Norderstedt

Erinnerung an die Wissenschaftlerin Anne Fischer-Buck

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Dr. Anne Fischer-Buck (1920–2013) machte Norderstedt zum Treffpunkt international anerkannter Wissenschaftler.

Dr. Anne Fischer-Buck (1920–2013) machte Norderstedt zum Treffpunkt international anerkannter Wissenschaftler.

Foto: Heike Linde-Lembke

Die Norderstedter Sozialpädagogin und Philosophin wäre am Dienstag hundert Jahre alt geworden.

Norderstedt.  Warum scheint die Sonne? Wozu gibt es Regen? So fragen nicht nur kleine Kinder. Sondern auch große Philosophen. Eine, die stets für eine verständliche Wissenschaft der Pädagogik gekämpft hat, ist Dr. Anne Fischer-Buck. Am 7. Juli wäre die Sozialpädagogin und Philosophin 100 Jahre alt geworden. Die promovierte Norderstedter Wissenschaftlerin starb am 24. Dezember 2013 im Alter von 93 Jahren.

„Sie war die Gründerin der Franz-Fischer-Gesellschaft für Philosophie und Pädagogik, deren Vorsitzender ich seit 2007 bin“, sagt Harald Freter. Anne Fischer-Buck war mit dem renommierten Philosophen und Pädagogen Franz Fischer verheiratet. Er nahm sich 1970 im Alter von 41 Jahren das Leben.

Der promovierte Mathematiker Harald Freter war langjähriger Stadtrat und Kulturdezernent in Norderstedt und Mitgründer der Franz-Fischer-Gesellschaft, die sich im Mai 2007 mit elf anerkannten Erziehungswissenschaftlern, Philosophen und Theologen in Norderstedt gründete, um das Werk, die Bildungsphilosophie Franz Fischers weiter zu erforschen, zu ergänzen und zu veröffentlichen. Zum Gründungsgremium gehören Thomas Altfix, damals Lehrbeauftragter der Universitäten Hamburg und Wien, Reinhardt Aulke, damals Studiendirektor der Alexander-von-Humboldt-Schule in Wittmund, und Professor Dr. Ephraim Meir aus Jerusalem.

Ebenfalls Mitstreiterin der Gesellschaft war Fischer-Bucks Schwester Dorothea Buck, eine Ikone der Psychiatrie-Erfahrenenbewegung. Die Bildhauerin und Autorin starb 2019 im Alter von 102 Jahren. „Wir wollten Anne Fischer-Buck und ihre Schwester im Herbst mit einer Tagung in St. Andrä-Wördern bei Wien ehren, aber leider mussten wir diesen Plan wegen der Corona-Pandemie aufgeben“, bedauert Harald Freter.

Seit 2007 gibt es in der Stadt die Franz-Fischer Gesellschaft

Seit 1986 widmete sich Dr. Anne Fischer-Buck dem Erhalt des wissenschaftlichen Werks ihres Ehemannes Franz Fischer, der am 1929 in Österreich geboren wurde. Nach dem Tod des Philosophen und Pädagogen gründete die seit 1963 mit Ehemann, Tochter Therese und Sohn Anton in Norderstedt lebende Pädagogin den Franz-Fischer-Kreis. 1986 folgte der Fischer-Verlag in Norderstedt, im Mai 2007 verwandelte sie den Fischer-Kreis in die Franz-Fischer-Gesellschaft.

Die Wissenschaftlerin wurde 1920 als Tochter eines Pastors, der zum Kreis Dietrich Bonhoeffers gehörte, in Oldenburg geboren. Nach der Mittleren Reife lernte sie Kindergärtnerin und wurde Sozialpädagogin. 1942 ließ sie sich in Leipzig zur Werklehrerin und in Bremen zur Jugendleiterin ausbilden.

1950 bestand Anne Fischer-Buck in Göttingen das Begabten-Abitur, studierte Pädagogik, Psychologie und Evangelische Theologie in Bonn und Zürich und promovierte 1957 über das Thema „Naturgemäße Erziehung“. 1956 heiratete sie Franz Fischer, 1958 wurde ihre Tochter Therese geboren, 1959 Sohn Anton. Von 1967 bis zur ihrer Pensionierung arbeitete sie als Lehrerin für Pädagogik, Psychologie und Methodenlehre an der Fachschule für Sozialpädagogik in Hamburg.

Anne Fischer-Buck machte Norderstedt zum Treffpunkt für Symposien mit international anerkannten Wissenschaftlern, die in der Vicelin-Schalom-Kirche am Immenhorst stattfanden. Themen waren beispielsweise „Bildung fängt mit Fragen an“, „Bildungspartnerschaft“, „Ändern wir Menschen uns – und wenn ja, wie?“ und „Über die Wechselseitigkeit des Lernens“.

Im Anne-Fischer-Verlag, der von Tochter Therese Fischer geführt wird, erscheinen auch heute noch die Norderstedter Hefte und die Jahrbücher für Philosophie. Anne Fischer-Buck ist neben ihrem Ehemann Franz Fischer auf dem Harksheider Friedhof begraben.

( lin )

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