Kreis Segeberg

Ist denn schon Weihnachten? Wer von der Pandemie profitiert

„Wir machen 30 bis 45 Beratungen pro Woche“, sagt Alexandra Rief, Tochter des Inhabers des Familienbetriebs UKA-Küchenwerk in Norderstedt.

„Wir machen 30 bis 45 Beratungen pro Woche“, sagt Alexandra Rief, Tochter des Inhabers des Familienbetriebs UKA-Küchenwerk in Norderstedt.

Foto: Jörg Riefenstahl / UKA

Bürger verzichten auf teuren Urlaub und machen lieber das Zuhause schön, zur Freude von Möbelhäusern und Handwerksbetrieben.

Kreis Segeberg. Der Corona-Sommer – viele bleiben in der Pandemie zu Hause. Und schauen auf die betagte Einrichtung, die veraltete Küche oder die unzureichende Haustechnik. Da wird die Pandemie zum Konjunkturtreiber – für Möbel- und Einrichtungshäuser im Kreis Segeberg. Sie erleben einen Run auf alles, was das eigene Heim schöner macht. Aber auch die Auftragsbücher von Küchenausstattern, Sicherheitsunternehmen und Handwerksbetrieben sind prall gefüllt – Mitarbeiter werden händeringend gesucht.

Bei XXXLutz Dodenhof in Kaltenkirchen laufen die Geschäfte wie geschmiert. "Bei uns ist seit Wochen jeder Tag wie Weihnachten“, verrät eine Kassiererin in dem Möbelhaus an der A 7. "Die Kunden kommen, um zu schauen. Und sie kaufen, auch unter der Woche. Daran merken wir, dass die Leute mehr Zeit haben“, sagt die Mitarbeiterin.

Trotz Corona-Krise: "Die Kunden sind sehr kauffreudig"

"Urlaub zu Hause ist das Thema. Wir spüren ganz klar, dass die Leute mehr zu Hause sind“, sagt XXXLutz-Sprecher Volker Michels. Die Nachfrage erstrecke sich von der Wohnzimmereinrichtung über moderne Küchen bis hin zum Outdoorbereich und den Garten. Seit den Corona-Schließungen im Frühjahr gebe es einen erheblichen Nachholbedarf. "Die Kunden sind sehr kauffreudig. Sie haben ein gutes und sicheres Gefühl, wenn sie ein großes Möbelhaus betreten“, sagt Maik Gebauer, Hausleiter in Kaltenkirchen.

Während Möbel und Wohnaccessoires zum Teil auch über den Online-Shop geordert werden, führt für viele Kunden beim Kauf bestimmter Dinge kein Weg am örtlichen Möbelhaus vorbei. "60 Prozent schauen in den Online-Shop, bevor sie zu uns in den Laden kommen“, sagt Gebauer. "Sie wollen sich die Sachen anschauen, auf dem Sofa sitzen, die Matratzen testen, die Küchen ausprobieren.“ Bei der Käuferschicht sei ein leichter Überhang in der Altersklasse der 30 bis 35-Jährigen und der 50 bis 55-Jährigen zu beobachten, ergänzt Michels. "Vielleicht sind es die, die jetzt verstärkt zu Hause sind.“

Coronavirus – die Fotos zur Krise:

Möbel Kraft in Bad Segeberg wirbt mit dem Slogan "Sommer zu Hause“ und "Kräftig sparen auf Möbel, Matratzen und Teppiche“. Rabatte, gestaffelt nach Höhe des Kaufpreises, gehören offenkundig zum Geschäftsmodell. Eine Stellungnahme zur Marktentwicklung und Unternehmensstrategie will Möbel Kraft nicht geben. "Zu solchen Themen äußern wir uns grundsätzlich nicht“, teilte eine Sprecherin mit.

