Kreis Segeberg

Sein Garten ist so groß wie eine Parkanlage

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Annabell Behrmann
Kunje Ketelsen steht vor einem der Teiche auf seinem Grundstück in Wakendorf II. Die Natur ist sein Ausgleich.

Kunje Ketelsen steht vor einem der Teiche auf seinem Grundstück in Wakendorf II. Die Natur ist sein Ausgleich.

Foto: Annabell Behrmann

Kunje Ketelsen hat sich auf seinem Grundstück ein Naturparadies geschaffen. Nun kann dieses besichtigt werden.

Norderstedt.  Um wirklich jeden Winkel von Kunje Ketelsens Garten zu sehen, bräuchte man mehrere Tage. Das 13.500 Quadratmeter große Grundstück erinnert mehr an eine Parkanlage als an einen einfachen Garten. Eine schmale Straße teilt es in zwei Hälften, Bachläufe schlängeln sich durchs Gras. Von einem Hügel aus hat man einen traumhaften Ausblick über die angrenzenden Felder. „Meine Mutter hat sich hier manchmal verlaufen“, sagt Ketelsen und schmunzelt. „Sie ist 100 Jahre alt geworden. Die Natur hat ihr offensichtlich gut getan.“

Im Jahr 1974 hat Ketelsen die alte Bauernstelle in Wakendorf II gekauft. Damals gab es im Haus noch ein Plumpsklo. Drumherum befand sich eine Kuhkoppel – sonst nichts. „Hier stand kaum ein Baum“, sagt Ketelsen und zeigt auf seinen inzwischen dicht bewachsenen Garten. „Ich habe fast alle Bäume selbst gepflanzt.“ Die dicken Stämme ragen viele Meter in die Höhe. Zwischen ihnen wächst ein einzelner Buchsbaum, er ist sechs Meter hoch wie breit. „Bei Führungen sage ich immer, dies sei der größte Buchsbaum Deutschlands.“ Man kann es sich gut vorstellen. Ein Mensch wirkt im Vergleich winzig klein.

Nicht nur Kindergärten dürfen bei Ketelsen vorbeikommen, um sich sein Grundstück anzuschauen. Seit den 80er-Jahren nimmt der gebürtige Hamburger regelmäßig an der Aktion „Offener Garten“ teil. „Bestimmt schon 30-mal habe ich mitgemacht“, sagt Ketelsen. Der pensionierte Lehrer zeigt anderen gern sein selbst erschaffenes Naturparadies. Auch an diesem Wochenende wieder.

Gartenliebhaber in Schleswig-Holstein und Hamburg können – unter Einhaltung der aktuell geltenden Hygieneregeln – am 20. und 21. Juni durch etliche Grünanlagen von teilnehmenden Nachbarn schlendern, sich mit ihnen und anderen Besuchern austauschen und Inspiration für die eigenen Gärten holen. 18 Firmen und Privatleute aus dem Kreis Segeberg öffnen ihre Pforten. Einer davon ist Kunje Ketelsen.

„Man lernt auf diese Weise allerlei nette Leute kennen“, sagt der Rentner. Sein Rekord liege bei 500 Besuchern an einem Wochenende. Außerdem setze er sich so unter Druck und zwinge sich, den Garten auf Vordermann zu bringen. Das ist bei der Größe gar nicht so einfach. „Es gibt immer etwas zu tun“, sagt Ketelsen. Jeden Tag streift er durch seine Anlage, ausgerüstet mit einer Heckenschere. „Sonst könnte ich nirgends mehr gehen, die Pflanzen wachsen so schnell.“ Die meiste Arbeit mache das Laub im Herbst, sagt er. Dagegen komme man nur schwer an. Hilfe von einem Gärtner will er sich nicht holen. Ketelsen pflegt seinen Garten ganz allein. Nur zweimal habe er eine Firma beauftragt, um Bäume abzusägen.

Nicht weit von einem der drei Teiche entfernt steht ein Steinhaus. Ketelsen hat es selbst gemauert. Drei Jahre hat er dafür gebraucht. Drinnen befinden sich ein Kamin und eine Küchenzeile. Sogar ein Plumpsklo hat er eingebaut. „Das fand ich lustig“, sagt er. In seinem Garten hat Ketelsen ebenfalls „einige Gags“, wie er sie nennt, versteckt. In einer Baumkrone sitzt etwa ein Skelett. „Der Typ wartet schon ein bisschen länger dort oben“, scherzt Ketelsen. Für ihn war sein Garten immer schon ein Ausgleich. Früher unterrichtete er Deutsch und Englisch auf einer Gesamtschule in Steilshoop. Das sei nicht immer einfach gewesen. „Bäume sind ruhiger und tragen trotzdem Früchte“, sagt Ketelsen.

