Norderstedt

Gärtnern mit Lerneffekt auf städtischen Grünflächen

| Lesedauer: 5 Minuten
Christopher Herbst
Christine Pawlitzky und ihr Mann Nicolai Panke pflegen als Grünpaten eine öffentliche Fläche vor ihrem Grundstück.

Christine Pawlitzky und ihr Mann Nicolai Panke pflegen als Grünpaten eine öffentliche Fläche vor ihrem Grundstück.

Foto: Christopher Herbst

Seit Beginn der Aktion Grünpaten im April hat die Stadt Norderstedt bereits elf Patenschaften für öffentliche Grünflächen an Bürger vergeben.

Norderstedt. Dieses Schild ist eine absolute Rarität in der Stadt. „Privatpflege. Bitte diese Flächen nicht pflegen“, offiziell aufgestellt von Mitarbeitern des Betriebsamtes Norderstedt, steht vor dem Grundstück von Christine Pawlitzky und Nicolai Panke. Sie sind Grünpaten, anerkannt durch die Stadt. Insgesamt sind, seitdem das Projekt im April präsentiert worden war, elf dieser Kooperationen zwischen Bürgern und der Verwaltung geschlossen worden.

Alles geschieht nach dem Prinzip des „Urban Gardening“: Eine eigentlich öffentliche Fläche, für die in diesem Fall das Betriebsamt verantwortlich wäre, geht in die Zuständigkeit von Privatpersonen über. Es gibt zwar einige Vorgaben und bei Bedarf Tipps und Tricks, aber letztlich sind die jeweiligen Gärtner-Fähigkeiten gefragt. Auch Saatgut und Geräte werden nicht gestellt.

„Lerneffekte gehören dazu“, sagt Christine Pawlitzky. Die Naturkostberaterin, die für den Kattendorfer Hof arbeitet, hat erst 2019 mit ihrem Mann, der Geschäftsführer eines Flüchtlingszentrums in Hamburg ist, ihr Eigenheim in Norderstedt gebaut – zuvor wohnte das Paar im niedersächsischen Hitzacker. Im April habe sie einen Artikel über die Grünpatenschaften gelesen, sagt sie. „Wir wollten eh Rasen säen. Aber als wir gesehen haben, dass wir auch mehr machen können, dachten wir, das ist doch super – dann versuchen wir, etwas Blühendes hinzubekommen.“

So einfach ist das aber nicht. Die kleine, 30 bis 40 Quadratmeter große Fläche war früher ein wilder Parkplatz für die Anlieger. „Der Boden ist stark verdicht und verwurzelt. Und durch den Bau unseres Hauses ist die Fläche auch stark in Mitleidenschaft gezogen worden, denn hier war die Baustraße.“

Wichtig: Die Pflanzen sollen insektenfreundlich sein

Die Renaturierung begann Ende Mai. „Die Blühwiese war leider nicht sehr erfolgreich. Man sieht hier Cosmea, die kommen, da ist Klee. Eigentlich sollte alles viel höher sein, es stagniert.“ Die Fläche ist also recht störrisch. Die beiden stattlichen, etwa 70 Jahre alten Buchen lassen zudem wenig Licht oder Regen durch.

„Vielleicht müssen wir es zwischendurch mit einer Gründüngung versuchen oder Erde austauschen. Wir geben nicht auf. Ein Staudenbeet ist eine Möglichkeit. Und im Herbst wollen wir Zwiebeln einsetzen – Krokusse, die ganzen Frühblüher, das stelle ich mir einfacher vor, weil die nicht so tief in die Erde müssen“, sagt Pawlitzky. „Und die haben im Frühjahr auch mehr Licht, weil die Bäume noch nicht so viel Laub haben.“

Dem Betriebsamt ist es insbesondere wichtig, dass die ausgewählten Pflanzen in Norddeutschland heimisch sind und dazu insektenfreundlich. Gerade der zweite Punkt ist, so Pawlitzky, ein deutlicher Unterschied zwischen Hitzacker und Norderstedt. „Das ist ein bisschen erschreckend. Wir hatten in Hitzacker eine Blühwiese, da war es einfacher, weil es eine vollsonnige Südseite war. Da waren super viele Insekten.“ Das ist in Norderstedt allgemein anders. „Wir waren erschüttert, wie wenig Insekten hier herumfliegen. Da ist nicht viel los. Nur an den Frühblühern sind ein paar Hummeln und Schwebefliegen.“

Damit sich das ändert, setzt die Stadt weiter auf Patenschaften. „Wir wollen, dass Flächen genommen werden, die in einem verbesserungswürdigen Zustand sind“, sagt Laura Weigel vom Betriebsamt. Anfragen seien jederzeit möglich, auch in den Herbst hinein noch, wenn die Zwiebeln gesetzt werden. „Man kann das locker noch machen, bis der erste Bodenfrost kommt.“ Und eines ist ihr noch ein wichtiges Anliegen. „Wir haben das Projekt im April gestartet. Aber wir hatten vorher schon viele Bürger, die im Stadtgebiet öffentliche Flächen bepflanzt haben.“ Aber eben noch keine Paten geworden sind. „Die mögen sich gerne einmal bei uns melden.“

So wird man Pate

Wer eine Patenschaft übernehmen möchte und vor dem eigenen Grundstück eine möglicherweise geeignete Fläche hat, sollte sich mit dem entsprechenden Formular (betriebsamt-norderstedt.de) bei der Stadt melden. Das Betriebsamt überprüft die Fläche – passt alles, gibt es eine Urkunde. Eine Patenschaft sollte für mindestens zwölf Monate bestehen.

Einige Bedingungen: Der Boden sollte nur bis 20 Zentimeter Tiefe bearbeitet werden, die Pflanze 70 Zentimeter Höhe nicht überschreiten. Es sollten möglichst heimische Insektenfutterpflanzen gewählt werden, dazu die Boden- und Lichtverhältnisse beachtet werden. Einbauten oder Ausstattung (Bänke, Findlinge, Pflanztöpfe) sind nicht erlaubt. Erforderliche Schnittmaßnahmen an Bäumen darf nur das Betriebsamt durchführen.

Ansprechpartnerin für Nachfragen ist Sibylle Mersmann, Telefon 040/523 06 21 04 (Mo., Di., Fr. jeweils 8 bis 12 Uhr) oder E-Mail an sibylle.mersmann@norderstedt.de

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Norderstedt