Schröters Corona-Update

Die Kunst schlägt zurück

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Jan Schröter
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Foto: Jan Schröter / Schröter

Corona hat die Kulturschaffenden genug leiden lassen, findet Kolumnist Jan Schröter. Er ist der Meinung: Schlagt zurück!

Mecklenburg-Vorpommern ist ein landschaftlich bildschönes Bundesland, wenn auch nicht unbedingt bekannt für die Kreation neuer Modetrends. Beinahe hätte es jetzt damit geklappt: Wirtschaftsminister Harry Glawe schlug vor, die Maskenpflicht für Kunden beim Einkaufen auszusetzen. Kurzzeitig befürchtete ich wirklich, damit käme der Mann nicht bloß durch, sondern andere Bundesländer würden sich ihm anschließen. Dann hätte ich mich morgens vorm Einkaufen wieder rasieren müssen. Der Vorschlag wurde glücklicherweise abgeschmettert. Und ach, wie gut, dass niemand weiß, dass ich unter der Maske aussehe wie Rumpelstilzchen.

Maskenpflicht gilt also weiterhin und ist Teil unseres Alltags, wie vieles rund um das Coronavirus. Corona beeinflusst unser soziales Leben, unsere Arbeitswelt und somit auch die Kunst, denn die lebt ja davon, die Realität zu reflektieren. In meinem Job als Drehbuchautor sind jetzt Geschichten gefragt, die sich unter Einhaltung gebotener Abstandsregeln verfilmen lassen. Liebespärchen werden im Film mittlerweile gern mit Schauspieler-Ehepaaren oder wenigstens mit in einem Haushalt zusammenlebenden Darstellern besetzt, weil dann nicht gleich die Corona-Polizei die Dreharbeiten stilllegt, wenn es handlungsmäßig zum ungezügelten, weil unmaskierten Austausch von Zärtlichkeiten kommt. Ich habe auch schon Kurzgeschichten und Romanentwürfe gelesen, in denen Corona eine Rolle spielt. In der Malerei ist das Virus meines Wissens noch nicht angekommen. Wäre ja auch doof, wenn man eine Mona Lisa erschafft, ihr ein faszinierend rätselhaftes Lächeln ins Gesicht zaubert und abschließend eine Maske drüberpinseln muss.

Oder man stelle sich eines der berühmtesten Wandgemälde der Welt vor, Leonardo da Vincis „Das Abendmahl“. Jesus mit seinen zwölf Jüngern nebeneinander am Esstisch. Alle aus unterschiedlichen Haushalten und nicht miteinander verwandt. Normalerweise ist das Originalgemälde 4,22 Meter breit. Die corona-konforme Version sähe 1,50 Meter Abstand zwischen den einzelnen Tischgenossen vor und wäre unverkäuflich, weil das Werk – da Vinci hin oder her – an keine Wand mehr passte. Malerei und Corona, das wird wohl nichts.

Aber was ist mit Musik? Herbert Grönemeyer lässt doch sonst keine innerliche Befindlichkeit aus. Flugzeuge im Bauch. Oder „Bisse richtig down, brauch’se wat zu kau’n, ne Currywurst“. Vermutlich außen hart und innen ganz weich. Wann singt der Mann endlich über Corona? Herbie, hier ist dein Refrain: „Bei deinem Anblick wurde ich ganz schwach/Doch der Test hat einen Abstrich durch die Rechnung gemacht“ – oder so ähnlich.

Helene Fischer widmet ihren größten Hit dem Irrweg des Meckpommer Wirtschaftsministers: „Maskenlos durch die Nacht“. Und in öffentlich-rechtlichen Schulfunkprogrammen trällert eine Trickfigur zur unvergessenen Udo-Jürgens-Melodie „17 Jahr‘, blondes Haar“ eine pädagogisch wertvolle Warnung: „Streichelzoo, Risiko“.

Liebe Musiker, Corona hat Euch genug leiden lassen. Schlagt zurück!

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