Schulunterricht

1100 Abstriche – nur ein positiver Fall

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Ein Arzt führt im Forschungszentrum Borstel (FZB) bei einer Autofahrerin einen Covid-19-Test durch.

Ein Arzt führt im Forschungszentrum Borstel (FZB) bei einer Autofahrerin einen Covid-19-Test durch.

Foto: Axel Heimken / dpa

600 Schulbeschäftigte an 35 Schulen im Kreis Segeberg wurden getestet – bis auf eine Lehrerin alle negativ.

Kreis Segeberg.  Es ist ein Fazit, dass Lehrer, Eltern und Schüler gleichermaßen beruhigen wird: 1100 Abstriche wurden bei etwa 600 Beschäftigten an 35 Schulen im Kreis Segeberg genommen – und nur in einem einzigen Fall wurde das Corona-Virus nachgewiesen.

Gezogen hat das Fazit am Mittwoch Boris Friege, der Leiter des Infektionsschutzes im Kreis Segeberg. Als einziger Flächenkreis hatte Segeberg neben den Städten Lübeck und Kiel an der ersten Testphase der sogenannten Corona-Prävalenztestungen in Bildungseinrichtungen teilgenommen. Die Tests erfolgten im Auftrag des Gesundheitsministeriums Schleswig-Holstein zwischen dem 11. und 29. Juni. Sie dienen als Gradmesser für die Hygiene- und Abstandsregeln während der schrittweisen Rückkehr zum Präsenzunterricht an den Schulen des Landes.

Den einzigen positiven Test auf Covid-19 bei einer 60-jährigen Lehrerin einer Schule in Bad Segeberg (wir berichteten) sieht Boris Friege als eine Bestätigung für die Funktionstüchtigkeit der Kontaktbeschränkungen an den Schulen. „Unsere sorgfältigen Ermittlungen im einzigen positiven Befund ergaben keinen Folgefall in der Bildungseinrichtung. Das ist mit der konsequenten Einhaltung der Abstandsregeln an der Schule gut erklärbar und unterstreicht den Wert des Abstandsgebotes.“ Die Frau war zum Zeitpunkt der Testung symptomfrei und hatte während der Arbeit in der Schule glaubhaft die Abstandsregeln eingehalten und wo nötig ihre Mund-Nasen-Bedeckung getragen. Eine enge Kontaktperson der Lehrerin in ihrem privaten Umfeld wurde ermittelt und in Quarantäne gestellt.

Was die übrigen Schlüsse aus den jetzt vorliegenden Ergebnissen der Testreihe angehe, so wolle sich Friege eher zurückhalten. „Bei der Prävalenztestung handelt es sich um eine Zahlenbetrachtung, nicht um eine wissenschaftliche Studie.“ Dennoch könne neben dem Wert des Abstandsgebotes eine weitere Feststellung getroffen werden. „Der Anteil positiver Testungen bei symptomfreien Personen ohne Bezug zu einem Risikogebiet oder Kontakt zu einer Covid-19-erkrankten Person war winzig.“ Bezogen auf die Gesamtzahl der Tests lag er unter einem Promille.

Voraussetzung für eine Teilnahme an den Tests war, dass die Schulmitarbeiter keine neu aufgetretenen Krankheitszeichen hatten, sagt Friege. „Das Interesse an einer Teilnahme war erfreulich hoch.“ Genau genommen konnte sich der Kreis vor testbereiten Schulmitarbeitern kaum retten. Friege bedauert, dass nicht alle Schulbeschäftigten, die mitmachen wollten, in dem kurzen Zeitintervall vor den Sommerferien in die Teststichprobe eingeschlossen werden konnten. Das Gros der getesteten Personen seien Lehrkräfte gewesen. Aber auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Hausmeisterei, des Schulsekretariats, der Schulassistenz sowie Reinigungskräfte ließen sich testen. Das Alter der Testpersonen betrug im Mittel 47 Jahre. Von den getesteten Personen waren 495 Frauen (83 Prozent) und 98 Männer (17 Prozent). Nicht alle Personen ließen sich zweimal testen. An der zweiten Testrunde eine Woche später nahmen noch 84 Prozent teil (501 Personen).

Getestet wurde an Grund- sowie an weiterführenden Schulen. Sechs Schulen waren mindestens zu einem Teil Förderschule. Bezogen auf die Testpersonen hatten 448 der Beschäftigten Bezug zu einer Grundschule, 182 zu einer weiterführenden Schule und 99 zu einer Förderschule.

In Norderstedt wurde etwa ein Viertel der Probanden getestet. Acht Schulen und 153 Schulbeschäftigte waren dabei. In der Auswertung wurden sie als „Hamburg nah“ erfasst. Demgegenüber wurden die übrigen 440 Testpersonen und 27 Schulen als „ländlicher Raum“ beschrieben. Ausgeführt wurden die Abstrichuntersuchungen von den engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Studienzentrums am Forschungszentrum Borstel. „Ein sehr kompetenter Partner an unserer Seite“, sagt Landrat Jan Peter Schröder, der dem dortigen Team für die „hervorragende Zusammenarbeit“ dankt. Die Prävalenztestungen gehen unterdessen weiter. Erzieher und Kinder in Kitas werden derzeit viermalig getestet. Eine zweite Testreihe an Segeberger Schulen folgt nach den Sommerferien.

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