Pädophilen-Ring

Inhaftierter Norderstedter war Jugendtrainer der Eintracht

| Lesedauer: 3 Minuten
Absperrband umgibt das Grundstück in einer Kleingartenkolonie am Stadtrand von Münster mit einer Gartenlaube, von der man hier die Rückseite sieht. Die Laube ist einer der Tatorte des vermutlichen Haupttäters.

Absperrband umgibt das Grundstück in einer Kleingartenkolonie am Stadtrand von Münster mit einer Gartenlaube, von der man hier die Rückseite sieht. Die Laube ist einer der Tatorte des vermutlichen Haupttäters.

Foto: Marcel Kusch / dpa

Kindesmissbrauch in Münster: Erweitertes Führungszeugnis des inhaftierten Norderstedters war ohne Auffälligkeiten.

Norderstedt. Die Staatsanwaltschaft Münster bestätigt es nun auch offiziell: Der 52 Jahre alte Norderstedter, der in Zusammenhang mit den Ermittlungen zu einem immer weiter verzweigten Ring um Kindesmissbrauch in Untersuchungshaft genommen wurde, hat für einige Zeit Jugendfußballer bei Eintracht Norderstedt trainiert. Mittlerweile sei er bei dem Garstedter Verein nicht mehr tätig, heißt es.

„Weitere Ermittlungsansätze gibt es nicht“, sagt Oberstaatsanwalt Stefan Lechtape. „Ich kann nicht sagen, ob es einen Zusammenhang zu dieser Tätigkeit gibt.“ Er könne nicht ausschließen, dass die Arbeit des 52-Jährigen im Club noch Gegenstand der Ermittlungen sein könnte. Gegenwärtig gibt es laut Staatsanwaltschaft aber keine Hinweise auf einen Missbrauchskomplex wie in der Stadt Münster, der Norderstedter soll auch nicht im Zentrum eines Pädophilie-Rings stehen.

Norderstedter hat Missbruch eines Zehnjährigen gestanden

Der Mann hatte, wie berichtet, am Mittwoch gestanden, sich an einem zehnjährigen Kind vergangen zu haben. Dabei handelt es sich um den Stiefsohn des Hauptverdächtigen, einem 27 Jahre alten Mann aus Münster. Gegen den IT-Fachmann, der im Kreis Coesfeld als Administrator einer Biogasanlage tätig war, wird bereits seit 2018 ermittelt.

Der Norderstedter war durch seine persönlichen Kontakte zum Haupttäter und zu weiteren Verdächtigen ins Blickfeld der Ermittlungskommission „Rose“ geraten. Er hatte sich mit seinen Wohnmobil, das ebenso wie zahlreiche Datenträger vom Landeskriminalamt sichergestellt worden ist, im Sommer 2019 auf einem Campingplatz in Niedersachsen aufgehalten, wo sich auch die Tat ereignet haben soll.

Opfer identifizierte den Norderstedter

Er wurde von dem Opfer identifiziert und schwer belastet – daraufhin räumte er den Missbrauch ein. Wo er in Untersuchungshaft sitzt, wollte die Staatsanwaltschaft Münster nicht mitteilen. Insgesamt wird bisher gegen 21 Personen ermittelt, elf davon sind inhaftiert. Die Ermittler vermuten, dass es sich nur um die Spitze des Eisbergs handelt. So konnten bislang unter anderem rund 500 Terabyte an Daten nicht entschlüsselt werden.

Für Reenald Koch, Präsident von Eintracht Norderstedt, ist die Situation schwierig. Nach Rücksprache mit dem LKA darf er sich nicht im Detail zu dem Fall, dem Beschuldigten, dessen Tätigkeit oder dem privaten Umfeld äußern. „Jeder Trainer, der bei uns trainieren und einen Vertrag haben will, muss ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen“, so Koch. „Dieses lag auch in diesem Fall vor.“

Jugendtrainer hatte "blütenweiße Weste"

Im Vergleich zu einem normalen Führungszeugnis würden in einem solchen Dokument auch geringfügigere Verurteilungen vermerkt sein, die ansonsten bei Ablauf von Fristen gelöscht worden wären – beispielsweise exhibitionistische Handlungen oder die Verbreitung von Kinderpornografie.

„Der Mann hatte eine blütenweiße Weste“, so Reenald Koch, es hätte keine Hinweise auf Vergehen in seiner Vergangenheit gegeben. Auch im Zusammenhang mit seiner Arbeit mit jungen Fußballern hat es laut Koch nie Indizien oder Vorwürfe bezüglich sexueller Übergriffe gegeben.

( che )

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Norderstedt