1000 verschiedene Arten von Pflanzen wachsen im Garten

Auf seinem Grundstück kennt er jede Pflanze mit Namen. Von vielen sogar die lateinische Bezeichnung. Einmal hat er sich die Mühe gemacht und nachgezählt, wie viele verschiedene Baum- und Straucharten in seinem Garten wachsen – er ist auf über 1000 Stück gekommen. Und es werden immer mehr. Wenn er einen Gartenmarkt besucht, kommt er nie ohne neue Pflanze nach Hause. „So ein bisschen irre muss man schon sein.“

Ketelsen möchte, dass sein Lebenswerk erhalten bleibt. Er hat keine Kinder und andere Familienmitglieder wollen es nicht weiterführen. „Vielleicht kann ich es einer Stiftung übergeben. Ich mache mir intensiv Gedanken darüber, was mit dem Grundstück einmal passieren soll.“

18 Gärten im Kreis Segeberg öffnen ihre Pforten

An diesem Wochenende, 20. und 21. Juni, öffnen wieder zahlreiche Gartenbesitzer in Schleswig-Holstein und Hamburg ihre Pforten. Bei der Aktion „Offener Garten“ können Besucher die Naturoasen von Hobby- und Berufsgärtnern bestaunen. Im Kreis Segeberg sind 18 Gärten dabei.

Andrea Fischer (Marienstraße 33, Bad Segeberg, 10–18 Uhr) pflegt einen Garten ganz ohne Rasen, dafür mit vielen Kunstobjekten. Der Naturgarten von Ingeborg und Eckhard Wiemer (Mariahöh 12, Fahrenkrug, 10–17 Uhr, 1 Euro) ist dreifach prämiert. Mehrere Terrassen mit Wasser laden zum Verweilen bei Anja Look und Pascal Cabella (Waldstraße 5, Strukdorf, 10–18 Uhr) ein. Bei Karoline Petersen-Poggensee (Na de Wischen 9, Seedorf-Blomnath, nur 21. Juni, 11–17 Uhr) wachsen an die 100 Rosen.

Der Teich von Christiane und Ortwin Hövermann (Im Glin 4, Wensin/Garbek, 11–17 Uhr) wird von Laufenten bevölkert. Im Garten von Gisela und Rolf Blasi (Klingenberg 20, Seth, 20. Juni, 11–18 Uhr, 21. Juni, 11–17 Uhr) wachsen Orchideen wie das heimische Knabenkraut. Kunje Ketelsens (Zum Kleinen Arboretum 1, Wakendorf II, Navi: Sandbergstraße, 9–17 Uhr) Garten gleicht einer Parkanlage. Kerstin Jost und Ronald Zenker (Krückauring 33, Kaltenkirchen, nur 21. Juni, 11–18 Uhr) haben ihren Garten mit Hecken gestaltet.

Andreas Liebert (Oersdorfer Weg 31, Kaltenkirchen, 10–17 Uhr) setzt auf Dekoration aus Kupfer. Gesine Reimers (Brookstraße 21, Oersdorf, 11–17 Uhr) besitzt die älteste Reetkate in Oersdorf. Ein großer Teich mit Bachlauf und Fischbesatz ist das Herzstück von Christel und Jürgen Friedrichs (Bissenmoor 18, Bad Bramstedt, 11–17 Uhr). Familie Wandrey von der Garten- und Landschaftsbau GmbH (Pommernweg 31, Bad Bramstedt, 10–18 Uhr) präsentiert unter anderem einen Garten zum Schwimmen, Relaxen und Grillen.

Lieselotte Junge (Alte Straße 4, Armstedt, 12–18 Uhr) betreibt einen dicht bepflanzten Landgarten mit Stauden und Rosen. Marion Meißner (Karpfenstieg 1, Bornhöved, 10–17 Uhr) verspricht Romantik und ein Hexenhaus. Beeteinfassungen wiederholen sich strukturiert bei Margret Tensfeldt (Dorfstraße 11, Tarbek, 10–18 Uhr). Der Garten von Gesche Maschmann (Hüttmannsweg 17 A, Hüttblek, nur 21. Juni, 11–18 Uhr) ist in Themenbereiche unterteilt. Bei Elke und Günther Wollmer (Hauptstraße 87, Fuhlendorf, 10–18 Uhr) erstreckt sich eine Flusslandschaft am Eingang. Bertram und Rita Husfeldt (Wehdenweg 3, Nützen, 13–17 Uhr) bieten einen vielfältigen Gemüsegarten.

Wegen des Corona-Virus wird gebeten, vor einem Besuch unter www.offenergarten.de zu überprüfen, ob und wann die einzelnen Gärten geöffnet haben.

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