Rätsel

Wer war der Venezianer, der viel zu erzählen hatte?

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Wolkenformation in Form eines Fragezeichens (Bearbeitung):

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Foto: Artur Cupak / picture alliance / imageBROKER

Jeden Tag stellen wir Ihnen eine Aufgabe. Im Denksport-Rätsel suchen wir heute einen Händlers, der auf seinen Reisen zum China-Experten wurde.

Kreis Segeberg.  Das Konzert ist abgesagt, das Shoppen macht mit der Maske im Gesicht keinen Spaß und die Kumpels am Stammtisch in der Kneipe können Sie auch noch nicht treffen. Was tun? Nun, versuchen Sie doch einmal, das folgende Denksport-Rätsel zu lösen. Wir veröffentlichen täglich unsere Rätsel-Kolumne – gesucht wird der Name einer bekannten Persönlichkeit. Los geht’s!


Die Rivalität zwischen den Stadtstaaten Venedig, Genua und Pisa eskalierte. Es ging um die Handelsmacht an der kleinasiatischen Küste und um lukrative Domänen in Byzanz. Am 7. September 1298 kam es zwischen den Kontrahenten zur Seeschlacht vor der Dalmatinischen Küste, die mit einer vernichtenden Niederlage der Venezianer endete. Unter den 7000 venezianischen Gefangenen befand sich ein 44- Jahre alter Kaufmann. Zum Zellengenossen erhielt der Kaufmann einen munteren Pisaner namens Rusticiano, der von sich behauptete, ein Modeschriftsteller zu sein, dessen einziges Verbrechen darin bestünde, mit seinen Geschichten allzu aufregend auf die Gemüter von Damen zu wirken.

Rusticiano kannte längst den Namen des Kaufmanns, der sich unter seinen Mitbürgern einiger Prominenz erfreute. Gemeinsam mit Vater und Onkel hatte der Händler 17 Jahre am Hof eines mongolischen Großkhans verbracht. Trotz allen Heimwehs bot sich erst dann eine Gelegenheit zur Heimreise: Der Regent von Persien, Großneffe des Khans, hatte seine Frau verloren und wünschte eine neue Gattin aus dem Clan des chinesischen Hofes.

Die drei Venezianer sollten die Braut geleiten. Die Reise währte etliche Monate. Inzwischen verstarb der sehnsüchtig harrende Bräutigam. So sprang der Sohn in die Bresche und heiratete die ursprünglich als Stiefmutter vorgesehene Chinesenprinzessin. Drei Jahre benötigte das Kaufmannstrio für die Rückreise nach Venedig, wo sie nach insgesamt 20-jähriger Abwesenheit kein Mensch mehr erkennen wollte. Also erzwangen sie ihre Anerkennung durch ein opulentes Festmahl, zu dem sie die Spitzen der Gesellschaft luden.

Zur Vorspeise erschienen die drei zum Entsetzen der Gäste in ihren zerlumpten Reisekleidern. Zu jedem neuen Gang legten sie jedoch immer prunkvollere Gewänder an, und zum Dessert präsentierten sie den Clou: Zwischen Früchten und Süßspeisen zerschnitten sie die anrüchigen Reiseklamotten, und aus aufgetrennten Nähten purzelten Gold und Diamanten auf den Tisch des Hauses. Die eindrucksvolle Demonstration stopfte zunächst aller Spötter Maul.

Doch als der Benjamin des Trios aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehrte und sein Ex-Mithäftling Rusticiano die Erlebnisse des Kaufmanns als Buch herausgab, kannte der Hohn keine Grenzen. Wer glaubte schon Geschichten wie die, dass man in China schwarze Steine aus der Erde holte, die länger brannten als Holz!

Doch der Kaufmann ignorierte das Gelächter. Als er am 8. Januar des Jahres 1324 auf dem Totenbett lag und seine Ehefrau ihn beschwor, seine Geschichten zu widerrufen, antwortete er lächelnd: „Ich habe noch nicht einmal die Hälfte erzählt.“


Wie hieß der Abenteurer?

Die Lösung finden Sie morgen im Hamburger Abendblatt. In der Montagausgabe suchten wir den Namen des Markgrafen, nach dem auch ein Heldenepos benannt ist. Gemeinst ist Roland.

( jasch )

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