Mobilität

Die Norderstedter Verwaltung steigt in den Sattel

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Burkhard Fuchs
Oberbürgermeisterin Elke Christina Roeder und Werkleiter Jens Seedorff auf den neuen Pedelecs des Norderstedter Fuhrparks.

Oberbürgermeisterin Elke Christina Roeder und Werkleiter Jens Seedorff auf den neuen Pedelecs des Norderstedter Fuhrparks.

Foto: Burkhard Fuchs

Mit 50 kostenlosen Pedelecs will das Rathaus seine 1800 Mitarbeiter motivieren, das Auto stehen zu lassen

Norderstedt.  Es ist eine ungewöhnliche Dienstfahrzeug-Flotte, die Oberbürgermeisterin Elke Christina Roeder und Stadtwerke-Chef Jens Seedorff am Montag vor dem Norderstedter Rathaus vorstellten. 50 Fahrräder, sogenannte Pedelecs, die beim in die Pedale Treten den Radfahrer mit einem Elektroantrieb unterstützen, hat die Stadt Norderstedt angeschafft, die alle 1800 städtischen Mitarbeiter jetzt für dienstliche und auch private Zwecke ausleihen sollen.

300 Nutzer hätten bereits 600 Fahrten gemacht für das Mobilitäts-Projekt „BewegungUmdenken“, das jetzt zwei Jahre lang erproben soll, wie groß die Bereitschaft der Belegschaft zum Umstieg vom Auto aufs Fahrrad tatsächlich ist.

Für die Mitarbeiter sei das Angebot natürlich freiwillig und kostenlos, betont Roeder. Stadtverwaltung und Stadtwerke wollten mehrere Ziele erreichen, erläutern die beiden Projektleiter Sandra Junck und Thorsten Meyer von den Stadtwerken. Dienstfahrten mit dem Auto sollen vermieden werden, und die Gesundheit der Mitarbeiter, die sich aufs Pedelec schwingen statt aufs Gaspedal zu drücken, soll gefördert werden. Und da die Mitarbeiter aufgerufen werden, die Pedelecs mit nach Hause zu nehmen oder über das Wochenende privat zu nutzen und damit wieder zur Arbeit zu kommen, könnte so auch die enge Parkplatz-Situation rund um das Rathaus oder die Stadtwerke-Zentrale entlastet werden. Eine Umfrage habe ergeben, dass beinahe zwei Drittel aller städtischen Bediensteten täglich mit dem Auto zur Arbeit führen, 60 Prozent aber grundsätzlich bereit wären, aufs Rad umzusteigen, sofern dies bequem und einfach für sie wäre. Hinzu komme der „Spaßfaktor“, sagt Roeder. Da habe sie gerade im Urlaub persönliche Erfahrungen gemacht. Im heißen Dubai hätte sie ihren Mann überredet, eine Radtour mit E-Bikes zu unternehmen. Nach anfänglichen Protesten hätten sie schließlich bei 35 Grad Celsius ganz in Ruhe und entspannt eine Strecke von 50 Kilometern zurückgelegt. „Mein Mann war regelrecht begeistert davon.“ Und auch intern im Rathaus und auf den Fluren der Stadtwerke seien die neuen Dienstfahrräder zurzeit das Gesprächsthema, freut sich Projektleiterin Sandra Junck. „Die Kollegen reagieren unglaublich positiv. Manche rufen mich nur an, um zu sagen, wie toll sie das Projekt finden.“

Der Stadtsprecher e-radelt jetzt jeden Tag zur Arbeit

Stadtsprecher Bernd-Olaf Struppek, der sich bereits in den ersten drei Wochen als „Power-User“ oder Vielfahrer erwiesen hat und des Öfteren den elf Kilometer langen Weg von zu Hause zur täglichen Arbeit im Rathaus in weniger als einer halben Stunde geradelt sei, sagt: „Man kann damit sogar Radrennfahrer ärgern, weil die einen dank des Elektroantriebs nicht abschütteln können.“ Allerdings müsse er aufpassen, dass er beim morgendlichen Radfahren zur Arbeit nicht zu sehr ins Schwitzen komme, um sich im Rathaus nicht gleich wieder umziehen zu müssen. Bei gemütlichem Tempo sei das aber „kein Problem“, hat der Erste Werkleiter Seedorff bei einer Spritztour durch das Wittmoor festgestellt.

Das Ausleihen und Nutzen der Pedelecs werde über eine App auf dem Smartphone gesteuert, erläutert Projektleiter Meyer. Für den gewünschten Zeitraum könne die App dann ein freies Pedelec zuweisen, das an fünf Standorten in Norderstedt – Rathaus, Stadtpark, Arriba-Bad, Buchenweg, Tiefgarage Stadtwerke – abgeholt und dort auch wieder abgestellt werden kann. Die Räder, die jeweils einen Wert von etwa 3500 Euro haben, sind abschließbar. Für das Projekt werden sie geleast, wobei die Kosten für die Stadt bei etwa acht Euro am Tag für jedes Pedelec einschließlich Wartung, App und Auswertung lägen. Zudem bestehe grundsätzlich Helmpflicht, wobei jeder Nutzer seinen eigenen Helm bekäme.

Aufgeladen werden die Pedelecs an den fünf Standorten mit Windstrom, die Nutzung der Pedelecs ist also kllimaneutral, sagt Werkleiter Seedorff. Als eine Art „Beifang“ würde mit diesem über zwei Jahre angelegten Projekt zudem ermittelt, welche Routen die Radfahrer durch die Stadt nähmen und welche nicht, was Aufschlüsse über die Qualität der Radwege ergebe, sagt Struppek.

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