Norderstedt

Eltern und Lehrer kritisieren Pläne der Ministerin

Schülerinnen und Schüler sitzen mit Abstand in ihrem Klassenraum (Symbolbild).

Schülerinnen und Schüler sitzen mit Abstand in ihrem Klassenraum (Symbolbild).

Foto: Marcel Kusch / dpa

Hygienekonzept und Digitalinitiative für den Unterricht in Zeiten von Corona bleiben zu vage. Digitale Endgeräte für Lehrer fehlen.

Norderstedt.  Nach den Ferien soll sich der Unterricht in den Schulen weiter der Normalität nähern – mit strengen Auflagen und einem digitalen Schwerpunkt. Doch Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU) muss sowohl für ihr Hygienekonzept wie auch für ihre Digitalinitiative Kritik von Eltern und Lehrern einstecken.

Das Rahmenkonzept der Ministerin für den Regelbetrieb an den Schulen „erfüllt die Mindesterwartungen der Landeselternbeiräte nicht. Zu vieles bleibt darin unklar“, schreiben die Landeselternbeiräte der Grundschulen und Förderzentren, Gemeinschaftsschulen, Gymnasien sowie der Berufsbildenden Schulen in einem offenen Brief an Prien. Die Ministerin hatte darauf hingewiesen, dass der Bund und Schleswig-Holstein 18,7 Millionen Euro bereitstellen, damit die Schulen digitale Endgeräte für die Schüler kaufen können. So soll die Bildungsgerechtigkeit steigen. Die Coronakrise habe gezeigt, dass bei weitem nicht alle Schüler Zuhause auf Laptop, PC und Internet zugreifen können.

Nur Geld zur Verfügung zu stellen, greife zu kurz, kritisieren die Elternvertreter: „Es müssen verbindliche Konzepte zur Beschaffung und Verteilung der Geräte etabliert werden.“ Völlig unklar sei auch, wann und wie die versprochene einheitliche Lernplattform für alle Schulen eingeführt werden soll. Im Rahmenkonzept des Ministeriums fehlten Aussagen zu verbindlichen Mindeststandards und dazu, wie durch Covid-19 verstärkte Lernlücken geschlossen werden sollen.

Die von der Ministerin vorgelegten Hygienemaßnahmen stoßen bei den Elternbeiräten ebenfalls auf Kritik, besonders das Kohortenprinzip, das das Abstandsgebot ersetzen soll. „Durch die Definition von Lerngruppen in fester Zusammensetzung (Kohorten) lassen sich im Infektionsfall die Kontakte und Infektionswege wirksam nachverfolgen“, sagt die Ministerin. Innerhalb einer Kohorte gilt der Abstandszwang nicht.

Problematisch wird es aus Sicht der Elternvertreter aber, wenn beispielsweise Kohorten-übergreifender Unterricht in Fachräumen erteilt wird. Zudem scheine es nicht schlüssig, dass das Gruppenprinzip in der Schule gelte, es aber außerhalb des Schulbetriebs durchbrochen werde, zum Beispiel im Öffentlichen Personennahverkehr. „Gerade hier werden Schulen und Schulträger vom Ministerium allein gelassen“, heißt es im offenen Brief. Konkrete Angaben fehlten auch zum im Rahmenkonzept formulierten Ziel, dass Schüler mit besonderem Unterstützungsbedarf entsprechend stark gefördert werden sollen.

„Priens Konzept zur Wiedereröffnung der Schulen verdient Anerkennung“, sagt Barbara Langlet-Ruck, 2. Vorsitzende des Philologenverbands, dem Berufsverband der Gymnasiallehrer. Der Verband zeigt sich aber enttäuscht darüber, dass der Forderung nach sicheren digitalen Endgeräten für Lehrkräfte immer noch nicht entsprochen worden sei. „Es ist nicht zu akzeptieren, dass Lehrerinnen und Lehrer ihre dienstliche Kommunikation auf privaten Rechnern leisten, die teilweise dem gesamten Haushalt zur Verfügung stehen. Hier muss sich schnell etwas ändern,“ fordert Langlet-Ruck.

„Lernen zu Hause“, „Distanzunterricht“ und Videoschaltungen seien allenfalls vorübergehend notwendig und praktikabel. Das Unterrichtsgespräch und die physische Präsenz von Schülern und Lehrkräften im Klassenraum seien pädagogisch auf Dauer durch nichts zu ersetzen.