Norderstedt

Probenräume sollen Karstadt ersetzen

| Lesedauer: 5 Minuten
Andreas Burgmayer
Probenräume statt Leerstand in der Karstadt-Immobilie (v. r.): CDU-Fraktionschef Peter Holle, die Stadtvertreterin Petra Müller-Schönemann und Gunnar Becker, bürgerliches CDU-Fraktionsmitglied und Trompeter im Symphonischen Blasorchester Norderstedt.

Probenräume statt Leerstand in der Karstadt-Immobilie (v. r.): CDU-Fraktionschef Peter Holle, die Stadtvertreterin Petra Müller-Schönemann und Gunnar Becker, bürgerliches CDU-Fraktionsmitglied und Trompeter im Symphonischen Blasorchester Norderstedt.

Foto: Andreas Burgmayer

Die CDU möchte Leerstand vermeiden und fordert die Stadt Norderstedt auf, den Ankauf für Kulturzwecke zu prüfen.

Norderstedt.  Traurig. Das erste, was einem zu diesem Anblick in der De-Gasperi-Passage einfällt. „Alles muss raus“, „Wir schließen diese Filiale“ und „50 Prozent auf alles!“ signalisieren grellbunte Aushänge in den Fenstern des Karstadt-Kaufhauses. Einer Einzelhandels-Institution in Norderstedt wird ein Ende auf der Resterampe bereitet. Die Schnäppchenjäger haben übernommen. Die meisten davon haben hier vielleicht in den vergangenen Jahren gar nicht eingekauft.

Ein Bild, das Schule machen könnte am wichtigsten Einkaufsstandort Norderstedts. Die Corona-Krise hat Gewissheiten erschüttert. Zum Beispiel die vom ewigen Wachstum. Viele Einzelhändler im Einkaufscenter der ECE blicken mit zunehmender Verzweiflung auf die nicht voller werden wollenden Gänge vor ihren Ladenlokalen. Die Kundenströme sind längst nicht wieder so dicht wie vor Ausbruch der Pandemie. „Sale, Sale, Sale“, nur dieser Anglizismus hat derzeit Konjunktur. Die Händler kämpfen um Umsatz, mit allen Mitteln. McDonald’s hat seine Filiale geschlossen, Norderstedt ist nun die wohl einzige 80.000-Einwohner-Stadt in Deutschland ohne Filiale des Burger-Braters.

Das weitere Horrorszenario am Herold-Center sieht so aus: Die Schließung von Karstadt und Karstadt Sport löst in enger Zusammenarbeit mit der Corona-Krise einen Dominoeffekt im Center aus. Saturn schließt sich mangels ausreichender Kundenfrequenz an, immer mehr Ketten mit ihren Filialen im Center können nicht mehr die nötigen Umsätze generieren, der Standort gefährdende Leerstand droht.

Karstadt hat die Räume noch nicht gekündigt

So weit wollen Peter Holle und seine Mitstreiter Petra Müller-Schönemann und Gunnar Becker von der CDU-Fraktion der Stadtvertretung noch gar nicht denken. Sie machen sich zunächst mal Gedanken darüber, was mit den riesigen Flächen von Karstadt und Karstadt Sports werden soll, wenn der Schlussverkauf beendet und das Kaufhaus endgültig Geschichte ist. „Der Weggang des Karstadt-Hauses schmerzt sehr. Aber wir müssen uns jetzt überlegen, wie wir diese Lücke schließen können. Ein Leerstand wäre an dieser Stelle schlimm“, sagt Peter Holle, Fraktionschef der Christdemokraten. Marion Bergmann, die für den Vermieter und Vermarkter der Flächen, der Metro-ECE Centermanagement GmbH & Co. KG (MEC), die De-Gasperi-Passage verwaltet, kann am Freitag noch nichts Konkretes vermelden. „Als Centerbetreiber fühlen wir uns gemeinsam mit dem Eigentümer dem Standort verpflichtet. Über den genauen Auszugstermin von Karstadt können wir noch nichts sagen, da uns noch kein offizielles Kündigungsschreiben vorliegt. Weiteren Gesprächen mit Karstadt zur Erreichung einer tragbaren Lösung stehen wir aufgeschlossen gegenüber.“ Parallel würden Nachvermietungsoptionen geprüft. „Unser generelles Ziel ist es, die Nahversorgung in Norderstedt weiterhin zu sichern“, sagt Bergmann.

„Uns wäre es natürlich auch am liebsten, wenn sich ein neuer Ankermieter als Nachfolger für Karstadt finden ließe“, sagt Holle. Trotzdem und für den „Worst Case“ des Leerstandes hat die CDU einen Plan B entwickelt, der die Stadt Norderstedt ins Spiel bringt. Danach soll die Stadtverwaltung die Flächen ankaufen oder mieten und für „Kulturzwecke“ entsprechend umbauen.

Statt eines Kaufhauses soll ein Kulturhaus entstehen, die lange gesuchten Räume, in denen die Musik- und Theatervereine der Stadt, die Kunstschaffenden und anderen Kreativen, endlich proben, spielen und wirken können. Wo zum Beispiel das Symphonische Blasorchester Norderstedt mit Pauken und Trompeten nicht stört, wo es genügend Raum findet, um sperriges Gerät und alle Instrumente abstellen zu können. Wo die Laientheater der Stadt auch ihre Kulissen und Requisiten unterstellen könnten.

„Die Corona-Krise hat auch bei den Kulturvereinen für große Einnahmeausfälle gesorgt“, sagt Gunnar Becker, bürgerliches Mitglied der CDU im Kulturausschuss und Trompeter beim Symphonischen Blasorchester. „Manche Vereine mussten sogar bestehende Mietverträge ihrer Probenräume kündigen. Es besteht dringender Handlungsbedarf.“

Zweiter Musikschul-Kubus wohl nicht vertretbar

Den die Kommunalpolitik ja erkannt und deswegen die Idee eines weiteren Kultur-Kubus im Stadtpark Norderstedt entwickelt hatte. Gleich einem Zwilling des Musikschul-Kubus, so die im vergangenen Jahr verfolgte Idee, sollte ein Gebäude auf einem Wiesenstück neben dem Kulturwerk am Stadtparksee angedacht werden. „Aber diese Idee müssen wir jetzt wohl auf unbestimmte zeit verschieben“, sagt CDU-Stadtvertreterin Petra Müller-Schönemann, die sich vehement für den Kubus eingesetzt hatte. „Während hier im Center Corona-bedingt die Geschäfte schließen und vielleicht bald Geschäfte leer stehen und viele Menschen ihren Jobs verlieren, da kann man in der Kulturpolitik nicht den Bau eines 9 Millionen Euro teuren zweiten Kubus vertreten“, sagt Müller-Schönemann.

Die Karstadt-Flächen, da sind sich die drei von der CDU einig, lägen perfekt für die Nutzung als Kulturzentrum. „Eine tolle Belebung des Quartiers und passend zum geplanten Bildungshaus“, sagt Petra Müller-Schönemann. „Bestens erreichbar sowohl mit dem ÖPNV als auch mit dem Auto, mit ausreichend Parkplätzen und einem Frachtzugang für schwere und große Instrumente“, ergänzt Gunnar Becker. Schon im kommenden Hauptausschuss am 10. August will die CDU einen entsprechenden Antrag einbringen.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Norderstedt