Rätsel

Heute gesucht: Ein schwer fassbarer Gegner

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Wolkenformation in Form eines Fragezeichens (Bearbeitung).

Wolkenformation in Form eines Fragezeichens (Bearbeitung).

Foto: Artur Cupak / picture alliance / imageBROKER

In unserem heutigen Denksport-Rätsel suchen wir den Namen eines bekannten deutschen „Gebrauchslyrikers“.

Kreis Segeberg.  Das Konzert ist abgesagt, das Shoppen macht mit der Maske im Gesicht keinen Spaß und die Kumpels am Stammtisch in der Kneipe können Sie auch noch nicht treffen. Was tun? Nun, versuchen Sie doch einmal, das folgende Denksport-Rätsel zu lösen. Wir veröffentlichen täglich unsere Rätsel-Kolumne – gesucht wird der Name einer bekannten Persönlichkeit. Los geht’s – und viel Erfolg!


„Ich musste, was schön ist, nicht erst aus Büchern lernen. Ich durfte die Schönheit einatmen, wie Försterkinder die Waldluft“, erzählte der Autor in seiner Autobiographie. Er beschrieb die Stadtsilhouette mit den „edlen, ehrwürdigen Türmen“ und schwärmte: „Es war eine wunderbare Stadt“. Nach dem 15. Februar 1945 blieben vom Großteil der Pracht nur noch Trümmer. Auch die älteste Kirche, deren steinerne Kuppel vor dem Krieg als Wahrzeichen der Stadt galt, war vernichtet. Der Autor besuchte die Heimat erst 1946 wieder und registriert geschockt: „Es ist, als fiele das Herz in eine tiefe Ohnmacht“.

„Kennst Du das Land, wo die Kanonen blüh‘n?“ hatte er bereits 1928 in seinem Gedichtband „Herz auf Taille“ gewarnt. „Dort steckt ein Kind in jedem zweiten Mann/das will mit Bleisoldaten spielen.“

Der studierte Germanist nannte seine Gedichte „Gebrauchslyrik“. Ebenfalls populär wurden seine Kinderbücher. Das erste, ebenfalls 1928 erschienen, ist noch heute ein Genreklassiker: Ein Junge fährt allein mit dem Zug in die Großstadt und wird unterwegs bestohlen. Mit der Hilfe einer gewitzten Kinderschar erlangt er sein Eigentum zurück.

Nach 1933 blieb der Autor in Deutschland, obwohl man seine Bücher verbrannte und ihn einige Male verhaftete. Er war weder Jude noch parteipolitisch organisiert und somit für die Nationalsozialisten ein schwer fassbarer Gegner, der das Regime überlebte.

1949 schrieb er ein Drehbuch über ein Zwillingspärchen, das mittels List und Liebe die geschiedenen Eltern wieder zusammenführt. Kritiker monierten, man könne mit Kindern nicht über „solche“ Sachen sprechen. Der Autor nannte die kleinlichen Moralhüter „ahnungslose Leute, die, weil Kinder erwiesenermaßen klein sind, in Kniebeuge schreiben.“ Der erste Bundesfilmpreis prämierte 1950 den Erfolg des Kassenschlagers.

Kurz vor dem Tod des Autors am 29. Juli 1974 fand sich an seinem Arbeitsplatz ein Notizzettel mit dem Satz: „Die Einbahnstraße als Sackgasse.“ Nach der Bedeutung gefragt, antwortete er: „Es handelt sich um die von Deutschen in kritischen Zeiten bevorzugte Marschroute.“


Wie hieß der scharfzüngige Gebrauchslyriker, und wo wurde er geboren?

Die Antwort steht morgen im Hamburger Abendblatt. In der Mittwochausgabe fragten wir nach einem bekannten Journalisten und Schriftsteller. Es ist Joseph Roth, der 1894 in Brody (Ostgalizien, Österreich-Ungarn) geboren wurde und 1939 in Paris starb.

( jasch )

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