Kaltenkirchen

Amazon bringt kaum Gewerbesteuer, dafür jede Menge Lastwagen

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Jörg Riefenstahl
Bereit für Millionen von Auslieferungen: Das Warenverteilzentrum von Amazon an der Autobahn 7 bei Kaltenkirchen.

Bereit für Millionen von Auslieferungen: Das Warenverteilzentrum von Amazon an der Autobahn 7 bei Kaltenkirchen.

Foto: Andreas Burgmayer

Internet-Riese hat Warenverteilzentrum an die A7 gebaut. Bürgermeister aus Kaltenkirchen und Nützen kritisieren Verkehrskonzept.

Kaltenkirchen.  Im August will Amazon sein neues Warenverteilzentrum in Nützen an der Autobahn 7 in Betrieb nehmen. Doch die Begeisterung über die gewerbliche Neuansiedlung des Versandhändlers vor Kaltenkirchens Stadtgrenze ist getrübt. Denn in der Folge dürfte das Verkehrsaufkommen in der Region spürbar zunehmen. Es wird erwartet, dass wochentags rund 1000 Fahrzeuge zusätzlich auf An- und Abfahrten zum neuen Logistikzentrum unterwegs sein könnten.

Der Lieferverkehr soll ausschließlich über die Straße Op’n Camp erfolgen, an der bereits der Globus-Baumarkt in Kaltenkirchen liegt. Auch die Autobahnmeisterei ist in der Nachbarschaft. Bei hohem Verkehrsaufkommen dürfte es spätestens an der Kreuzung mit der Landesstraße 320 eng werden, befürchten Kritiker wie Kaltenkirchens Bürgermeister Hanno Krause und Nützens Bürgermeister Klaus Brakel.

Amazon: Bürgermeister hätten Verkehrsströme anders gelenkt

Sie hätten sich eine andere Lösung gewünscht: Um die Verkehrsströme zu lenken, hätte der parallel zur Straße Op’n Camp verlaufende Kirchenweg zur Einbahnstraße umgewidmet und für den abfließenden Verkehr von Amazon genutzt werden können. Zurzeit ist der Kirchenweg eine Sackgasse.

Doch der Vorschlag der Bürgermeister fand beim zuständigen Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr kein Gehör. ,,Der gesamte Verkehr fließt über die Straße Op’n Camp. Das ist baurechtlich in Ordnung, die Straßen sind entsprechend ausgelegt. Aber wir werden genau beobachten, ob sich Amazon an die Vorgaben hält, damit sich der Verkehr in dem Gebiet nicht allzu dramatisch entwickelt“ sagt Torsten Ridder, Leitender Verwaltungsbeamter im Amt Kaltenkirchen-Land.

Die Stimmung der Anwohner ist mit Blick auf die zu erwartende neue Situation in dem rund 30 Hektar großen Gewerbegebiet östlich der A 7 angespannt. Anwohner am Kamper Weg befürchten zudem, dass ihre Straße womöglich als Ausweichstrecke genutzt werden könnte.

Nützen fürchtet den Verkehr über einen Schleichweg

In Nützen wächst unterdessen die Sorge, dass Amazon-Fahrer bei erhöhtem Verkehrsaufkommen den Schleichweg am neuen Verteilzentrum vorbei über die Autobahnbrücke hinweg in Richtung des Ortsteils Kampen nehmen könnten. ,,Sollte dieser Fall eintreten, werden wir dort Schilder aufstellen, die Fahrzeugen mit mehr als 2,8 Tonnen Gesamtgewicht die Durchfahrt verbieten. Die schmale Brücke ist für Kleinlaster ungeeignet“, sagt Bürgermeister Brakel. Der Schritt sei bereits mit der Verkehrsaufsicht abgesprochen. Vom Durchfahrtsverbot wären die typischen Lieferwagen der Sprinter-Klasse betroffen. Sie haben bis zu drei Tonnen zulässiges Gesamtgewicht.

Auch sonst steht Nützens Bürgermeister der Ansiedlung des Online-Versandhändlers eher kritisch gegenüber – wohl auch, weil von dem weltweit erfolgreichen Unternehmen (zuletzt 22,2 Milliarden Dollar Jahresumsatz allein in Deutschland) kaum Gewerbesteuern für die 1200 Einwohner zählende Gemeinde zu erwarten sind: ,,Uns wurde von Amazon eine mittlere fünfstellige Summe pro Jahr versprochen.“

Amazon baut weitere Zentren im ganzen Norden

Der Neubau in Nützen ist ein weiterer Schritt des Versandhändlers, in Norddeutschland dauerhaft Tritt zu fassen. Im Mai hatte Amazon in Borgstedt bei Rendsburg nach acht Monaten Bauzeit sein erstes, rund 7800 Quadratmeter großes Verteilzentrum in Schleswig-Holstein eröffnet. Kostenpunkt: rund 30 Millionen Euro. Rund 140 Mitarbeiter arbeiten nach Unternehmensangaben in dem Verteilzentrum, von dem täglich bis zu 40.000 Pakete versendet werden.

Auch in Bad Oldesloe im Kreis Stormarn ist Amazon aktiv: Ein 12.600 Quadratmeter großes Verteilzentrum soll dort im Oktober eröffnen. 150 Arbeitsplätze entstehen.

Doch es gibt auch dort kritische Stimmen: Für Unmut sorgt im Ortsteil Rethwischfeld insbesondere der Umstand, dass neben dem hohen Flächenverbrauch für die Unternehmensansiedlung Amazon-Fahrer bei erhöhtem Verkehrsaufkommen Wohnstraßen als Schleichweg zur Autobahn 21 nehmen könnten.

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