Wakendorf II

Sie rettet Pferde vor dem Schlachthof

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Stefanie Grabs mit Tornado (l.) und Gold. Die Allgemeinärztin nutzt jede freie Minute, um sich um ihre Tiere zu kümmern.

Stefanie Grabs mit Tornado (l.) und Gold. Die Allgemeinärztin nutzt jede freie Minute, um sich um ihre Tiere zu kümmern.

Foto: Claudia Blume / blume

Stefanie Grabs und ihre Mitstreiter vom Verein „4 Hufe im Glück“ kümmern sich um alte Sport- und Zuchtpferde sowie Pony-Senioren.

Wakendorf II. Anton, Botticelli und Gold toben begeistert über die weitläufige Koppel in Wakendorf II – Gras zum Sattfressen gibt es im Überfluss. Doch eigentlich sollten die drei Junghengste gar nicht hier sein. Sie waren bereits auf dem Weg zur Schlachtbank und verdanken ihr weiteres Leben den engagierten Tierrettern des Vereins „4 Hufe im Glück“.

„Jeden Herbst werden in Österreich Hunderte Haflinger- und Noriker-Fohlen wegen Überpopulation oder mangelnder Zuchtkriterien direkt von der Mutterstute weg auktioniert. Die meisten landen verängstigt auf Schlachttransporten nach Italien, wo sie nach einer wochenlangen, qualvollen Anbindemast getötet werden“, sagt Stefanie Grabs.

Stefanie Grabs rettet Pferde, Ponys und Esel

Die 46-Jährige ist seit Langem im Tierschutz tätig, gründete 2013 den Verein Streunerglück, der sich um Hunde und Katzen im ehemaligen Jugoslawien kümmert. 2016 rief sie das Pendant für Pferde, Ponys und Esel ins Leben. Ob Schlachtfohlen, Vierhufer aus schlechter Haltung, ausrangierte Zucht- und Sportpferde oder „überflüssig“ gewordene Ponysenioren – der Verein hat sich zur Aufgabe gemacht, für alle Tiere in Not ein neues Zuhause zu finden.

Nach dem Motto: „Während die Vernunft sagt: ,Wir können nicht alle retten‘, sagen wir: ‚Und wenn es nur eines ist, wir versuchen es!‘“, konnten bereits in nur vier Jahren knapp 100 Schützlinge erfolgreich vermittelt werden – so wie der 33 Jahre alte Shetty-Opi Lucky, der auf einer Pflegestelle liebevoll aufgepäppelt wird und wieder Spaß am Leben hat.

Der Verein ist bundesweit und über die Grenzen hinweg aktiv und gut vernetzt. Hilferufe kommen per Facebook und E-Mail, „uns kontaktieren mittlerweile sogar Amtstierärzte, wenn sie Tiere beschlagnahmen und Unterbringungsmöglichkeiten suchen“, sagt Stefanie Grabs.

Für die Finanzierung werden weitere Tierfreunde gebraucht

Die Hamburger Allgemeinärztin investiert jede freie Minute für Tiere aller Art; zu ihrer Familie zählen neben Mann und Kindern Katze, Hund, Hühner und vier Pferde. „Es sind Herzensprojekte, die glücklich machen“, schwärmt die Powerfrau und knuddelt zwischen Zaunbau und Heu abladen mit ihrem Noriker-Wallach Toni, der sich von einem staksigen (Schlacht-)Fohlen zu einem imposanten Jungpferd entwickelt hat.

Sechs Ehrenamtliche packen auf dem gepachteten Weideland in Wakendorf II täglich an bei der Stallarbeit und der Versorgung der Pferde. Für die Finanzierung ist der Verein auf Unterstützung vieler weiterer Tierfreunde angewiesen, die Geld, Futter, Halfter und Bürsten spenden, eine Fördermitgliedschaft oder eine Tierpatenschaft übernehmen.

Erst vergangene Woche gab es aus einer Spendenaktion von Getränke Hoffmann einen Scheck über 1300 Euro. „Das sind umgerechnet zwei Haflingerfohlen, die wir vor der Schlachtbank retten können“, freut sich Stefanie Grabs. „Die Not der Pferdekinder wird in diesem Jahr besonders groß sein, da coronabedingt wahrscheinlich keine Auktionen stattfinden, die Tiere dennoch ,an den Mann‘ gebracht werden müssen“, vermutet sie.

Der Platz ist begrenzt, und jedes Jahr müssen einige Fohlen gehen

Aktuell suchen zwei einjährige Konik-Junghengste ein liebevolles Zuhause bei Pferdefreunden, bei denen sie – auch getrennt – in Ruhe aufwachsen können. Gatsbee und Georgi stammen aus einer nahezu wild lebenden Herde, die im Naturschutzgebiet für die Landschaftspflege sorgt.

Doch der Platz ist begrenzt, und jedes Jahr müssen einige Fohlen gehen. Ein Auftrag für „4 Hufe im Glück“. Seit März wohnen die Ponys mit den Spielkameraden aus Österreich auf den Vereinskoppeln. So richtig können sie ihr Glück noch gar nicht fassen. Menschen gegenüber sind sie noch schüchtern, aber den angebotenen Karotten können sie immer seltener widerstehen. Und ihrem „pferdigen“ Charme ist schon jetzt jeder Zweibeiner erlegen.

( HA )

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