Kreis Pinneberg

Appener Marseille-Kaserne sucht einen neuen Namen

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Alexander Sulanke
Oberstleutnant Felix Leendertz (l.), hier mit Kommandeur Oberst Michael Skamel am Kasernentor, leitet die Arbeitsgruppe, die einen neuen Namen für die Marseille-Kaserne finden soll.

Oberstleutnant Felix Leendertz (l.), hier mit Kommandeur Oberst Michael Skamel am Kasernentor, leitet die Arbeitsgruppe, die einen neuen Namen für die Marseille-Kaserne finden soll.

Foto: Alexander Sulanke

Der Weltkriegs-Flieger Hans-Joachim Marseille widerspricht dem heutigen Verständnis von Tradition in der Luftwaffe. Arbeitsgruppe gegründet.

Appen. Die Marseille-Kaserne in Appen, Sitz der Unteroffizierschule der Luftwaffe, wird umbenannt. Das hat Kommandeur Oberst Michael Skamel am Donnerstag bekannt gegeben. Er hat eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die sich nun auf Namenssuche begibt – und damit einen jüngst ergangenen Traditionserlass umsetzt. Ehe am Haupttor an der Hauptstraße in Appen tatsächlich ein neuer Schriftzug hängt, dürfte es Skamels Worten zufolge noch mehr als ein Jahr dauern.

Marseille – das soll es jedenfalls nicht mehr sein. Denn gemeint ist hier nicht etwa eine wunderschöne Hafenstadt an der französischen Mittelmeerküste. Sondern Hans-Joachim Marseille, Jahrgang 1919, ein begnadeter Flieger. Ein Kämpfer aber auch, der im Zweiten Weltkrieg vor allem dadurch auffiel, dass er so viele feindliche Flugzeuge abschoss wie kein anderer, ehe er 22-jährig bei einer missglückten Notlandung in Ägypten ums Leben kam. Sein Spitzname: „Stern von Afrika“.

Warum Hans-Joachim Marseille im Oktober 1975 zum Namensgeber für die bis dahin Fliegerhorst Uetersen genannte Kaserne wurde, kann sich Oberst Skamel nur schwer erklären. Möglicherweise, so mutmaßt er, habe bei den Überlegungen Marseilles fliegerisches Können im Mittelpunkt gestanden, habe man damit erinnern wollen an die Zeit, als auf dem benachbarten Flugplatz Uetersen-Heist noch Piloten ihre fliegerische Grundausbildung absolviert hatten. Dokumente zu dem damaligen Prozess existieren jedenfalls nicht. Dass am Ende mit Verteidigungsminister Georg Leber ein SPD-Politiker grünes Licht gab – heute unvorstellbar.

Skamel: „Marseilles fliegerische Exzellenz ist unbestritten. Aber das reicht heute nicht mehr aus.“ Eine Person als Namensgeber müsse vielmehr mit ihrem Denken und Handeln unseren heutigen Wertvorstellungen entsprechen. Inzwischen habe die Luftwaffe der Bundeswehr eine eigene bewegte Geschichte, die bei den Überlegungen im Besonderen betrachtet werden solle. Sie beginne mit der Gründung 1956.

Oberstleutnant Felix Leendertz ist der Mann, bei dem in Sachen Namensfindung nun alle Fäden zusammenlaufen. Der Lehrgruppenkommandeur der Unteroffizierschule leitet die Arbeitsgruppe. Er ruft nun alle etwa 300 dauerhaft in der Kaserne Beschäftigten dazu auf, Vorschläge einzureichen. Aber auch interessierte Lehrgangsteilnehmer sollen sich an dem Verfahren beteiligen können. Leendertz hat eine Reihe von Eignungskriterien festgelegt. So werde jemand gesucht, der durch sein Gesamtwirken oder eine Einzeltat besondere Bedeutung erlangt hat. „Die Person muss einen Bezug zur Luftwaffe haben, aber auch zu unserem Standort, also zu Schleswig-Holstein oder sogar zu unserer Kaserne“, sagt der Offizier. Außerdem sei die Wirkung des Namens wichtig, und zwar nicht nur nach außen, sondern auch nach innen. Denn: „Ich würde mich freuen, den Namen mit künftigen Lehrgangsteilnehmern im Unterricht zu thematisieren. Außerdem wollen wir einen Namen haben, mit dem sich die Belegschaft in hohem Maße identifizieren kann.“

Abstimmung auch mit dem zivilen Umfeld erforderlich

Der Zeitplan sieht vor, dass die infrage kommenden Vorschläge durch Recherche in Archiven gründlich historisch eingeordnet werden. „Schließlich stellen wir die geeigneten Namen in der Kaserne vor und lassen darüber abstimmen“, sagt Leendertz. Der Rest sei Verwaltungsroutine: Vorlage zur Genehmigung beim Inspekteur der Luftwaffe und Genehmigung durch die Verteidigungsministerin.

Ganz am Ende erfordert eine neue Namensgebung auch noch einige Abstimmung mit dem zivilen Umfeld der Kaserne. Wegweiser in Appen müssen ausgetauscht werden, die Bushaltestelle vor dem Tor braucht neue Schilder, der künftige Name muss sich auch in den Busfahrplänen wiederfinden.

Nach jetzigem Stand der Dinge sieht es so aus, als favorisierten Oberst Skamel und Oberstleutnant Leendertz wieder eine Person als Namensgeber. Als eine mögliche Umbenennung des Standorts vor drei Jahren zum ersten Mal zum Thema wurde, machte kurzzeitig „Europakaserne“ als Vorschlag die Runde. Kommandeur Michael Skamel macht recht deutlich, was er davon hielte: „Ich persönlich würde Stadt-Land-Fluss-Namen nicht präferieren.“

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