Geschäftsidee

Schlachter geschlossen? Grillfleisch aus dem Automaten

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Stefanie Nowatzki hat den Lebensmittelautomaten vor einem Monat in Henstedt-Ulzburg aufstellen lassen. An den Wochenende und sogar nachts kaufen die Kunden hier ein.

Stefanie Nowatzki hat den Lebensmittelautomaten vor einem Monat in Henstedt-Ulzburg aufstellen lassen. An den Wochenende und sogar nachts kaufen die Kunden hier ein.

Foto: Frank Knittermeier

Immer mehr Fachgeschäfte bieten Würstchen, Frikadellen und Hähnchenfilets auch nach Geschäftsschluss an.

Henstedt-Ulzburg.  Es ist Sonntag, das Wetter ist gut, grillen ist angesagt – aber die Läden sind geschlossen. Das kann ein Problem sein, muss es aber nicht. Denn immer mehr Fleischgeschäfte nutzen neuerdings die Möglichkeit, ihre Waren per Automaten zu verkaufen. Zigaretten, Kaugummis, Fahrkarten oder Kondome waren gestern: Inzwischen gibt es in einigen Orten die Möglichkeit, nach Geschäftsschluss vieles einzukaufen, was es normalerweise nur in Lebensmittel- oder Fachgeschäften gibt. In Henstedt-Ulzburg, Kaltenkirchen und Wakendorf II zum Beispiel können auch Fleischwaren jederzeit aus dem Automaten gezogen werden.

Mit den Öffnungszeiten von Supermärkten oder Tankstellen können kleine Händler in der Regel nicht mithalten. Durch Automaten haben sie aber die Möglichkeit, ihre qualitativ hochwertigen Waren auch abends und an Feiertagen zu verkaufen. Das nutzt in Kaltenkirchen der Geflügelhof Kleist am Flottkamp, in Henstedt-Ulzburg die Fleischerei Nowatzki an der Maurepasstraße und in Wakendorf II die Landschlachterei Busack an der Hungertwiete. Dazu kommen einige Bauern und Hofläden, die ihre Erzeugnisse und Waren auf diese Weise anbieten und so nicht nur die Bestandskunden erfreuen, sondern damit auch die Möglichkeit nutzen, einen ganz neuen Kundenstamm aufzubauen. In Schleswig-Holstein verbreitet sich diese Verkaufstaktik noch zögerlich, im Süden Deutschlands gibt es die Lebensmittelautomaten bereits länger.

Wer Angst vor Infektionen hat, muss den Laden nicht betreten

Stefanie Nowatzki weiß genau, wie beliebt die Automaten in Süddeutschland sind – auf einer Fachmesse hatte sie die Chance, ein solches Gerät näher kennenzulernen. Schon seit einiger Zeit spielte sie mit der Idee, ein solches Gerät auch an ihrem Geschäft aufzustellen. Seit einem Monat steht es gleich links neben dem Geschäftseingang in einem extra dafür gebauten Unterstand.

Dass die Einführung des Automaten mit der Corona-Pandemie und dem Skandal in der deutschen Fleischindustrie zusammenfiel, ist reiner Zufall. Geschäftsschädigend ist es sicherlich nicht: Wer Angst vor Infektionen hat, muss den Laden nicht betreten und kann sich selbst bedienen. Und schließlich wissen zumindest die Stammkunden, dass Nowatzkis Fleisch nicht aus den großen Schlachtbetrieben stammt. „Wir bekommen unser Fleisch aus dem Kreis Steinburg. Die dort ansässigen Bauern garantieren für Tierwohl und kurze Transportwege“, sagt Stefanie Nowatzki, die den 1964 gegründeten Familienbetrieb zusammen mit ihren Eltern führt. „Der wird von Bauernhöfen aus der Umgebung beliefert.“

Was gibt es im Automaten? Zum Beispiel Buttersteaks vom Schwein (8,50 Euro), Chili Bagel (5,50 Euro), zwei Frikadellen (3 Euro), Hähnchengrillfilets Mango und Chilli (9,50 Euro), Chili Con Carne in der Dose (8,50 Euro), Rouladen vom Rind (14 Euro) oder grobe Leberwurst (3,80 Euro). Im Angebot gibt es also neben Fleisch, Wurstwaren und Salaten auch fertige Gerichte, die alle bei Nowatzki selbst zubereitet werden. Wer will, bekommt auch ein Glas Honig oder den leckeren hausgemachten Fleischsalat.

Gezahlt wird in bar oder kontaktlos per Kreditkarte

Im Winter will Stefanie Nowatzki mehr Suppen und Konserven anbieten. Gezahlt wird in bar oder kontaktlos per Kreditkarte. EC-Karten funktionieren hier nicht. Vor allem an den Wochenenden wird das Angebot viel genutzt, stellt Stefanie Nowatzki fest. „Gelegentlich wird auch nachts am Automaten eingekauft.“ Über Tasten wird das jeweilige Fach ausgewählt, aus dem die Ware nach erfolgter Zahlung in ein gut gepolstertes Fach fällt und von außen entnommen werden kann. Die Waren sind gekühlt, der Automat wird zweimal in der Woche bestückt.

Für Stefanie Nowatzki ist dieses Selbstbedienungsangebot perfekt. Der Kunde hat die Möglichkeit, auch über die begrenzten Ladenöffnungszeiten hinaus qualitativ hochwertige und regional hergestellte nachhaltige Produkte zu erwerben. „Damit leisten wir einen Beitrag für eine bessere Grundversorgung und tragen auch zur Verbesserung der Lebensqualität am Ort bei“, sagt Stefanie Nowatzki. Gleichzeitig müssten die Öffnungszeiten auch aus Rücksicht auf das Personal nicht ausgeweitet werden. Aufgrund dieser Aspekte wurde das Projekt vom Regionalbudget der Lokalen Aktionsgemeinschaft Aktivregion Alsterland gefördert.

Die Landschlachterei Busack in Wakendorf II hat zurzeit Betriebsferien, verkauft Wurst- und Fleischspezialitäten, Grillgut und Gläser mit fertigen Gerichten aber weiter über „BBB -Busack’s Beef Box“. Hier ist das Bezahlen mit EC-Karte übrigens möglich. Der Geflügelspezialist Kleist aus Kaltenkirchen gibt keine Auskunft über seinen Automaten.

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