Denksport-Rätsel

Humanitärer Heuchler von der Küste

Foto: Artur Cupak / picture alliance / imageBROKER

Gesucht wird im Denksport-Rätsel der Name eines Autors, der Trauerstücke und Liebesgedichte verfasste.

Sie verbringen während der Corona-Pandemie viel Zeit in den eigenen vier Wänden, und die Langeweile nagt an Ihnen? Nun, versuchen Sie doch einmal, das folgende Denksport-Rätsel zu lösen. Wir veröffentlichen täglich unsere Rätsel-Kolumne – gesucht wird der Name einer bekannten Persönlichkeit. Los geht’s!


Am 4. November 1845 traf der Dichter per Postkutsche in Wien ein: „Ein eiskalter Wind blies mich an, Regentropfen fielen, meine Seele begann zu schaudern.“ Husten plagte den armen Mann, außerdem war er pleite. „Nein , das hätte ich nie gedacht, dass ich noch in meinem 32. Jahr nicht so weit sein würde wie der lausigste Handlungsdiener!“ – zumal er selbst am eigenen Dichtertalent niemals zweifelte.

Das Kind eines verarmten Maurers wuchs in der Dithmarscher Kleinstadt Wesselburen auf, einem Ort, den der Dichter als einen „für die Kultur fast verlorenen Winkel“ schmähte. 22-jährig verließ er den Heimatort, und begab sich auf die Suche nach Dichterruhm. Der Weg führte ihn nach Hamburg, München, Kopenhagen, Paris, Rom und Neapel. Er schrieb Gedichte und seine ersten drei Dramen „Judith“, „Genoveva“ und „Maria Magdalena“. Der kümmerliche Ertrag reichte nicht zum Leben, doch glücklicherweise gab es Elise in Hamburg, die den brotlosen Poeten im Rahmen ihrer bescheidenen Finanzmittel stützte. Die brave Elise gebar dem Dichter zwei Söhne, hoffte aber vergeblich auf den Eheantrag. Der Poet wünschte zwar in seinen Werken die Werte der Humanität zur Geltung zu bringen, betrachtete jedoch Frauen schlechthin als „Todesengel für des Mannes eigentliches Leben“ und verkündete: „Heiraten! Es ist mir unter allen entsetzlichen Dingen das entsetzlichste, und ich werde mich gewiss niemals dazu entschließen.“

Die Wende kam 1845, wenige Tage nach der Ankunft des Dichters im novembertrüben Wien. Christine Enghaus, ebenso schöne wie berühmte Schauspielerin, verliebte sich in den Habenichts – acht Tage später erklärte das Paar die Verlobung. Neben ihren übrigen Vorzügen verfügte Christine über ein lebenslängliches, gut dotiertes Engagement am Hoftheater. Flugs befand der Dichter, „erst die Ehe mache den Menschen zum Menschen“ und servierte die Hamburger Ex-Geliebte ab: „Ich schauderte vor dem Gedanken, mein Leben an der Seite eines Frauenzimmers zu Ende bringen zu müssen, das ich nie geliebt und das dies immer gewusst hat. Jedes Opfer darf man bringen, nur nicht das eines ganzen Lebens, wenn dies Leben einen Zweck hat.“

Bis zu seinem Ende am 13. Dezember 1863 genoss er die sichere Behaglichkeit an Christines Seite. Dementsprechend endeten seine späteren Dramen wie „Agnes Bernauer“ oder „Gyges und sein Ring“ nicht mit Hoffnungslosigkeit, sondern boten stets eine Perspektive über das letzte Bild hinaus.Wie hieß der flexible Künstler?

Die Antwort steht morgen im Abendblatt. In der gestrigen Ausgabe suchten wir den Namen eines Freibeuters: Sir Francis Drake (1540-1596).