Henstedt-Ulzburg

Er ist der Manager für Energie und Klima

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Christopher Herbst
Jens Uffenkamp, neuer Energie- und Klimaschutzbeauftragter der Gemeinde, war zuvor Umweltoffizier im Dienst von Tui Cruises. Gebürtig stammt der 32-Jährige aus Aalen in Baden-Württemberg.

Jens Uffenkamp, neuer Energie- und Klimaschutzbeauftragter der Gemeinde, war zuvor Umweltoffizier im Dienst von Tui Cruises. Gebürtig stammt der 32-Jährige aus Aalen in Baden-Württemberg.

Foto: Christopher Herbst

Jens Uffenkamp will in Henstedt-Ulzburg mit Bürgern und Politik Konzepte für eine nachhaltige und klimaneutrale Zukunft entwickeln.

Henstedt-Ulzburg.  „Das Ziel muss es sein, dass wir als Gemeinde unseren Beitrag zur Klimaneutralität leisten.“ Das hat Henstedt-Ulzburgs Bürgermeisterin Ulrike Schmidt anlässlich der Vorstellung jenes Mannes gesagt, der ab sofort der Beauftragte für Klimaschutz und Energiefragen im Rathaus ist. Und damit auch in leitender Funktion verantwortlich für die Erstellung eines Klimaschutzkonzeptes. Jens Uffenkamp (32) ist in der Großgemeinde ein neues Gesicht, gebürtig ist er aus Aalen in Baden-Württemberg. Zuletzt hat er Regionen der Welt gesehen, gegen die Henstedt-Ulzburg recht profan erscheinen mag. „Ich war drei Jahre als Umweltoffizier an Bord von Kreuzfahrtschiffen unterwegs.“ Sein Arbeitgeber: Tui Cruises. Einer der Arbeitsplätze: die „Mein Schiff 3“ mit 2500 Passagieren.

Kreuzfahrten und Klimaschutz – bekanntlich ein schwieriges Thema. Uffenkamp schulte Crews, beriet Kapitäne, achtete darauf, dass Abfälle und Abwasser gesetzeskonform entsorgt wurden, war generell zuständig für das Thema Energieeffizienz. Er war auf der Route Hamburg-Singapur unterwegs, war am Nordkap und in der Karibik. „Aber ich habe maximal die Hafenterminals gesehen. Beruflich hätte ich mich auch nicht mehr weiterentwickeln können.“ Die wesentlichen Entscheidungen werden immer noch an Land in den Firmenzentralen getroffen. Uffenkamp suchte eine neue Herausforderung und stieß auf die Ausschreibung der Gemeinde. „Schleswig-Holstein ist kein Zufall. Mir gefällt der Norden sehr. Die Nähe zum Meer ist ein Vorteil.“

Uffenkamp ist ein studierter Umweltwissenschaftler

Neben ihm stellte sich lediglich eine weitere Person für den Job vor. Uffenkamp überzeugte die Verantwortlichen im Rathaus, die Entscheidung für den studierten Umweltwissenschaftler fiel noch in der Amtszeit von Bürgermeister Stefan Bauer. Dessen Nachfolgerin hatte den Klimaschutz im Wahlkampf mit Nachdruck als eines ihrer Kernthemen genannt. „Die Entwicklung eines Klimaschutzkonzeptes wird eine große Herausforderung. Ich hoffe auf die Unterstützung der Bürger und der Politik“, so Ulrike Schmidt. „Klimaschutz wird aus vielen Perspektiven betrieben.“ Es sei wichtig, Aufklärung zu leisten und mit jenen Vereinen und Verbänden zu kooperieren, die das bereits täten. „Da haben wir einige.“

Grundsätzlich könnte das Einsatzfeld nach Ansicht der Bürgermeisterin auch mehr Personal vertragen, sie spricht von „ein bis zwei Stellen“. Die Grünen haben bereits angekündigt, Schmidt in den Beratungen zu unterstützen. „Wir müssen die notwendigen Stellen in der Verwaltung schaffen, damit die Maßnahmen auch umgesetzt werden“, sagt Danja Klüver, Mitglied im Umwelt- und Naturausschuss. Schon die Position des Klimaschutzbeauftragten ist eigentlich neu, bisher ging es eher um Energiemanagement.

Auch dieses, insbesondere das Controlling der kommunalen Gebäude, ist Sache von Jens Uffenkamp. Viele der Liegenschaften wurden in den letzten Jahren umfassend energetisch saniert, was Kosten reduziert und Ressourcen spart. Der Politik wird Uffenkamp im November oder Dezember den Energiebericht präsentieren. Und vielleicht auch seine Ideen. „Workshops mit Schulen“, das wäre ihm ein wichtiges Anliegen. Dazu ein weiterer Ausbau der Radwege, Hybridfahrzeuge im ÖPNV, mehr E-Ladesäulen.

Und eine effiziente Nahwärmeversorgung. Das Wohnquartier am Henstedter Friedhof soll mit einem energetischen Konzept eine Modellfunktion einnehmen. All das muss Uffenkamp aber erst noch kennenlernen. Von Henstedt-Ulzburg habe er bislang wenig gewusst. „Nur, dass es im Hamburger Speckgürtel liegt und an Relevanz dazugewinnt. Da wird in Zukunft viel passieren, wir können viel erreichen in Sachen CO2-Einsparung und Klimaschutzkonzept.“

Wie drängend die Probleme sind, zeigt sich im Straßenbild. Kürzlich musste der Baubetriebshof abgestorbene Bäume fällen – sie sind der Trockenheit aus den letzten Jahren zum Opfer gefallen. Ein Beispiel: eine 16 Meter hohe, 12 bis 15 Jahre alte Lärche auf dem Gelände der Grundschule Rhen. „Wir haben nachweislich einen Klimawandel. Wir können noch nicht absehen, was noch kaputtgehen wird“, sagt Arnim Steffens, der Leiter des Baubetriebshofs. „Das bisschen Regen in diesem Jahr ist nicht der Rede wert – und nicht unbedingt das Wasser, dass dem Altbaumbestand zur Verfügung steht. Die Altbäume ziehen sich das Wasser aus den tiefsten Schichten. Und da ist noch nichts.“

Innerhalb weniger Monate würden die Bäume absterben. Früher wurden diese noch zwei bis drei Jahre beobachtet. Steffens: „Grundsätzlich pflanzt die Gemeinde jeden gefällten Baum mit mindestens einem Ersatzbaum nach. Bei größeren Eichen, bei Buchen auch mehr. Aber wir pflanzen an einem Standort nach, wo wir sehen, dass sich der Baum in Zukunft gut entwickelt.“

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