Norderstedt

Unfallschwerpunkt Harckesheyde wird entschärft

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Andreas Burgmayer
29. Januar 2018: Ein Pizzafahrer kollidierte beim Einbiegen von der Harckesheyde in die Falkenbergstraße in seinem Elektrofahrzeug mit einem Hyundai. Der Pizzafahrer wurde schwer verletzt, der andere Fahrer leicht.

29. Januar 2018: Ein Pizzafahrer kollidierte beim Einbiegen von der Harckesheyde in die Falkenbergstraße in seinem Elektrofahrzeug mit einem Hyundai. Der Pizzafahrer wurde schwer verletzt, der andere Fahrer leicht.

Foto: Büh, Florian (www.RTVP.de)

Mit Fahrbahnmarkierungen wird die Straße in Norderstedt von vier auf zwei Fahrspuren verengt. Später soll ein umfassender Umbau erfolgen.

Norderstedt.  Die vierspurige Harckesheyde liegt zwischen Ost- und Falkenbergstraße wie eine Erinnerung an ein nie eingelöstes Versprechen. Verkehrsplaner haben sie in diesem Abschnitt mal so großspurig angelegt, weil sie mit Zahlen aus einem Verkehrsgutachten arbeiteten, die in den umliegenden Industrie- und Wohngebieten von einem zukünftig hohen Verkehrsaufkommen ausgingen. Sogar der komplette vierspurige Ausbau der Harckesheyde bis zu ihrem Ende an der Ulzburger Straße im Westen war optioniert.

Wer heute über die Harckesheyde in ihrem vierspurigen Abschnitt fährt, versteht nicht mehr, was das sollte. Zwar ist die Straße eine wichtige Ost-West-Verbindung. Aber Verkehrszählungen der Stadt Norderstedt haben die ehemals erwarteten Verkehrsmengen nie bestätigt. Der vierspurige Ausbau in dem Teilstück der Harckesheyde ist also überflüssig und könnte weiterhin sein Dasein als stille Reserve fristen. Wäre da nicht die Tatsache, dass die Vierspurigkeit den Einmündungsbereich zur Falkenbergstraße zu einem Unfallschwerpunkt in der Stadt gemacht hat. Deswegen soll die Harckesheyde jetzt ihre Vierspurigkeit verlieren – zunächst als Provisorium, später durch einen Umbau.

„Aus polizeilicher Sicht ist die Einmündung der Falkenbergstraße in die Harckesheyde eine besonders gefährliche Stelle im Norderstedter Straßenverkehr“, sagt Kai Hädicke-Schories, Verkehrsexperte der Norderstedter Polizei. „Es kommt immer wieder zu schweren Unfällen beim Abbiegen, entweder von der Harckesheyde nach links in die Falkenbergstraße oder wenn Fahrzeuge aus der Falkenbergstraße nach links in die Harckesheyde einbiegen wollen.“ Allein zwischen 2017 und 2019 nahmen die Norderstedter Beamten dort 15 Unfälle auf, bei denen vier Menschen leicht und einer schwer verletzt wurden und bei denen es immer großen Blechschaden gab. „Denn es kommt oft dazu, dass die Autos an die hohen Seitenborde des Mittelstreifens geraten und sich dabei sogar überschlagen.“

Die Gründe für die Unfälle sind immer ähnlich. Sie drehen sich um die schlechte Einsehbarkeit der Straße. Wer in der Falkenbergstraße steht und einbiegen möchte, dem wird die Sicht durch parkende Autos verdeckt – denn weil die Zweispurigkeit je Richtung auf der Harckesheyde unnötig ist, nutzen Anwohner oder Mitarbeiter von Betrieben an der Oststraße die ungenutzte Fahrspur als Parkstreifen. Auch bei Lastwagenfahrern ist die Harckesheyde als Parkplatz für ihre Gespanne oder Anhänger sehr beliebt. Bei der Stadt haben sich auch Gewerbetreibende von der Harckesheyde gemeldet, denen die parkenden Brummis und Autos das Ein- und Ausfahren auf ihre Grundstücke erschweren.

Die Kreuzung soll irgendwann ein Kreisverkehr werden

Es besteht also Handlungsbedarf – und nicht erst in ein paar Jahren, sondern sofort. Der Plan der Stadt sieht zunächst eine baldige provisorische Umgestaltung des Straßenabschnitts vor. Weil das Vorhaben recht komplex sei, habe die Stadtverwaltung die Ingenieure des Hamburger Planungsbüros SBI dazu beauftragt, ein „Ummarkierungskonzept“ zu erstellen, heißt es in einer Mitteilung im Ausschuss für Stadtentwicklung und Verkehr. Die schnelle und provisorische Umgestaltung der Harckesheyde erfolgt also per Fahrbahnmarkierung. Auf beiden Seiten wird der Verkehr dann nur noch eine Fahrspur haben. Auf der Südseite des Straßenabschnittes werden feste Parkbuchten eingezeichnet, verstärkt mittels provisorischer Borde. Das alles werde so angelegt, dass die Einsehbarkeit der Straße sich deutlich verbessert.

Auf der nördlichsten Fahrspur in Fahrtrichtung Ost-West sollen die Radfahrer zu ihrem Recht kommen. Sie mussten hier bisher gemeinsam mit den Autos auf der Straße fahren. Jetzt sollen sie eine exklusive Fahrspur mit baulicher Abtrennung vom Autoverkehr bekommen. Auf der Südseite der Straße besteht ein gemeinsamer Geh- und Radweg.

Die Stadt sieht das Provisorium als Testphase. Man werde sehen, wie sich die neue Regelung bewährt. Die Erfahrungen fließen dann in einen späteren Umbau des Abschnittes ein. Die neuralgische Einmündung zur Falkenbergstraße soll am besten zu einem großen Kreisverkehr ausgebaut werden. Doch bis es so weit ist, kann es Jahre dauern. Nun sorgt die baldige Ummarkierung hoffentlich dafür, dass ein Unfallschwerpunkt eliminiert wird.

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