entwarnung geben – kein Feuer. Nur ein Trecker, der auf einem Feld für eine große Staubentwicklung sorgte.

,,Zum Glück ist das erst die erste Anforderung für dieses Jahr“, sagt Fachwart Hans Gunter Bostel. Da die beiden Flugzeuge schon mal in der Luft sind, erledigen sie die Routine. Die richtet sich nach den 2012 erstellten Waldbrandkonzepten „SeFo“ und „SePI“ und den darin beschriebenen Standardrouten über den wichtigsten Waldgebiete in den Kreisen Segeberg und Stormarn. Die Flugzeuge halten diese Korridore genau ein, und die Besatzung meldet jede Auffälligkeit der Führungsstelle.

Nach etwa 45 Minuten landen die beiden Flieger wieder sicher auf dem Flugplatz in Neumünster. Es handelt sich um eine Piper PA 28 Warrior 2 und eine Robin DR 400, eine Vereinsmaschine des Flugsportclubs Neumünster und eine Privatmaschine. Der Feuerwehrflugdienst verfügt nämlich leider über keine eigenen Maschinen. Sie haben aber auf allen drei Flugplätzen ein vorrangiges Zugriffsrecht auf Vereins- und Privatmaschinen für die Flugausbildung und vor allem für Einsätze.

Der Flugdienst sucht laufend Kameraden, die mitmachen wollen

Einmal im Monat im Zeitraum zwischen März und Oktober trifft sich das 18-köpfige Team, darunter drei Piloten, zu gemeinsamen Übungs- und Flugtagen an den Flugplätzen von Neumünster, Uetersen oder Lübeck. Neben jährlichen Sicherheitseinweisungen und Unterweisungen freuen sich alle besonders auf die monatlichen Flugtage und Fachausbildungen. Pro Jahr verbringt jeder mindestens drei- bis viermal 45 Minuten in der Luft. Jährlich kommen etwa 30 Flüge für den Flugdienst zusammen. Damit in der Luft alles funktioniert, findet zu Beginn eines Flugtages ein gemeinsames Briefing statt. Bei Übungsabenden werden Navigation, Dokumentation, Waldbrandkonzepte oder Fachthemen unterrichtet. Aber auch, was beim letzten Flug nicht optimal lief, wird besprochen.

Einen Flugdienst gibt es seit Anfang der 70er-Jahre in Schleswig-Holstein. Zwischen 1973 und 1975 liefen die ersten Landesausbildungen zum Luftbeobachter, damals nahmen nur Führungskräfte teil. Ab 1976 gab es dann die Kreisausbildung für alle Kameradinnen und Kameraden. 1992 wurden die Feuerwehrflugdienste Segeberg und Stormarn zum gemeinsam Flugdienst zusammengelegt.

Dass die beiden Augen der Feuerwehr den Überblick behalten, bewiesen sie in bei Großbränden. 2003 entdeckte der Flugdienst während eines Routinefluges einen brennenden Resthof in Bad Bramstedt, außerdem im selben Jahr noch einen Waldbrand an der Autobahn 7 bei Kaltenkirchen und einen Waldbrand bei Trittau. 2005 entdeckte der Flugdienst den Moorbrand in Rickling, 2011 den Brand von einem Hektar Wald im Segeberger Forst bei Wahlstedt. 2013 leistete der Flugdienst Unterstützung beim Jahrhundert-Hochwasser in Lauenburg an der Elbe.

Der Flugdienst Segeberg-Stormarn sucht Kameradinnen und Kameraden, die sich ausbilden lassen wollen. Kontakt per E-Mail an HG.Bostel@t-online.de oder h.noetel@wtnet.de