Rätsel

Ein grollender Misanthrop und manischer Spieler

Wolkenformation in Form eines Fragezeichens (Bearbeitung).

Wolkenformation in Form eines Fragezeichens (Bearbeitung).

Foto: Artur Cupak / picture alliance / imageBROKER

Denksport-Rätsel: Gesucht wird heute der Name eines bekannten russischen Schriftstellers.

Kreis Segeberg.  Sie verbringen während der Corona-Pandemie viel Zeit in den eigenen vier Wänden, und die Langeweile nagt an Ihnen? Nun, versuchen Sie doch einmal, das folgende Denksport-Rätsel zu lösen. Wir veröffentlichen täglich unsere Rätsel-Kolumne – gesucht wird der Name einer bekannten Persönlichkeit. Los geht’s!


Am 22. November 1849 führte ein Trupp Soldaten 15 Gefangene auf den St. Petersburger Semjónov-Platz. „Dort wurde das Todesurteil verlesen, man gab uns das Kreuz zum Kuss, über unseren Häuptern wurde das Schwert gebrochen und wir wurden mit weißen Hemden für das Begräbnis eingekleidet. Dann stellte man uns vor die Pfähle, wo die Exekution stattfinden sollte.“

Die Delinquenten, allesamt Mitglieder eines Privatzirkels schwärmerischer Sozialutopisten, hatten sich „gefährlicher Gespräche“ und der „Lektüre verbotener Literatur“ schuldig gemacht – unter Zar Nikolaus I. todeswürdige Verbrechen. Doch diesmal zeigte sich der Monarch „gnädig“. „Alles wurde abgeblasen, und uns wurde verlesen, dass Seine Majestät uns das Leben geschenkt habe“, berichtet einer der Verurteilten, ein damals 28 Jahre alter Schriftsteller, dem bereits sein erster Roman „Arme Leute“ einigen Ruhm eingebracht hatte. Das Todesurteil wurde umgewandelt in acht Jahre Sibirien – vier Jahre Straflager, vier Jahre als Soldat.

Unter unglaublichen Bedingungen, zusammengepfercht mit tumben Säufern, Mördern und Schlägern, erlebte er im Straflager Kátorga „die menschliche Natur in all ihrer Nacktheit“. Früher hatte er an des Menschen „natürliche Güte und Vernunft“ geglaubt, hier kam er zu einem anderen Schluss: Der Mensch ist eine chaotische Mischung von Gut und Böse, wobei jedoch das Böse die Oberhand gewinnt, wenn die erforderliche Hemmung fehlt. Äußerliche Hemmungen wie Gesetze und Strafen schienen ihm auf Dauer unwirksam zu sein. Er hoffte auf geistige und moralische Werte im irrationalen Selbst des Menschen, mittels derer sich eine qualitative Revolution von innen her vollbringen ließe.

Zeit seines Lebens versuchte der Autor, dem Bösen in sich durch das Gute entgegenzuwirken. Dieser Konflikt durchzieht seine Werke, die zu den bedeutendsten der Weltliteratur zählen - wie die Geschichte des Ródion Raskólnikov, der um einer bloßen Idee wegen zum Doppelmörder wird. Sein eigenes doppelgängerisches Wesen hat der Dichter nie verhehlt. Er war ein grollender Misanthrop, manischer Spieler, aber auch – wie seine Frau berichtet – „der liebste, beste Mensch auf der Welt“. Am 28. Januar 1881 starb er einen würdigen Literatentod: Drei Tage zuvor war ihm eine Lungenarterie geplatzt, als er seinen Bücherschrank verrücken wollte.


Wie hieß er? Die Lösung steht morgen im Abendblatt. In der gestrigen Ausgabe suchten wir den Namen eines norddeutschen Dichters. Es ist Friedrich Hebbel, der 1813 in Wesselburen geboren wurde und 1863 in Wien starb.