Sommer

Beachclub statt Disco

Axel Sesiani, Betreiber der Diskothek Seh-Sie, Bad Oldesloe in dem eröffnetem Beach Club.

Axel Sesiani, Betreiber der Diskothek Seh-Sie, Bad Oldesloe in dem eröffnetem Beach Club.

Foto: Petra Sonntag / HA

Weil sein Seh-Sie in Bad Oldesloe wegen Corona dicht ist, hat Axel Sesiani den Parkplatz zum Strand gemacht.

Bad Oldesloe.  Um 12 Uhr mittags zeigt das Thermometer bereits 32 Grad Celsius im Schatten an. Bestes Strandwetter. Doch weil Stormarn die Küste und Axel Sesiani seit der Corona-Pandemie das Geschäft fehlt, hat der Veranstalter, Zeltverleiher und Betreiber der Oldesloer Diskothek Seh-Sie den Sand einfach mitten ins Industriegebiet vor die Türen der Disco geholt.

An der Straße Rögen gibt es auf 600 Quadratmetern von Donnerstag bis Sonntag ab 15 Uhr im neuen „Oldesloe Beach Club“ Getränke, kleine Gerichte wie Salate, Pizza oder Flammkuchen und dazu Loungemusik. Große Palmen, Liegestühle in kleinen Sitzgruppen mit gebührendem Abstand voneinander sowie 150 Tonnen aufgeschütteter Sand sollen dafür sorgen, dass kein Stormarner mehr den Strand vermissen muss. „Ich hatte die Idee dazu, weil wir den ganzen Tag Sonne auf dem Parkplatz haben und es hier im Industriegebiet ab Freitagnachmittag herrlich ruhig ist, perfekt zum Chillen“, sagt Axel Sesiani. Seine Disco ist seit nunmehr fünf Monaten wegen des grassierenden Coronavirus geschlossen.

Die Pandemie hat ihn wie alle anderen Unternehmer in der Veranstaltungsbranche hart getroffen. Er konnte mehr als 100 Aushilfskräfte von einem Tag auf den anderen nicht mehr beschäftigen und beantragte für seine acht Festangestellten Kurzarbeitergeld. „Doch das macht nur 60 Prozent des Lohns aus, davon kann man dauerhaft nicht seinen Lebensunterhalt bestreiten“, sagt der Trittauer. In diesem Jahr wollte er eigentlich das 15-jährige Bestehen vom Seh-Sie groß feiern. Die angeordnete Schließung zur Reduzierung des Ansteckungsrisikos gleiche einem Berufsverbot, so Sesiani. „Das Schlimmste ist, dass wir keine Informationen bekommen. Was mir außerdem fehlt, ist ein regionaler Krisenstab, der sich um betroffene Unternehmen kümmert und an Lösungen arbeitet.“

Kreativität hilft gegen die Perspektivlosigkeit

Das sieht Knut Walsleben, Betreiber der Großraumdisco Fun-Parc in Trittau, ähnlich. Auch er weiß noch nicht, wann er wieder öffnen kann. Am Himmelfahrtswochenende veranstaltete er auf dem Parkplatz Stormarns erste Auto-Disco, mehr war seit Mitte März nicht möglich. „Wir werden von der Politik im Unklaren darüber gelassen, wann und wie es weitergehen könnte“, sagt Walsleben auf Anfrage.

„Eine ganze Branche hängt in der Luft und bekommt bis heute keine Perspektive“, so Walsleben, der auch Vizepräsident des Bundesverbands deutscher Diskotheken und Tanzbetriebe (BDT) ist. Ihm bleibe nur, weiter nach Lösungen für Öffnungskonzepte zu suchen, diese dann an die Politik zu geben und zu warten.

Warten wollte Axel Sesiani nicht mehr und stampfte nun den ersten Beachclub im Kreis ohne Gewässer in der Nähe aus dem Boden. Sein Konzept einer familienfreundlichen Location mit Urlaubsatmosphäre kommt offensichtlich gut an bei den Gästen aus der Region. „Abends sind wir zu 80 bis 90 Prozent ausgelastet“, sagt der Hausherr, der zur Abkühlung für seine Gäste sogar Freiluft-Duschen installiert hat. „Und nachmittags können die kleinen Kinder hier im Sand buddeln. Hoch genug aufgeschüttet ist er dafür.“

Maximal 200 Menschen dürfen zur gleichen Zeit auf dem Gelände sein. Die Gäste müssen sich mit Namen und Adresse vor Ort registrieren, Stationen mit Desinfektionsmittel sollen für Hygiene sorgen. Um den Fußgängerverkehr unter den Gästen zu reduzieren, sorgen Kellner dafür, dass Getränke und Essen am Platz bestellt und in Empfang genommen werden können. Das Bezahlsystem läuft wie im Seh-Sie sonst auch üblich über eine Getränkekarte.

Gelegentlich stehen die Abende unter einem besondereren Motto. So plant Axel Sesiani unter anderem eine „Spanische Nacht“. Er sagt: „Ich betreibe den Beachclub solange, wie das Wetter gut ist.“ Getanzt werden darf bisher wegen des Ansteckungsrisikos nicht, so lautet die Anweisung der Kreisverwaltung. Den Discjockeys des Seh-Sie bleibt also nur, für den richtigen Soundtrack im Liegestuhl zu sorgen. Bis Mitte Oktober soll die Strandlandschaft auf dem Parkplatz auf jeden Fall bleiben. „Und dann machen wir hier vielleicht einen Herbstmarkt, später dann auch einen Weihnachtsmarkt“, sagt Sesiani.

Seine Zeltbauer sind noch immer in Kurzarbeit. Sesianis Hauptgeschäft, der Zeltverleih und -betrieb auf Feuerwehr- und Schützenfesten, Hochzeiten und Geburtstagen, liegt ebenfalls seit Monaten brach. Nur langsam kämen Anfragen für kleine Feiern, die wieder erlaubt seien. „Es läuft mehr schlecht als recht“, sagt Sesiani. An ein baldiges Ende der Beschränkungen mag er nicht glauben. „Ich denke, das Coronavirus wird uns weit bis ins nächste Jahr hinein beschäftigen.“ Bleibt zu hoffen, dass die Veranstalter der Region ihm ebenso lange mit Kreativität trotzen.