Stefan Langbehn, Inhaber von Hesebeck Home, Einzelhändler für Möbel und Küchen in Henstedt-Ulzburg, macht keinen Hehl daraus, dass die Geschäfte in der Branche hervorragend laufen. "Wir sehen eine absolute Belebung des Marktes. Das Thema eigene vier Wände gewinnt generell an Bedeutung, egal ob Polstermöbel oder Küche. Ja, man kann sagen, Einrichtungshäuser profitieren von der Corona-Entwicklung.“

Hesebeck braucht in diesem Sommer mehr Personal

Langbehn führt den Familienbetrieb in der fünften Generation. "Wir haben 7000 Quadratmeter Verkaufsfläche. Genau richtig, um alles zu zeigen und nicht zu groß, dass sich der Kunde verläuft.“ Die Bereitschaft, für Qualität und Beratung Geld auszugeben, nehme zu. Langbehn: "Wir haben viele Stammkunden. Sie schätzen den Service und achten auf gute Qualität, die in einem guten Preis-Leistungsverhältnis steht. Von Rabattwerbung, die ein bestimmtes Klientel anlockt, distanzieren wir uns. Bei uns gibt es ehrliche, faire Preise.“

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Die Mehrwertsteuersenkung spielt aus Langbehns Sicht verkaufstechnisch keine große Rolle. Sein Werbeslogan "So schön ist Urlaub zu Hause“ trifft es da wohl eher: Normalerweise schalten seine Mitarbeiter in der Urlaubszeit einen Gang herunter. In Corona-Zeiten ist das anders. "Wir brauchen dringend Personal“, verrät Langbehn.

Beate Fitz, Inhaberin von Fitz Sicherheitstechnik in Norderstedt, kennt diese Probleme. "Die Auftragsbücher sind voll. Wir haben jede Menge zu tun. Unsere 20 Mitarbeiter reichen nicht aus, alle Kunden zu bedienen.“

Jede Menge Aufträge – aber niemand, der sie erledigt

Woher kommt der Trend zu mehr Sicherheit? "Die Menschen, die jetzt zum ersten Mal sehr viel zu Hause sind, schauen genauer hin. Ein klemmendes Fenster, das bisher niemanden gestört hat, wird jetzt repariert. Die Leute haben ein extremes Sicherheitsbedürfnis“, sagt Fitz. Vandalismus in Hausgemeinschaften sei ein zunehmendes Problem. "Viele haben Langeweile. Sport als Ausgleich fehlt, große Sportveranstaltungen sind abgesagt. Da werden dann eben Türen und Tore aufgebrochen, Scheiben zerstört, Müllcontainer umgekippt.“ Alarmanlagen sind in ihrem Betrieb das große Thema. ,,Viele Leute sind bereit, dafür 3000 bis 10.000 Euro lockerzumachen, wohl auch dank der Fördergelder der KfW-Bank und dem Corona-Zuschuss“, sagt Fitz.

Sie hat ein weiteres Phänomen beobachtet: "Noch nie haben sich so viele Menschen beim Müllwegbringen ausgesperrt.“ Damit alle Aufträge erledigt werden können, sucht ihr Unternehmen händeringend Tischler, Schlosser, Elektriker. "Wir nehmen auch handwerklich begabte Quereinsteiger.“

Umsatzsteigerung um fast 70 Prozent zum Vorjahr

Im UKA Küchenwerk in Norderstedt gibt es alle Hände voll zu tun. "Statt 20 Beratungen pro Woche machen wir jetzt 30 bis 45“, sagt Alexandra Rief, Tochter des Inhabers des Familienbetriebes mit 40 Festangestellten und rund 20 freien Mitarbeitern, der in Norderstedt produziert. Der Umsatz habe um 60 bis 70 Prozent gegenüber dem Vorjahr zugelegt. "Statt für 6000 Euro in den Urlaub zu fahren, kaufen die Leute lieber eine Küche.“ Bei einer Küche für 30.000 Euro könne die Mehrwertsteuersenkung schon ein Ansporn sein, gerade jetzt zu kaufen, sagt die Geschäftsfrau. "Die Leute kaufen wertiger, sie wollen mehr Ausstattung und besondere Geräte.“ Statt eines Wandschranks werde ein Liftschrank genommen, bei Elektrogeräten sind Muldenlüfter der letzte Schrei. "Die Leute kommen bewusst ins regionale Fachgeschäft. Sie sind zeitlich flexibel, kommen auch vormittags – wohl auch eine Folge der Kurzarbeit“, sagt Alexandra Rief.

