Kreis Segeberg

Mehr Storchenpaare, aber weniger Nachwuchs

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Andreas Burgmayer
Majestätisch: Ein Storch im Vorbeiflug. 345 Storchenpaare brüteten in diesem Jahr in Schleswig-Holstein – so viele wie seit 1981 nicht mehr.

Majestätisch: Ein Storch im Vorbeiflug. 345 Storchenpaare brüteten in diesem Jahr in Schleswig-Holstein – so viele wie seit 1981 nicht mehr.

Foto: NABU

Storchenbericht 2020 des NABU für den Kreis Segeberg – In den Horsten herrschte landesweit Hochbetrieb wie seit 39 Jahren nicht mehr.

Kreis Segeberg.  Die Euphorie zu Jahresbeginn war groß. Von einem Rekordjahr für den Storchennachwuchs war in Schleswig-Holstein die Rede, als die Störche in den Norden zurückkehrten. Denn aus vielen Landesteilen wurden so viele Weißstorchenpaare wie noch nie gemeldet. Laut der Arbeitsgemeinschaft Storchenschutz im Naturschutzbund (NABU) haben in diesem Jahr 345 Paare in den Horsten des Landes gebrütet. Das ist in der Tat ein Rekord – zumindest in den letzten 39 Jahren.

Zuletzt hatte es 1981 sogar 402 brütende Storchenpaare gegeben. In den vergangenen Jahrzehnten lagen die Zahlen immer zwischen 170 und 250 Paaren, ehe es in den letzten Jahren einen Anstieg gab auf 295 Paare im vergangenen Jahr. Auch im Kreis Segeberg haben in diesem Jahr mehr Storchenpaare gebrütet als noch 2019. Holger Möckelmann aus Henstedt-Ulzburg, der sich für den NABU als Gebietsbeauftragter seit langen Jahren um die Weißstörche im Kreis Segeberg kümmert, hat gerade seinen Storchenbericht 2020 veröffentlicht. 39 Brutpaare wurden im Kreis gezählt, im Vorjahr waren es vier weniger.

Doch mehr Quantität in den Horsten sorgte 2020 nicht für mehr Quantität beim Nachwuchs. Im Kreis Segeberg wie auch in Schleswig-Holstein insgesamt ergibt sich das gleich Bild. 345 brütende Storchenpaare im Land schafften es, 561 Jungstörche aufzuziehen, bis diese flügge wurden. Die 295 Storchenpaare im vergangenen Jahr brachten es auf 657 flügge Kinder. Und damals, 1981, waren es bei 402 Paaren sogar 705 Jungstörche.

Im Kreis Segeberg verließen 76 Jungstörche die Horste, im vergangenen Jahr waren es 82. Geboren wurden 2020 allerdings 90 Jungtiere, 14 jedoch schafften es nicht. Ein Verlust von 16 Prozent der Brut (2019: 10 Prozent) Somit bleibt also der Bruterfolg im Kreis Segeberg mit 1,9 Jungstörchen pro Brutpaar unter dem guten Ergebnis des Vorjahres (2,3).

Die Störche kamen schon im Januar im Kreis Segeberg an

In diesem Jahr waren die Weißstörche Frühstarter im Kreis Segeberg. „Schon am 17. Januar wurde die erste Storchenankunft in Großenaspe gemeldet“, schreibt Möckelmann in seinem Bericht. Bei anderen Paaren dauerte es etwas länger mit der Zusammenkunft. „In Nützen/Kampen wartete der am 18. Februar auf der Westroute zurückgekehrte Storch fast zwei Monate auf seinen Brutpartner, der endlich am 13. April auf der von Afrika verlaufenden Ostroute ankam.“

Nachzügler gab es auch: „Am 3. Mai erreichte der letzte Brutstorch seinen Brutstandort Blomnath.“ Damit sich die Störche jedes Jahr wohlfühlen in den Horsten bedarf es viel Arbeit im Vorfeld. Möckelmann und viele Freiwillige sorgten gemeinsam mit den örtlichen Storchenhorstbetreuern und unter Mithilfe der Freiwilligen Feuerwehren, der SH Netz AG Plön und der Familie Schön, aus Hitzhusen für die Reinigung und Instandsetzung der Storchenhorste.

Die von Möckelmann dokumentierten Zwischenfälle im Storchenjahr 2020 zeigen, mit welchen Problemen die Weißstörche zu kämpfen haben. So führten Storchenkämpfe in Hasenmoor und Vosshöhlen zu einem Verlust der Brut und der Jungstörche. In Bad Bramstedt-Achtern-Diek raubte mutmaßlich ein Uhu drei Jungstörche aus dem Horst. In Geschendorf verendeten spät ausgebrütete Jungstörche durch den starken Regen Mitte Juli.

In Tensfeld befreite die Feuerwehr am 4. Juli einen der vier Jungstörche aus einem Güllebehälter. Sie reinigten und trockneten das Tier, ehe sie es auswilderten. In Wakendorf II eroberten Fremdstörche den Storchenhorst, in Sülfeld fiel einer der vier Jungstörche aus dem Horst. Noch nicht flugfähig wurde er eingefangen und zur Aufzucht in den Wildpark Eekholt gebracht. Beim Landcafe in Mözen lagen Ende Mai zwei tote Jungstörche im Horst.

Stefan Struve von der Storchenpflegestation Erfde fing Ende Juli auf einer Grünlandfläche in Hartenholm einen Altstorch ein. Dieser konnte keine Nahrung mehr aufnehmen. Ein Gummiring hatte sich um seinen Schnabel gewickelt und diesen fest verschlossen.

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