Quarantäne-Tagebuch

Nach Corona-Pause: Alles anders auf Mallorca

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Jan Schröter
Jan Schröter Quarantänetagebuch

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Foto: Jan Schröter / Schröter

RKI meldet: Männer sterben doppelt so häufig an Covid-19 wie Frauen. Und auf Mallorca ist’s allein nur halb so schön.

Kreis Segeberg.  Diese Schlagzeile über eine Pressemeldung des Robert-Koch-Instituts ist in der Tat bemerkenswert: „Männer sterben mindestens doppelt so häufig an Covid-19 wie Frauen.“ Ich dachte immer, jeder stirbt nur einmal. Das ist sowas von ungerecht. Männer haben sowieso schon eine im Vergleich zu Frauen viel kürzere Lebenserwartung, und nun sterben sie auch noch zweimal. Falls das wirklich so ist, müssten sie ja immerhin einmal wiedergeboren werden, und zwar als Mann, sonst könnte Mann nicht doppelt ableben. Ich werde umgehend beantragen, dass ich meine bislang erworbenen Rentenansprüche auch fürs zweite Leben geltend mache. So ließe sich die geringere Lebenserwartung kompensieren, denn dann bestünde mein Bonusdasein zu 100 Prozent aus Urlaub.

Der ist allerdings, coronabedingt, auch nicht mehr so wie früher. Das stellen gerade die ersten Mallorca-Touristen fest. Ein TV-Bericht zeigte mir neulich ein sichtlich mit der Umgebung fremdelndes Grüppchen amüsierwilliger Malle-Veteranen, verloren vor ihren Drinks inmitten einer trüben Kulisse aus Beton und leerem Gestühl, dröhnend beschallt von Techno-Beats, nach denen niemand tanzt, weil kaum einer da ist. Das Grüppchen schwelgte wehmütig in Erinnerungen an endlose Partynächte in der „Schinkenstraße“, beendete den aktuellen Abend um 22 Uhr und war sogar noch nüchtern genug, um die Heimfahrt zur Ferienwohnung im Mietwagen anzutreten, während vor dem „Ballermann“ die Fischer den Strand für sich hatten und in himmlischer Ruhe ihre Angelruten auswarfen. Dieser TV-Beitrag zeigte ein Mallorca, von dem sogar ich mir vorstellen konnte, dort eventuell Urlaub zu machen. Dann kamen allerdings die besorgten Gastwirte, Hoteliers und Ladenbesitzer zu Wort, von denen nicht wenige kurz vor dem Ruin stehen. Ganz sicher ist das bitter für diese Betroffenen. Für Umwelt und Natur möglicherweise jedoch ein Segen. Kaum hatte ich diesen Satz gedacht, rückte die Reportage einen Beauty-Salon ins Bild. So einen Laden, in dem man seine nackten Füße in ein Wasserbecken stellt – sofort naht eine Schar putzteufeliger Knabberfische und nagt die Hornhaut von der Miefmauke. Ihre Kundschaft bliebe wegen Corona aus, wehklagte die Inhaberin händeringend. Mangels Hornhautnachschub müsse sie jetzt Fischfutter kaufen und zufüttern, sonst würde die Flossen-Flotte glatt verhungern.

Ist Mallorca ohne Touris also doch kein Segen? Müssen wir demnächst die Rote Liste der vom Aussterben bedrohten Arten um die Hornhautschlucker erweitern? Zieht das Verschwinden dieser Spezies den Exitus weiterer Pflanzen und Lebewesen nach sich – beispielsweise Fußpilz? Nichts dergleichen. Kommt die Hornhaut nicht zum Knabberfisch, kommt der Fisch zur Hornhaut, so funktioniert Evolution. Sie werden von Kiemen- auf Lungenatmung umstellen, aus dem Salon ausbrechen, und dann sind wir alle dran. Erst Palma, danach die Insel und dann die ganze Welt. Sie knabbern uns weg, dann ist Schluss. Jedenfalls für die Frauen.

Wir Männer leben ja zweimal.

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