"Die Leute investieren ins eigene Heim. Sie wollen es sich zu Hause gemütlich machen, weil sie nicht verreisen können. Das höre ich immer wieder“, sagt Peter Stutzer, Inhaber von Markisen Stutzer, Spezialist für Rollläden, Terrassendächer und Markisen in Norderstedt. Neulich habe er beobachtet, dass in einer Straße mit 28 Siedlungshäusern fünf Gartenbaufirmen gleichzeitig tätig waren. "Markisen laufen bei uns seit Wochen überproportional, obwohl der Sommer ja erst gar nicht so gut war“, sagt Stutzer. Mit vier bis sechs Wochen Wartezeit müssen seine Kunden jetzt rechnen. "Wir können noch Aufbauhelfer gebrauchen. Aber wir finden keine.“

Energieverbrauch im Homeoffice: Tipps zum Stromsparen

Während der Corona-Krise arbeiten viele Menschen derzeit ins Homeoffice. Das treibt auch die Stromkosten zu Hause in die Höhe. Die Verbraucherzentrale Hamburg gibt Tipps, um den Stromverbrauch zu senken und so Ressourcen und Geld zu sparen.

  • Der Computer: Bauart und Leistungsfähigkeit beeinflussen den Stromverbrauch erheblich. Ein Standard-Laptop kommt bei einem achtstündigen Arbeitstag auf 0,2 Kilowattstunden, ein Desktop-PC mit vergleichbarer Leistung auf ungefähr das Dreifache. In sechs Wochen Homeoffice ergibt das zwei Euro zusätzliche Stromkosten bzw. sechs Euro für den PC.
  • Hoch gerüstete Gamer-PCs sollten nicht über einen längeren Zeitraum im Homeoffice verwendet werden, da deren Leistungsfähigkeit zu einem 70 % höheren Stromverbrauch führen kann.
  • In Arbeitspausen sollte jeder PC in den Energiesparmodus versetzt werden. In den Optionen lassen sich genaue Energiespar-Einstellungen vornehmen. Nachts und bei längeren Arbeitspausen sollte der PC ausgeschaltet sein.
  • Auch der Stromverbrauch der WLAN-Router lässt sich verringern. So kann bei einigen Modellen die Datenübertragungsfunktionen zeitlich begrenzt und nachts abgeschaltet werden.
  • Wer nachts außerdem WLAN-Empfänger (wie PC, Handy, Smart TV) komplett ausschaltet, verringert damit auch den Stromverbrauch des Routers. Gleiches gilt für WLAN-Repeater. Diese erweitern die Reichweite des Funknetzes und kommen deshalb oft in großen Wohnungen oder Häusern zum Einsatz.
  • Abschaltbare Mehrfachsteckdosen sind empfehlenswert, da einige elektrische Geräte auch nach der Abschaltung weiter Strom verbrauchen. Durch die Abschaltung der Mehrfachsteckdose wird der unnötige Stand-by-Verbrauch verhindert.
  • Sogenannte Master-Slave-Steckdosen schalten selbsttätig weitere Geräte wie etwa PC-Peripherie vom Netz, allerdings haben sie einen Eigenverbrauch. Dieser liegt bei ein bis zwei Watt.
  • Rund ums Stromsparen bietet die Verbraucherzentrale Hamburg eine telefonische Beratung an. Kurzauskünfte und Anmeldungen für ausführliche Beratungsgespräche sind möglich über die Hamburger Energielotsen unter der Rufnummer (040) 248 32-250.