Norderstedt

Nach Zwangspause lebt die Kultur langsam wieder auf

Kai-Jörg Evers berichtete dem Kulturausschuss, dass Theaterveranstaltungen im Herbst zunächst nur in der „TriBühne“ stattfinden können.

Kai-Jörg Evers berichtete dem Kulturausschuss, dass Theaterveranstaltungen im Herbst zunächst nur in der „TriBühne“ stattfinden können.

Foto: Burkhard Fuchs

Vertreter der Norderstedter Kultur-Einrichtungen erläutern Politikern, was trotz der Corona-Pandemie schon wieder möglich ist – und was nicht.

Norderstedt.  Das kulturelle Leben in Norderstedt war durch den Lockdown quasi komplett zum Erliegen gekommen. Zurzeit köchelt es auf Sparflamme und wird, um im Bild zu bleiben, auch erst ganz allmählich wieder auflodern. Das erfuhren jetzt die Mitglieder des Kulturausschusses der Norderstedter Stadtvertretung aus erster Hand.

Die Verantwortlichen der städtischen Kultureinrichtungen – Mehrzwecksäle GmbH, Stadtbücherei, Musikschule Volkshochschule und Stadtmuseum – stellten im Plenarsaal des Rathauses dar, was bereits wieder möglich ist und was noch auf sich warten lässt. Auf jeden Fall wird es wohl zunächst nur ein sehr abgespecktes Angebot sein, das diese städtischen Einrichtungen den Norderstedtern nach den Sommerferien allein schon wegen der strengen Hygienevorschriften und Abstandsregeln werden anbieten können. Kulturamtsleiter Dieter Powitz machte ihnen Mut: „Ich ziehe meinen Hut, wie gut die Kollegen in den Kultureinrichtungen die Krise bisher gestemmt haben.“


Mehrzwecksäle GmbH: Nach der letzten Theateraufführung „Drei Männer im Schnee“ am 8. März im Kulturwerk mussten alle Veranstaltungen dort und in der „TriBühne“ abgesagt werden. Am vergangenen Freitag erwachte der Betrieb aus dem Corona-Schlaf mit dem ersten Blueswerk-Konzert mit der Band Bluesanovas, das allerdings wegen der Auflagen in die „TriBühne“ verlegt werden musste, wie Kai-Jörg Evers sagte. Das werde auch zunächst so bleiben, kündigte der MeNo-Interims-Chef an. Weil die derzeitige Lüftungsanlage des im Jahr 2011 für 8,2 Millionen Euro renovierten Kulturwerks am See keine Frischluft in den großen Saal pumpen könnte, dürften dort zurzeit keine Konzerte oder Aufführungen stattfinden, erklärte Evers. Die Stadtwerke versuchten gerade, dafür „eine technische Lösung zu finden“. Solange bleibe das Kulturwerk dicht, das aber auch mit einer neuen Lüftungsanlage höchstens 80 statt der zuvor etwa 450 Besucher aufnehmen könnte.

Im Oktober soll deshalb die Theater-Abo-Reihe zunächst ausschließlich in der „TriBühne“ starten, in die dann 200 statt zuvor 650 Besucher kommen könnten, erklärte Evers. Das würde der Stadt einen Verlust von 7500 Euro je Aufführung bescheren, zusätzlich zu den rund 300.000 Euro, die der Theaterbetrieb den Norderstedter Steuerzahler ohnehin im Jahr kostet. Ob er wegen der Corona-Krise nicht mit den Tournee-Theatern günstigere Gagen aushandeln könnte, wollte Tobias Mährlein (FDP) wissen. „Das würde dem Image von Norderstedt nachhaltig schaden, und diese Theatergruppen würden künftig einen weiten Bogen um unsere Stadt machen“, warnte Evers.


