Bad Bramstedt

CDU wirft Bürgermeisterin Jeske Ignoranz vor

| Lesedauer: 4 Minuten
Die Bad Bramstedter Bürgermeisterin Verena Jeske auf dem möglichen Baugelände eines Kulturzentrums an der Straße Am Sportplatz in Bad Bramstedt.

Die Bad Bramstedter Bürgermeisterin Verena Jeske auf dem möglichen Baugelände eines Kulturzentrums an der Straße Am Sportplatz in Bad Bramstedt.

Foto: Thorsten Ahlf

Bad Bramstedts Bürgermeisterin, so die Kritik, habe bei den Plänen für ein neues Kulturzentrum die Politik außen vor gelassen.

Bad Bramstedt.  Mit diesen Reaktionen hatte Bramstedts Bürgermeisterin Verena Jeske gerechnet, als sie im Hamburger Abendblatt ihre Idee von einem Kulturhaus mit Theater vorstellte. Sie wolle sich ein eigenes Denkmal setzen, heißt es nun bei Facebook auf einer örtlichen Nachrichtenseite. Andere Kommentatoren kritisierten, für ein Theater sei Geld vorhanden, aber nicht fürs Jugendzentrum oder andere Projekte. Jeske und dem SPD-Fraktionssprecher Jan-Uwe Schadendorf gelang es nur mit Mühe, sich gegen den Aufschrei durchzusetzen, der auf einem Missverständnis beruht: Die Bürgermeisterin will das Projekt langfristig umsetzen und nicht zulasten anderer Projekt.

Wie berichtet, ist das bestehende Kurhaustheater am Klinikum sanierungsbedürftig. Erste Schätzungen gehen davon aus, dass die Stadt 3,5 Millionen Euro in das Haus mit seinen 433 Plätzen investieren müsste, um nur die wichtigsten Arbeiten zu erledigen. So viel Geld in eine gemietete Immobilie zu stecken, hält Schadendorf für betriebswirtschaftlich unsinnig. Außerdem seien kaum Zuschüsse zu erwarten. Vermieter ist das Klinikum, das mittlerweile sein Angebot zurückgezogen hat, das Theater für einen symbolischen Preis von einem Euro zu verkaufen.

Zu den Kritikern der Bürgermeisterin gehört die CDU-Fraktion. „Wir fühlen uns auf die Füße getreten“, sagt der stellvertretende Vorsitzende Stefan Brumm über Jeskes Vorstoß. Seine Fraktion wolle sich jetzt nicht zu der Idee äußern, sondern zunächst die Ergebnisse des Runden Tisches abwarten, der über die Zukunft des Theaters und seine Auslastung berät und die Ergebnisse danach der Politik vortragen wird.

Theaterverein erhält jährlich 80.000 Euro von der Stadt

Am Runden Tisch sitzen unter anderem Politiker und die Vertreter des Theatervereins, der für das Programm verantwortlich ist und jährlich 80.000 Euro von der Stadt erhält. Das Gremium beschäftigt sich mit der Auslastung des Theaters und war entstanden, nachdem der Grünen-Fraktionsvorsitzende Gilbert Sieckmann-Joucken gefordert hatte, den Vertrag mit dem Verein zu kündigen. Er und Vertreter anderer Parteien forderten eine bessere Auslastung des Theaters, wenn die Stadt weiter in dieser Höhe zahle.

CDU-Brumm will außerdem vor einer Beurteilung des Projekts Kulturhaus abwarten, wie die Landesregierung auf das Daseinsvorsorgekonzept der Stadt reagiert und welche Mittel aus der Städtebauförderung zu erwarten sind. Mit einem Zwei-Drittel-Zuschuss aus diesem Etat will Jeske das Zwölf-Millionen-Projekt weitgehend bezahlen. Noch liegt keine Antwort aus Kiel vor. „Das ist jetzt eine Diskussion zum falschen Zeitpunkt“, sagt Brumm, der Jeske eine „Ignoranz der Politik“ vorwirft.

Der FDP-Fraktionsvorsitzende Dennis Schröder spricht von einer „grundsätzlich interessanten Idee“, aber auch er will zunächst die Ergebnisse des Runden Tisches abwarten. Schröder plädiert ebenfalls für mehr Veranstaltungen im Theater.

Eindeutige Zustimmung für die Jeske-Pläne kommt dagegen von SPD und Grünen. Es gehe jetzt darum, den Betrieb im Kurhaus-Theater für die kommenden Jahre zu sichern, um dann in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts den Neubau des Kulturhauses am Schäferberg zu realisieren, sagt SPD-Fraktionssprecher Schadendorf. Genau wie Jeske räumt er dem Bau der neuen Feuerwache und eines Ärztezentrums, Investitionen ins Jugendzentrum sowie den Kita-Ausbau Priorität ein.

„Das ist ein langfristiges Projekt, das wir unterstützen“, sagt Grünen-Fraktionschef Sieckmann-Joucken über die Kulturhauspläne. Außerdem hoffe er, dass der Runde Tisch Ergebnisse für ein erweitertes Programm vorlege. Andernfalls werde er den Antrag, den Vertrag mit dem Verein zu kündigen, erneut vorlegen.

„Das ist eine funktionierende Vision“, sagt der Vorsitzende des Theatervereins, Hans-Jürgen Kütbach, in dessen Amtszeit als Bürgermeister bereits über das Kulturhaus diskutiert wurde. Der Verein werde sich in die aktuelle Diskussion nicht einmischen, weil die Entscheidung in der Politik fallen müsse. Bei der Debatte über eine bessere Auslastung des Theaters erinnerte er daran, dass der Verein seit zwei Jahren jährlich 30.000 Euro Miete pro Jahr ans Klinikum zahlen müsse. Grundsätzlich sei eine Ausweitung des Programms möglich.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Norderstedt