Rätsel

Als wieder mit dem Pfennig gerechnet wurde

Wolkenformation in Form eines Fragezeichens (Bearbeitung).

Wolkenformation in Form eines Fragezeichens (Bearbeitung).

Foto: Artur Cupak / picture alliance / imageBROKER

Jeden Tag stellen wir Ihnen eine Aufgabe. Im Denksport-Rätsel fragen wir heute nach einem Stichtag, der das Leben der Deutschen änderte.

Kreis Segeberg.  Sie verbringen während der Corona-Pandemie viel Zeit in den eigenen vier Wänden, und die Langeweile nagt an Ihnen? Nun, versuchen Sie doch einmal, das folgende Denksport-Rätsel zu lösen. Wir veröffentlichen täglich unsere Rätsel-Kolumne. Los geht’s!


Alle wussten: Die Reform würde kommen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges waren in Deutschland riesige Geldmengen im Umlauf, denen nur geringe Industriekapazität gegenüberstand. Zur Inflationsbekämpfung verordneten die Besatzungsmächte Preis- und Lohnstopp, Produktionsbeschränkung und Warenrationierung. Trotzdem sank der inoffizielle Reichsmark-Kurs auf 0,01 Dollar, der Schwarzmarkt blühte.

Die Währungsreform würde kommen. Doch noch im Juni 1948 wurde der genaue Termin der Umstellung geheim gehalten. Die Geschäfte lagen brach. Grossisten stoppten die Belieferung der Einzelhändler, die wiederum horteten ihre Waren im Lager. Handwerker verschoben Aufträge, viele Firmen zahlten ihren Mitarbeitern bereits am 15. Juni das halbe Monatsgehalt, weil sie täglich mit der Reform rechneten. Hartgeld war plötzlich Mangelware: Kleingeld-Hamsterer spekulierten – aller Vernunft zum Trotz – damit, dass die Reform nicht das Hartgeld betreffen würde. Mangels Wechselgeld kassierten daher kurzfristig Kellner ein Vielfaches ihrer sonst üblichen Trinkgelder. Um noch vor der Reform zu einem kostengünstigen Haarschnitt zu gelangen, wurden die Friseurläden regelrecht belagert – allein die Hamburger Figaros zählten an einem Junitag 60.000 Kunden.

Am 17. Juni 1948 veröffentlichte das Emnid-Institut eine empirisch erstellte Hitliste der Dinge, welche die Deutschen im Falle der Währungsumstellung zuerst zu kaufen wünschten. Demnach waren Schuhe der mit Abstand begehrteste Artikel. Am 20. Juni war endlich Stichtag: Jeder Bürger erhielt einen Betrag von 40 DM in neuer Währung ausbezahlt. Das Design der in den USA gedruckten Banknoten erinnerte an Dollarnoten. Schon tags darauf schien die Aktion Wunder zu wirken, wie das „Hamburger Echo“ beschrieb: „In den Schaufenstern der Läden tauchen plötzlich Waren auf, die seit Jahren nur auf dem Schwarzen Markt gehandelt wurden.“

Trotzdem besaßen zwei Tage nach dem Stichtag 65 Prozent aller Bürger ihr Wirtschaftswunder-Startkapital noch in unangetasteter Höhe. Jetzt wurde wieder mit dem Pfennig gerechnet, und ein Paar der begehrten „Jedermann-Schuhe“ kostete 26,50 DM. Aber die neue Währung setzte ein hoffnungsvolles Zeichen des Neubeginns.


Auf welchen Wochentag fiel der 20 Juni 1948? Die Antwort steht am Montag im Abendblatt. In der Freitagausgabe wollten wir wissen, welche beiden Städte die erste deutsche Eisenbahnlinie verband. Die Lösung: Nürnberg und Fürth.