Corona-Update

Corona-Warnung: App dafür und runterladen!

| Lesedauer: 3 Minuten
Jan Schröter
Jan Schröter

Jan Schröter

Foto: Jan Schröter / Schröter

Jetzt, da alle massenhaft und maskenlos durcheinanderwuseln, ist die Corona-App endlich betriebsbereit.

Und angesichts der schwindelerregenden Summen, die derzeit für „Wumms“- Konjunkturpakete, Krisenbewältigungsgeldern und Überbrückungshilfen gestemmt werden, sind die 20 Millionen Euro Entwicklungskosten für die Corona-App ja beinahe ein Schnäppchen. Zwar kommen noch monatliche Betriebskosten von ungefähr 2,5 bis 3,5 Millionen Euro hinzu, unter anderem für zwei Beratungs-Hotlines. Wahrscheinlich sitzen die Call-Center auf den Bahamas, rufen initiativ bei jedem Bundesbürger an und haben keine Flatrate, anders ist diese Telefonrechnung kaum zu erklären.

Ob ich persönlich diese App nun richtig toll finde, vermag ich noch nicht abschließend zu beurteilen. Und schätze, vielen anderen geht es ähnlich. Begeistert bin ich allerdings darüber, in welchem Tempo neuerdings Projekte aus dem Boden gestampft, politisch angeschoben und umgesetzt werden.

Okay, die Corona-App wäre im April vielleicht noch hilfreicher gewesen. Aber nun haben wir sie, und falls es virusmäßig wieder härter kommt, ist sie da und einsatzbereit und muss nicht mehr großartig diskutiert werden. In drei Monaten geplant, finanziert und entwickelt – Respekt. Dass sich unsere deutsche Politik so schnell bewegen kann, war kaum zu erwarten.

Normal war bis vor Kurzem bei uns, dass gefühlt so gut wie jedes Projekt bei regelmäßiger Sprengung sämtlicher Kostenvoranschläge ewig verschleppt, zer­sabbelt und nie fertig wurde – egal, ob es sich dabei um eine Autobahn, einen Konzertsaal oder die Errichtung einer Gartenhütte handelte. Kommt ein kleiner Virus, geht plötzlich alles. Quer durch Regierung und Parteien wird kooperiert, beschleunigt, beschlossen.

Man stelle sich vor, dieses Tempo wird ab sofort immer beibehalten. Dann würde die nächste Regierung ihr Vorhabenprogramm innerhalb weniger Monate abarbeiten und könnte die Jahre bis zur nächsten Neuwahl den Laden dichtmachen. Mal gechillt in den Urlaub fahren, geht ja jetzt wieder. Zusammen am Strand liegen und ein bisschen ausprobieren, wie die Corona-App eigentlich funktioniert. Entspannt Ideen ausbrüten, wie man das Geld für die App-Entwicklung vielleicht wieder hereinbekommt. Zum Beispiel mit Erweiterungen wie einem Online-Shop für begehrte Lockdown-Artikel von Klopapier bis Kondom. Oder einem Dating-Portal für Menschen, deren App-ID-Nummern direkt aufeinanderfolgen, was ja irgendwie als Wink des Schicksals zu bewerten ist und deshalb sicherlich etwas zu bedeuten hat.

Sollten sich unsere Politiker beim Wiederverdienen der flott ausgestreuten Corona-Finanzhilfen als ähnlich kreativ, schnell und entschlussfreudig beweisen wie beim Ausgeben, wäre ich vollends begeistert.

Ach ja, und die neue Corona-App lade ich mir natürlich aufs Handy. Gut oder weniger gut, darüber bin ich mir ohnehin bei den allermeisten Apps auf dem Ding nicht im Klaren. Aber da ich sie schon mitbezahlt habe, will ich sie auch haben.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Norderstedt