Wahlstedt

Spielfreie Zeit für Sanierung des Kleinen Theaters nutzen

| Lesedauer: 4 Minuten
Michael Stamp (links) übernimmt 2021 den Vorsitz des Kulturrings Wahlstedt zusammen mit Melanie Bernstein vom jetzigen Vorsitzenden Wilfried Jendis.

Michael Stamp (links) übernimmt 2021 den Vorsitz des Kulturrings Wahlstedt zusammen mit Melanie Bernstein vom jetzigen Vorsitzenden Wilfried Jendis.

Foto: Heike Linde-Lembke

Das Kleine Theater am Markt in Wahlstedt startet erst 2021 mit einer neuen Saison und wünscht sich dafür ein renoviertes Haus.

Wahlstedt . Sanieren statt spielen heißt die Devise des Kulturrings Wahlstedt für die kommende Saison im Kleinen Theater am Markt. Der ehrenamtliche Vorstand hat mit seinen Mitgliedern beschlossen, die Risiken eines Spielplans unter Abstandsregelungen und stark verminderter Zuschauerzahl während der Corona-Krise gar nicht erst einzugehen und die kommende Spielzeit komplett ausfallen zu lassen. Stattdessen bittet der Verein Verwaltung und Politik, die dringenden Sanierungen vorzuziehen, um die spielfreie Zeit zu nutzen.

Die neue Theater- und Konzertsaison im Kleinen Theater startet somit erst im Oktober 2021. Auf dem Spielplan sollen dann so beliebte Künstler wie Gitte Haenning, Stefan Gwildis und Tim Fischer stehen. Als Start soll die Schmidt-Show vom Berliner Theater Mogul das 400-Plätze-Theater bespielen. Insgesamt sind 64 Aufführungen inklusive des Kulturring-Theaters „Filou“ geplant.

Mit der Saisoneröffnung im Herbst 2021 wechselt auch der Vorstand. Der jetzige Vorsitzende Wilfried Jendis gibt sein Ehrenamt an Melanie Bernstein, jetzt Vorsitzende des Programmbeirats, und Beiratsmitglied Michael Stamp ab. Für diese künftige Doppelspitze wird die Satzung des Kulturvereins geändert.

„Ich wollte den Vorsitz jetzt schon abgeben, aber wegen der Corona-Krise haben mich meine Nachfolger gebeten, noch ein Jahr weiterzumachen, und dem folge ich gern“, sagt der 80-jährige, ehemalige Realschullehrer. Mit seinem Team hat er in den vergangenen Monaten alles daran gesetzt, die bereits lange geschlossenen Verträge für 2020/2021 zu lösen. Aufgrund der geltenden Corona-Maßnahmen dürften zurzeit nur 65 von 400 Plätzen besetzt werden. „Die Agenturen und Gastspielunternehmen vergeben ihre Termine schon eineinhalb Jahre vor den Aufführungen, aber mit dem Erlös von 65 Eintrittskarten wären wir nach kurzer Zeit insolvent“, sagt Melanie Bernstein, die hauptberuflich als CDU-Bundestagsabgeordnete tätig ist.

Neun Veranstaltungen mussten abgesagt werden

Sie habe zudem bei dem Absage-Marathon von den Agenturen und Ensembles große Not erfahren, habe aber mit allen Tourneebühnen und Künstlern einen Weg gefunden, die Aufführungen zu schieben. „Wir wollen ein verlässlicher Partner sein, daher setzen wir lieber gleich eine Saison aus, statt plötzlich die Verträge lösen zu müssen“, ergänzt Michael Stamp, der als Mediensprecher für die Karl-May-Spiele arbeitet.

„Andererseits hätten auch wir mit plötzlichen Absagen der Stücke rechnen müssen, denn viele Ensembles durften nicht proben, und das Risiko eines Ausfalls wäre für uns als ehrenamtlicher Verein zu hoch“, sagt Jendis.

Per Brief hat der Kulturring seinen Abonnenten die „traurige Entscheidung“ (Jendis) mitgeteilt. „Als uns die Nachricht von der notwendigen Schließung erreichte, standen noch neun Veranstaltungen mit 15 Aufführungen auf unserem Spielplan. 4500 Eintrittskarten waren für diese Veranstaltungen bereits verkauft und mussten nun rückvergütet werden, doch viele Gäste haben dankenswerterweise auf eine Rückvergütung verzichtet“, freut sich Jendis.

Die Entscheidung, ob die spielfreie Zeit für die Sanierung genutzt wird, fällt im August im Planungs- und Verkehrsausschuss. Saniert werden müssen das Dach, die Belüftung, Heizung, Treppen und Sicherheitseinrichtungen. Die Kosten von zirka 2,5 Millionen Euro trägt die Stadt als Eigentümerin des Theaters, der Kulturring hat das Haus gepachtet.

Unterstützt wird der Kulturring auch von der Stiftung der Sparkasse Südholstein. „Wir halten auch im kommenden Jahr dem Theater die Treue“, sagt Stefan Tölle, Filialleiter Wahlstedt/Trappenkamp. Die Stadt sponsert das Theater mit 25.000 Euro pro Jahr und übernimmt auch die Betriebskosten von 500.000 Euro pro Jahr. „Unser großer Vorteil als Kulturverein ist es eben, keine Personalkosten zu haben, wir machen alles ehrenamtlich“, betont Wilfried Jendis. Die Vorstellungen sind meistens zu 93 bis 100 Prozent ausverkauft. „Wir haben ein sehr treues Publikum, und darauf freuen wir uns bei der Wiedereröffnung im Oktober 2021“, sagt der Vorsitzende.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Norderstedt