Schleswig-Holstein

6 Millionen Euro veruntreut: Haft für früheren Casio-Manager

| Lesedauer: 3 Minuten
Der ehemalige Casio-Finanzmanager im Kieler Landgericht.

Der ehemalige Casio-Finanzmanager im Kieler Landgericht.

Foto: Thomas Geyer

Der Angeklagte arbeitete als Finanzmanager für den Konzern in Norderstedt. Doch dem Spitzenverdiener reichte sein Gehalt nicht.

Kiel/Norderstedt.  Seinem ehemaligen Arbeitgeber, der Casio Europe GmbH in Norderstedt, schuldet der Angeklagte rund sechs Millionen Euro. Auf diese Summe addieren sich die Firmengelder, die der Finanzmanager seit 2004 auf eigene Konten schleuste. Weil die Fälle vor 2014 verjährt sind, ahndete das Kieler Landgericht „nur“ die Veruntreuung von 2,8 Millionen Euro. Das Urteil: vier Jahre Freiheitsstrafe.

Warum wird ein leitender Angestellter kriminell, der in seinem Unternehmen jahrelang als Führungskraft Karriere macht und das Dreifache eines deutschen Durchschnittseinkommens verdient? Auch diese Frage beschäftigte das Gericht in dem nur dreitägigen Wirtschaftsprozess. „Aus der Not heraus“ will der 61-Jährige gehandelt haben. Das nahm ihm der Vorsitzende Richter Sven Heitmann in der Urteilsbegründung nicht ab.

Angeklagter fühlte sich unter Selfmade-Millionären minderwertig

Eine andere Erklärung boten „die Kreise“, in die der bienenfleißige und ehrgeizige Finanzbuchhalter des europäischen Elektronik-Konzerns geraten sein will: Unter Selfmade-Millionären, sagte er, habe er sich minderwertig gefühlt. Immobilien, Boote, Autos – offenbar wollte der Aufsteiger bei den Wohlstandssymbolen der Schickeria mithalten.

Laut Urteil pflegte er seit 2004 einen gehobenen Lebensstil, den er am Arbeitsplatz mit einem „Erbe aus Kanada“ begründete. Der Angeklagte kaufte Ferienwohnungen, einen Porsche 911 und ein 2600-Quadratmeter-Anwesen auf Mallorca. Angeblich weil seiner Frau das südliche Klima besser bekam. Der Erlös für das 2,5-Millionen-Objekt im Promi-Wohnsitz Santa Ponsa soll dem geschädigten Unternehmen jetzt zumindest einen Teil des Schadens ersetzen. Auch beruflicher Stress mit vielen Dienstreisen und 16-Stunden-Tagen könnte laut Urteil eine Rolle gespielt haben: 2004 erlitt der Angeklagte einen Schlaganfall. Auch seine Ehefrau erkrankte schwer.

Lesen Sie auch:

Gericht wertet rückhaltloses Geständnis strafmildernd

Im Unternehmen fehlte ohne konsequent umgesetztes Vieraugenprinzip die Kontrolle, so das Urteil. Die Datenverarbeitung, die ihm 15 Jahre lang in die Hände spielte, habe der Angeklagte dort selbst entwickelt und installiert. Mit kleinen Summen fing es an, später gab es keine Hemmschwellen mehr, sagte der Vorsitzende. Strafmildernd fiel das rückhaltlose Geständnis ins Gewicht, das der Justiz eine aufwendige Beweisaufnahme ersparte. Auch die erhöhte Haftempfindlichkeit aufgrund des Alters und der angeschlagenen Gesundheit wurde berücksichtigt.

Staatsanwalt Felix Doege hatte noch drei Monate mehr gefordert. Verteidiger Mark-Henning Krause plädierte auf Bewährung und beantragte die Aufhebung des Haftbefehls. Doch das Gericht sah Fluchtgefahr. Es sei nicht auszuschließen, dass der Angeklagte verborgene Geldreserven habe. Und sein Sohn lebe in der Schweiz, mit der man kein Auslieferungsabkommen habe. „Von dort kriegen wir keinen zurück“, sagte der Vorsitzende zur Begründung.

( gey )

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Norderstedt