Corona-Krise

Norderstedter Vereine freuen sich über Corona-Soforthilfe

Im Norderstedter Mütterzentrum sorgte die Pandemie über Monate für Stillstand. Das Defizit bis Jahresende soll 17.000 Euro betragen.

Im Norderstedter Mütterzentrum sorgte die Pandemie über Monate für Stillstand. Das Defizit bis Jahresende soll 17.000 Euro betragen.

Foto: Burkhard Fuchs

Norderstedter Stadtvertretung legt einen 3800.000 Euro schweren Sonderfonds auf – das Geld wird im Ehrenamt dringend benötigt.

Norderstedt.  Ein 380.000 Euro schwerer Rettungsfonds für die Norderstedter Vereine in der Kultur, im Sport, in der Jugendhilfe und im Sozialen: Die Corona-Soforthilfe für das Ehrenamt, die von der Politik beschlossen wurde, kommt bei den Vereinen sehr gut an. Die Umfrage des Abendblatts ergab, dass nicht alle Vereine den Fonds in Anspruch nehmen werden, weil der Corona-Lockdown sie unterschiedlich hart getroffen hat. Doch die Hoffnung einiger Vereine ist, dass mit dem städtischen Geld die entstandenen Einnahmeausfälle gedeckt werden könnten.

Sportvereine: Frank Fröhlich, Geschäftsführer des 1. SC Norderstedt mit seinen 1900 Mitgliedern kann das Geld gut gebrauchen. Seit März, als wegen des Coronavirus-Ausbruchs der gesamte Sportbetrieb eingestellt werden musste, habe der Verein mit seinen 30 verschiedenen Sportarten 150 Mitglieder verloren. Da es wegen der Schließung keine Neueintritte gab, fehlen dem Verein bis Jahresende wohl etwa 15.000 Euro, rechnet Fröhlich vor. Zumal die Kosten, insbesondere für 13 Minijobber, weiterliefen.

Ähnlich ist die Situation bei TuRa Harksheide mit seinen 3850 Mitgliedern in Norderstedt. Geschäftsführer Tobias Claßen rechnet mit 12.000 Euro, die bis zum Jahresende fehlen werden, weil der größte Verein Norderstedts in der Corona-Krise 100 Mitglieder verloren habe. Die große Jubiläumsfeier zum 75-jährigen Bestehen von TuRa sei ohnehin aufs nächste Jahr verschoben worden. „Wir wissen aber noch nicht, ob und wie wir diese Hilfe beantragen werden“, sagt Claßen. TuRa habe bereits vom Land eine fünfstellige Summe erhalten.

Der Glashütter SV und der SV Friedrichsgabe dagegen brauchen keine finanzielle Unterstützung. „Unsere Austritte gehen gegen Null“, sagt Friedrichsgabes Erster Vorsitzender Torsten Dreyer. „Das Zusammengehörigkeitsgefühl unter unseren 900 Mitgliedern ist sehr groß, wofür wir sehr dankbar sind.“ Ähnlich sei es in Glashütte, sagt der Vereinsvorsitzende Bodo Wittmann. „Wir stehen finanziell weiter gut da, weil wir verschwindend geringe Austritte zu verzeichnen hatten.“

Sozialvereine: Das Mütterzentrum in Norderstedt, das seit 1990 von 100 Mitgliedern getragen wird, hat wegen der Corona-Krise sein tägliches Angebot an Spielgruppen, Müttertreffs, Beratungen, Flohmärkten und Sprachkursen komplett heruntergefahren, sagt die Leiterin Clarisa Ferrer de del Castillo Campos. Der Verein, der sonst gut 120 Kinder vom Krippen- bis zum Schulalter pro Woche betreut, werde durch seine Einnahmeausfälle etwa 17.000 Euro bis zum Jahresende verloren haben, weil die Personalkosten für sechs Minijobber und andere Sachkosten ja weiterliefen. Zum Glück trage die Stadt die Mietkosten für die Räume im Kielortring, die sie ohnehin für April und Mai gestundet habe. „Wir haben schon überall Anträge auf Finanzhilfen gestellt“, berichtet Ferrer. „Aber bislang nur Absagen erhalten.“ So würde das Land zwar Nothilfen für Sportvereine und Umweltverbände gewähren, soziale Projekte wie das ihre blieben leider ausgespart.

Die großen Sozialverbände Deutsches Rotes Kreuz und Lebenshilfe sind dagegen gut durch die Krise gekommen. Vor allem weil ihr Angebot auf der Arbeit von ehrenamtlichen Helfern beruht. „Wir sind da nicht so betroffen wie andere Vereine“, erklärt Lebenshilfe-Vorsitzender Wolfgang Sacher. Auch wenn die vielen Einschränkungen und Ausfälle für die 150 betreuten Behinderten besonders bitter seien.

Beim DRK seien wegen Corona 80 von 86 Kursen ausgefallen, berichtet der Vorsitzende Christoph von Hardenberg. Die Einnahmeausfälle könnte der Verein aber noch durch Erbschaften ausgleichen. „Uns geht es noch relativ gut.“ Sorge bereite dem DRK zurzeit nur, dass der Dienstleister, der die Kleidung aus der Kleiderkammer abholte, gekündigt habe, weil „dieser Markt zusammengebrochen ist“. Nun hofft das DRK, dass die Stadt dem Verein nicht 250 Euro je Tonne Stoff für die Entsorgung abknöpfen wird.

Kulturvereine: Der Verein Music-Werkstatt mit seinen 300 Mitgliedern musste bereits 35 Live-Konzerte im Music-Star am Harksheider Markt absagen, berichtet der Vorsitzende Wolfgang Sedlatschek. Der Verein behelfe sich mit Live-Konzerten, die im Internet auf dem YouTube-Kanal ausgestrahlt werden. Die Miete für den Music-Star trage er zurzeit aus eigener Tasche, bis Jahresende werde er wohl 9000 Euro zugebuttert haben, sagt Sedlatschek.

Überhaupt nicht auftreten können zurzeit die Theatervereine. Und dass es für sie bislang keinerlei Ansage gebe, wann dies wieder der Fall sein könne, mache ihnen am meisten zu schaffen, sagt der Theater PUR-Vorsitzende Michael Scharbert. Fünf von sechs Stücken in diesem Jahr mussten abgesagt werden. „Für uns ist es wichtig, dass wir wieder auf die Bühne können. Uns fehlt die Perspektive. Wenn wir nicht mehr spielen können, verlieren wir den Vereinszweck für unsere 200 Mitglieder und 80 Darsteller.“

Ähnlich prekär ist die Lage beim Norderstedter Amateurtheater (NAT), wie der Vorsitzende Thomas Bock berichtet. „Jetzt wird es langsam kritisch“, sagt der Chef von 60 Mitgliedern und 20 Darstellern. Die beiden für dieses Jahr geplanten plattdeutschen Aufführungen seien abgesagt, während die Mietkosten von 900 Euro im Monat für den Probenraum immer weiterliefen. Nun liege die letzte Hoffnung beim Weihnachtsmärchen. Wenn das nicht stattfinden könnte, sei die Existenz des ältesten Theatervereins der Stadt von 1947 gefährdet.

Dafür müssten dann aber trotz aller hygienischen Abstandsregeln zumindest die Hälfte der sonst 450 Zuschauerplätze im Festsaal am Falkenberg besetzt werden können, sonst lohnte sich der Aufwand nicht und die 600 NAT-Abonnenten müssten mehrheitlich in die Röhre schauen. Bock bittet dafür um Verständnis bei den Entscheidungsträgern im Rathaus.