Kreis Segeberg

Vier neue Häuser für Flüchtlinge in Norderstedt

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Michael Schick
So soll die Asylbewerberunterkunft am Buschweg in Norderstedt aussehen.

So soll die Asylbewerberunterkunft am Buschweg in Norderstedt aussehen.

Foto: Hans-Ulrich Zöllner Architekten

Stadt will bis zu 25 Millionen Euro in die Häuser investieren. In die Wohnungen können bei Leerstand auch Norderstedter Bürger einziehen.

Norderstedt. Die Stadt wird bis zu vier neue Häuser für Geflüchtete bauen und dafür maximal 25 Millionen Euro ausgeben. Nachdem SPD, Grüne, die Wählergemeinschaft Wir in Norderstedt (WiN) und Linke vor gut einem Jahr das Projekt mit knapper Mehrheit gegen die Stimmen von CDU, FDP und AfD beschlossen hatten, hat Jörg Gust von der städtischen Entwicklungsgesellschaft Norderstedt (EGNO) die Pläne für zwei Unterkünfte am Buschweg und Harkshörner Weg jetzt im Sozialausschuss vorgestellt.

Zugleich hat Sozialamtsleiter Sirko Neuenfeldt darauf hingewiesen, dass wieder mehr Flüchtlinge nach Norderstedt kommen könnten. Durch die Öffnung der Landesgrenzen sei wieder mit einem Anstieg der Flüchtlingszahlen zu rechnen. Laut Weltgesundheitsorganisation sind so viele Menschen auf der Flucht vor Krieg, Konflikten und Verfolgung wie noch nie. Daher müsse sich Norderstedt auf mehr Zuweisungen vorbereiten: „Schon in den letzten beiden Jahren konnte die Stadt Norderstedt ihre Verpflichtung zur Unterbringung gegenüber dem Kreis nicht vollständig nachkommen“, heißt es in Neuenfeldts Bericht.

Neben den beiden Neubauten am Buschweg und am Harkshörner Weg müsse die Stadt weitere Räume für Geflüchtete zur Verfügung stellen. Da sei Sozialdezernentin Anette Reinders in Gesprächen mit dem Baudezernenten. Für dieses Jahr habe der Kreis 280 Zuweisungen angekündigt. Die Dezernentin geht aber davon aus, dass es wegen der Corona-Pandemie deutlich weniger sein werden. Bisher habe die Stadt seit Jahresbeginn 60 Asylsuchende aufgenommen. Insgesamt leben rund 1100 Geflüchtete in Norderstedt, sie sind an zwölf Standorten untergebracht, vom Niewisch im Süden bis zur Lawaetzstraße im Norden. „Die Zahl bleibt konstant, die etwa 200 Abgänge im Jahr werden durch Familiennachzug, Geburten und Zuweisungen ausgeglichen“, sagt Reinders.

Die Neubauten werden nötig, weil eine baufällige ältere Unterkunft an der Lawaetzstraße abgerissen werden muss und die Räume in der ehemaligen Realschule an der Straße Fadens Tannen ungeeignet sind. Diese Standorte habe sie immer als Notlösungen gesehen, sagt Reinders. Jetzt seien viele Flüchtlinge schon seit gut fünf Jahren hier, da sei es an der Zeit, die Provisorien durch dauerhafte Lösungen zu ersetzen. Außerdem komme die Mehrzahl der Asylsuchenden allein. „Und wenn diese Menschen wie bisher in den Unterkünften zusammen mit Fremden leben müssen, erhöht das das Konfliktpotenzial“, sagt die Sozialdezernentin. Daher sei in den beiden neuen Häusern der Anteil an Einzelwohnungen hoch.

Flüchtlinge haben es auf dem Wohnungsmarkt sehr schwer

An der Ecke Buschweg/Lavendelweg soll neben der Kita Hummelhausen ein Gebäudekomplex mit 38 Wohnungen entstehen, die auf zwei Häuser verteilt werden. 18 Wohnungen sind für Einzelpersonen vorgesehen, acht für drei und zwölf für vier Bewohner, Familien mit Kindern. Dabei sind die Häuser nach dem Vorbild der Unterkunft an der Segeberger Chaussee so konzipiert, dass auch Norderstedter dort einziehen können, wenn Räume frei werden, denn: Bezahlbarer Wohnraum ist in Norderstedt Mangelware. Für Flüchtlinge sei es extrem schwierig, auf dem Wohnungsmarkt fündig zu werden. Wesentlich für die Integration sei neben der Sprache und einem Job aber eine eigene Wohnung. Die will die Stadt mit den Neubauten jetzt schaffen.

8,2 Millionen Euro sind für die beiden Häuser am Buschweg kalkuliert, Landesmittel inklusive. Sie werden auch über Abstellräume im Keller verfügen und mit Balkons und Terrassen ausgestattet. Vorgesehen sind zudem 28 Stellplätze. Auf zwei Geschossen plus Staffelgeschoss sollen rund 2200 Quadratmeter Wohnfläche entstehen. Die Wohnungen sind zwischen 46 und 84 Quadratmeter groß, mit Bad, Küche, Wohn- und Schlafräumen komplett ausgestattet.

Etwas kleiner fällt die geplante Asylbewerberunterkunft an der Ecke Harkshörner Weg/Ulzburger Straße aus. Hier will die Entwicklungsgesellschaft 26 Wohnungen bauen, sieben für Einzelpersonen, zehn Zweier-Apartments, drei für drei und sechs für vier Bewohner. Autos sollen in der dazugehörigen Tiefgarage geparkt werden. 5,7 Millionen Euro kalkuliert der Bauherr für dieses Gebäude. Die Sozialdezernentin rechnet damit, dass die neuen Flüchtlingswohnungen Ende kommenden Jahres bezugsfertig sein werden.

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