Henstedt-Ulzburg

Ortstermin: Die größte Baustelle der Region

Gerd-Wilhelm Brüning (l., Logistikleitung Region Nord) und Jochen Vogel, Vorsitzender der Geschäftsleitung Region Nord, beim Ortstermin auf der Großbaustelle in Henstedt-Ulzburg.

Gerd-Wilhelm Brüning (l., Logistikleitung Region Nord) und Jochen Vogel, Vorsitzender der Geschäftsleitung Region Nord, beim Ortstermin auf der Großbaustelle in Henstedt-Ulzburg.

Foto: Christopher Herbst / HA

Rewe baut im Norden eine neue Zentrale mit Logistik- und Schulungszentrum. Es werden Hunderte Jobs geschaffen.

Henstedt-Ulzburg.  Von links kommt ein Betonmischer, von rechts einer von unzähligen Tiefladern, dazwischen wuseln Dutzende Bauarbeiter, eine Planierraupe schiebt unerlässlich Erde und Kies vor sich hin, ein paar Meter weiter werden 25 Meter tiefe Löcher für Betonpfähle ausgehoben. „Es ist wie ein großer Legokasten“, sagt Gerd-Wilhelm Brüning, Logistikleiter für die Region Nord beim Handelskonzern Rewe.

Dessen momentan bundesweit größtes Projekt ist der Neubau eines neuen Zentralstandortes mit Logistik- und Schulungszentrum sowie einer Verwaltung in Henstedt-Ulzburg. Nachdem der Kreis die Baugenehmigung im Februar erteilt hatte, war die 25 Hektar große Baustelle am Autobahnzubringer kurz darauf eingerichtet worden, seitdem wird auf Hochtouren gearbeitet.

Bereits jetzt stehen die ersten der 30 Meter hohen Brandschutzwände für das Hochregallager. „Wir sind zufrieden, dass wir trotz des besonderen Jahres im Zeitplan liegen, dass alle Ressourcen und das notwendige Personal verfügbar sind“, sagt Jochen Vogel, Vorsitzender der Geschäftsleitung im Norden.

Rewe-Großprojekt kostet 330 Millionen

Beginnend mit dem Generalunternehmen Max Bögl, werden mit der Zeit rund 50 Firmen, darunter fast die Hälfte aus der Region, an dem Vorhaben beteiligt sein, das gesamte Investitionsvolumen beträgt rund 330 Millionen Euro.

Derzeit sind meist um die 100 Personen gleichzeitig auf der Baustelle, im weiteren Verlauf werden es zeitweise bis zu 500 sein. Bisher seien 55.000 Kubikmeter Erde bewegt worden. „Und das wasserhaltige, morastige Gelände musste mit Pfählen stabilisiert und der Boden verkalkt werden“, so Vogel. 25 Meter tief stecken die Pfähle im Boden, insgesamt werden es letztlich 5000 sein.

Selbst verglichen mit dem Netto-Gebäude in direkter Nachbarschaft oder dem neuen Amazon-Verteilzentrum in Nützen ist die Rewe-Zentrale durchaus eine andere Dimension. „Mittlerweile ist diese Größe normal“, sagt Vogel, allerdings sei es das erste Gebäude dieser Art.

Rewe: Neues Mittagsangebot für Firmen

In einigen Bereichen wird es eine Vollautomatisierung geben, etwa bei Konservenprodukten, manuelle Abfertigung dagegen weiterhin etwa bei Gemüse. Was zusätzlich integriert sein wird: Ein eigener Supermarkt mit Frischetheke für das Mittagessen. Der soll auch anderen Firmen aus dem Gewerbegebiet zur Verfügung stehen.

Mehr zum Thema:

Führen Pläne von Rewe zu Verkehrschaos?

Nicht vergessen im Ort ist die langjährige Debatte über die für Henstedt-Ulzburg historische Ansiedlung. Politisch votierte eine Mehrheit für das Projekt, auch die Verwaltung stand dahinter. Eine Initiative aus der Gemeinde wollte den Bebauungsplan zunächst mit einem Bürgerentscheid kippen, dieser wurde vom Verwaltungsgericht als unzulässig zurückgewiesen, auch ein Normenkontrollantrag schlug fehl.

Kritiker verwiesen stets auf die Verkehrsbelastung. In der Tat rechnet Rewe mit bis zu 900 täglichen Lkw-Bewegungen. Durch Henstedt-Ulzburg dürfen allerdings, so wurde es vertraglich vereinbart, nur die Anlieferungen zu den Märkten in der Großgemeinde verlaufen. Alles weitere geht über die A 7 oder in Ost-West-Richtung durch Kisdorf.

Die Achse entlang der Autobahn ist prädestiniert für Logistik, schon jetzt gibt es mehrere Hundert Lkw-Touren von Netto, dazu die rund 1000 Fahrzeugbewegungen von Amazon. Eine Koordination untereinander gibt es allerdings nicht. „Amazon ist in einem anderen Bereich tätig, wir beliefern Supermärkte, die beliefern Haushalte. Und Netto ist ein Mitbewerber, da können wir aus kartellrechtlichen Gründen nicht zusammenarbeiten“, sagt Jochen Vogel.

Rewe schafft 250 neue Jobs in Henstedt-Ulzburg

Perspektivisch wird Rewe mit rund 1000 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber in Henstedt-Ulzburg sein. Und zwar nicht nur, weil die 442 Jobs in der Verwaltung vom bisherigen Standort in Norderstedt verlagert werden. „Wir entwickeln uns sehr positiv“, so Vogel. „In den kommenden Jahren brauchen wir allein für die Verwaltung 100 Personen." Dazu kommen Lager und Logistik. „Wir wollen mindestens 250 neue Arbeitsplätze schaffen, das ist die konservativste Schätzung.“

Auch Lehrstellen und Plätze für ein duales Studium werden geschaffen, hier können sich Interessierte schon jetzt per Mail (bewerbung@rewe-group.com) melden.

Im Frühjahr 2021 will Rewe ein Richtfest feiern, auch die Erschließungsstraße soll im nächsten Jahr fertig sein. Die Eröffnung des gesamten Zentralstandortes ist für das zweite Quartal 2022 anvisiert.