Stadtbücherei: Die vier Stadtteilbüchereien sind seit Mitte Mai wieder eingeschränkt geöffnet. Ende Juli sollen sie wieder auf dem Vor-Corona-Stand offen sein, kündigt Büchereileiter Ingo Tschepe an. Im April seien die Ausleihungen der 130.000 Medien um 95 Prozent zurückgegangen, weil nur noch Online-Bestellungen möglich waren. Im Mai erreichten die Büchereien wieder bis zu 60 Prozent ihrer 15.000 Nutzer. „Es herrscht aber immer noch sehr viel Unsicherheit. Wir hatten Angst, unser ganzes Geschäft bricht weg.“

Dies gelte insbesondere für das Konzept des sogenannten dritten Ortes, der die Büchereien neben Wohnort sowie Arbeitsplatz/Schule zu einem Treffpunkt der Menschen in der Stadt etablieren soll. „Da sind wir zurzeit völlig raus“, sagt Tschepe. Erst ganz allmählich würden die Büchereien wieder Besuche von Schulklassen und Kindergartengruppen zulassen können. „Das Interesse daran ist richtig groß.“ Aber dafür müsse erst noch ein Hygienekonzept erarbeitet werden. „Das Hochfahren des Angebots ist sehr viel schwieriger als das Runterfahren.“ Denn die Leute müssten ja wieder Lust und Spaß haben, die Norderstedter Büchereien aufzusuchen. Ob das mit den neuen Abstandsregeln möglich sei, würden die nächsten Wochen und Monate zeigen.

Alle ausgeliehenen Medien würden zurzeit drei Tage lang in Quarantäne gehalten, bevor sie wieder ausgeliehen werden könnten, um eine mögliche Ansteckung zu verhindern, berichtet Tschepe. „Das ist ein großer Aufwand.“


Musikschule: Der Unterricht in der Musikschule war seit Mitte März nur noch virtuell möglich, berichtete der stellvertretende Leiter Karl-Friedrich Schranz. Doch das habe auch seine guten Seiten gehabt. So sei der Kontakt zu den Musikschülern dadurch enger geworden, weil Schüler und Lehrer sich gegenseitig aufgebaut hätten. Zudem hätten sich die Schüler mehr auf die Aufgaben konzentrieren müssen und die Lehrer ihre Anweisungen konkreter und verbal ausdrücken müssen. „Die nonverbale Kommunikation war über Skype stark eingeschränkt.“

Dies habe zu einem „großen Entwicklungsschub“ vor allem bei den Lehrkräften geführt, die jetzt fast alle mit digitalen Medien vertraut seien, so Schranz. Daraus ziehe die Musikschule jetzt die Lehre, den Musikschulunterricht auch nach den Ferien zu 80 Prozent online zu gestalten. Ein Präsenz-Unterricht solle nur noch an einem Trag in der Woche möglich sein.


Volkshochschule: Mit 600 Kursen und 5000 Anmeldungen war die VHS in ihr Frühjahrssemester gestartet, das sie jäh unterbrechen musste, referierte die kommissarische Leiterin Iris Schulz. Im April konnten immerhin 35 Angebote online gestellt werden, die 200 Teilnehmer erreichten. Aber vor allem die vielen Sprachkurse, insbesondere für die geflüchteten Migranten, fielen dem Lockdown zum Opfer.

300 freiberufliche Honorarkräfte waren plötzlich ohne Einkommen. Die VHS setze sich für sie ein, zumindest die Deutschlehrer sollten vom Bund eine finanzielle Entschädigung erhalten, sagte Iris Schulz. Mit einem etwa auf die Hälfte abgespeckten Programm wolle die VHS am 10. August ins Herbstsemester starten, kündigte sie an. Das Programmheft mit 64 statt vorher 160 Seiten werde dafür bis zum 5. August an alle Norderstedter Haushalte verteilt.


Stadtmuseum: Das Museumsfest, Veranstaltungen und Ausstellungen mussten auch im Stadtmuseum am Fried­richsgaber Weg im Zuge der Corona-Krise ausfallen, berichtet Leiterin Romy Rölicke. Seit gut einer Woche sei es wieder geöffnet. Wobei sich die Besucherzahlen in Grenzen hielten. Am ersten Wochenende seien 20 Menschen, an einem Donnerstag sieben ins Stadtmuseum gekommen, das auch am Mittwoch noch geschlossen bleibe. „Wir konzentrieren uns jetzt auf die Sonderausstellung zum 50. Geburtstag der Stadt im Oktober“, kündigte sie an. Ob und welche Begleitveranstaltungen es dabei insbesondere für Schulen und Kitas geben könne, müsse kurzfristig aufgrund der dann geltenden Vorschriften entschieden werden.