Schröters Wochenschau

Gold für Holstein bei Olympia 2021

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Jan Schröter
Jan Schröte

Jan Schröte

Foto: Wolfgang Klietz

Ein digitales Olympia? Das wäre was! Dann hätte auch unser Kolumnist gute Chancen, mal ganz oben auf dem Siegertreppchen zu stehen.

Die Klärung der Frage, wer von uns der Schnellste ist, hat die Menschheit ganz sicher bereits beschäftigt, als man noch kollektiv mit Wurfsteinen den Mammuts hinterher bückelte. Laufen liegt uns (na gut, den meisten von uns) in den Genen, schon deshalb sind Laufwettbewerbe auch heute noch so beliebt. Und egal, ob es sich dabei um eine Veranstaltung für Profis oder Freizeitsportler handelt – sie funktionieren so: Die Kandidaten starten gleichzeitig auf Kommando, hecheln schnellstmöglich über die ausgewiesene Strecke, und wer zuerst im Ziel ist, hat gewonnen. Wer nicht mitläuft, steht an der Strecke und jubelt oder sitzt zumindest zu Hause vor der Glotze und lässt laufen und jubeln.

All dies fiel in diesem Sommer der Pandemie zum Opfer. Neben so gut wie allen anderen Laufveranstaltungen durfte auch der „Hella Halbmarathon“ nicht auf geplanter Strecke an Alster und Elbe stattfinden. Dafür fand der Wettbewerb überall statt, auch in Norderstedt und anderen Gemeinden unseres Landkreises. Und das ging so: Jede Läuferin, jeder Läufer suchte sich seine 21,1 Kilometer lange Strecke selber aus, dokumentierte den Lauf digital per Handy oder Sportuhr und sandte das Ergebnis an die Wettkampfleitung. Die erfasste alle Daten in einer Liste, und schon war mal wieder die ewige Frage nach den Schnellsten beantwortet.

Man sollte sich dieses Verfahren patentieren lassen. In Tokio diskutiert man ja bereits wieder darüber, ob die von diesem Sommer aufs nächste Jahr verlegten Olympischen Spiele vielleicht selbst dann noch wegen Corona nicht stattfinden können. Ein digitales Olympia wäre die Lösung. Die Sportler rennen, reiten, schwimmen, stoßkugeln und werfhämmern jeder für sich zu Hause, digital verbunden mit der olympischen Wettkampfleitung, welche die Rangliste erstellt. Die Medaillen gibt’s dann per Päckchen, das unbenutzte Olympische Dorf ließe sich im dicht besiedelten Tokio sicher anderweitig lukrativ vermieten. Und richtig völkerverbindend würde Olympia endlich wieder werden, könnte dabei wirklich JEDER mitmachen.

Ich zum Beispiel wäre ein heißer Anwärter auf den Sieg im 100-Meter-Lauf. Man darf sich ja die Strecke selber aussuchen. Ich starte ganz locker auf dem Scheitelpunkt der furchterregendsten Gefällerampe der mörderischsten Achterbahn im Hansapark Sierksdorf. Und während die üblichen Sprintgranaten auf ihren ebenen Stadion-Laufbahnen gerade erst die 10-Meter-Marke überquert haben, saust Freifall-Schröter nach triumphalen 0,9 Sekunden auf 100 Meter im Anschluss noch durch den Dreifach-Looping, um langsam auszutrudeln. Gold für Holstein.

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