Kreis Segeberg

Die Sommerferien abzusagen, war keine Option

| Lesedauer: 3 Minuten
Manfred Thurau
Trecker fahren wird nie langweilig und ist immer wieder ein kleines Abenteuer, finden Leila, Nadja und Jasmin (von links).

Trecker fahren wird nie langweilig und ist immer wieder ein kleines Abenteuer, finden Leila, Nadja und Jasmin (von links).

Foto: SOS Kinderdorf Harksheide / SOS Kinderdorf Harksheide Norderstedt

Auch im Corona-Sommer gingen 70 Kinder des SOS-Kinderdorfes Harksheide auf Reisen – jedoch viel regionaler als geplant.

Norderstedt.  Sommerferien? Super Sache, und für die Kinder im SOS-Kinderdorf Harksheide der Höhepunkt des Jahres. Aber mit 70 Kindern fährt man nicht einfach mal so ins Blaue, da überlegt man rechtzeitig, wo man hin will. Also ist die Planung meistens Ende Januar abgeschlossen, und man hat Zeit, um sich entspannt auf den Sommer zu freuen. Normalerweise.

Als Corona kam, hat das unsere Ferienplanung komplett durcheinander gebracht. Fünf von acht geplanten Reisen mussten ganz neu organisiert werden. Und das brachte nicht nur die verantwortlichen Mitarbeiter ordentlich ins Schwitzen, sondern auch den Leiter des Kinderdorfes, Jörg Kraft. Der hat zu den diesjährigen Sommerferien nämlich eine klare Meinung: „Finanziell waren die Sommerreisen coronabedingt eine Katastrophe!“

Die mit den Um- und Neubuchungen verbundenen Kosten hätten den geplanten Etat letztlich deutlich überstiegen. „Da kann man nichts machen“, so Kraft, „die Ferienfahrten sind für die Kinder enorm wichtig.“ Sie ausfallen zu lassen, war nie eine Option. Denn schon lange vor den Ferien sind wir im Dorf verwundert gewesen, wie gut die Kinder bei der Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln mitmachten. Bis wir mitbekamen, dass die Kinder nur eine Sorge hatten: „Bloß kein Virus im Dorf, die Sommerferien müssen stattfinden“!

Und stattfinden taten die Ferienfahrten dann auch, nur eben viel regionaler als ursprünglich geplant. Und siehe da, das war viel besser als erwartet, auch wenn das gute Wetter gleich zu Ferienbeginn auf Tauchstation ging. „So eine Frechheit“, kann sich der elfjährige Lasse noch an die ersten Reisetage erinnern, „wir hatten bei 30 Grad gepackt und durften dann bei 15 Grad im Regen wieder auspacken. Mann, war mir kalt!“ Lasse, das muss man dazu wissen, hatte mit einem Bauernhof in Polen gerechnet und fand sich jetzt auf einem Zeltplatz in Nordermeldorf wieder, dessen Reize sich ihm erst noch erschließen mussten.

Ein ähnliches Problem hatten die anderen Reisegruppen natürlich auch, die das eine geplant hatten und sich jetzt mit etwas anderem anfreunden mussten. Aber letztlich gelang das allen. Denn Nordermeldorf ist eben auch gleich bei St. Peter-Ording, und der Strand dort ist nun mal Weltklasse, ob mit Corona oder ohne. Und Ameisen im Zelt sind auf der ganzen Welt gleich blöd, dafür muss man nicht weit fahren. Wenn man das Schöne in der Nähe erst mal erkannt hat, dann genießt man den Zoo in Rostock ebenso wie die Kamele der Sternberger Burg und die Kanufahrt auf kleinen norddeutschen Flüssen mit anschließender Übernachtung in freier Natur. So, wie das die Kinder aus dem SOS-Kinderdorf Harksheide in diesem Sommer gemacht haben. Und sie haben nichts vermisst. Jetzt gibt es da nur noch diesen Dorfleiter in Harksheide, der gerade dabei ist, seinen Etat zu flicken und der darauf hofft, „dass in diesem Jahr nichts mehr passiert, was Geld kostet“.

* Manfred Thurau ist Diplom-Sozialpädagoge im SOS-Kinderdorf Harksheide und der Sprecher der Einrichtung

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Norderstedt