Norderstedt

„Eine mutwillige Verharmlosung von Fluglärm“

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Michael Schick
Ein Airbus A319-132 startet vom Flughafen Hamburg aus (Symbolbild).

Ein Airbus A319-132 startet vom Flughafen Hamburg aus (Symbolbild).

Foto: Christophe Gateau / dpa

Martin Mosel, Vorsitzender der Bürgerinitiative für Fluglärmschutz kritisiert den Norderstedter Aktionsplan gegen Lärm in der Stadt.

Norderstedt.  Martin Mosel, Vorsitzender der Bürgerinitiative für Fluglärmschutz in Hamburg und Schleswig-Holstein (BAW), kritisiert den Lärmaktionsplan der Stadt Norderstedt (LAP) für die Jahre 2018 bis 2023 und die in ihm aufgestellte These zum Thema Fluglärm. „Es ist geradezu verantwortungslos und zeugt von einer mutwilligen Verharmlosung von Fluglärm in Norderstedt, wenn eine objektiv ablesbare Belastung mit einer statistischen Schwankung der Bevölkerungsentwicklung abgetan wird.“

Das Abendblatt hatte am 5. Juni über den LAP berichtet. In dem Plan, den die Stadt Norderstedt beim Dresdener Ingenieurbüro Spiekermann Consulting Engineers in Auftrag gegeben hatte, ist von 3360 Norderstedtern die Rede, die aktuell unter Fluglärm leiden. Das seien mehr als 2006, als die Zahl bei 2500 Menschen lag. Die Ingenieure kommen laut LAP zu dem Urteil, dass die Zunahme der Betroffenen mit dem Bevölkerungswachstum zu erklären ist, da die Zahl der Flüge konstant geblieben sei.

Laut Mosel hat die Zahl der Starts und Landungen über Norderstedt zwischen 2006 und 2019 aber von etwa 76.000 auf etwas mehr als 68.000 abgenommen, ein Rückgang von 10,5 Prozent. Die Norderstedter Bevölkerung sei in diesem Zeitraum um rund 7,4 Prozent gewachsen. Wenn also die Zahl der Flüge gesunken ist, lasse sich dadurch nicht die Zunahme an Lärm erklären, sagt Mosel.

Richtig sei aus seiner Sicht vielmehr, dass jede Flugbewegung lauter geworden ist, der Lärm dehne sich weiter in die Fläche aus. Von 2006 bis 2017 habe sich die durchschnittliche Lärmklasse der in Hamburg startenden und landenden Flugzeuge von 3,1 auf 3,5 verschlechtert. Auch an den Fluglärmmessstellen des Hamburger Flughafens in und um Norderstedt sei die deutliche Verschlechterung abzulesen. „Tagsüber und insbesondere nach Eintritt der Nachtruhe um 22 Uhr ist es dramatisch lauter geworden.“

„Der Fluglärm ist eine objektive Belastung für Norderstedt und seine Bevölkerung, die sich an jedem einzelnen Überflug abhören lässt“, sagt Mosel. Die Verantwortlichen der Stadt Norderstedt, vor allem die Oberbürgermeisterin, müssten die Aussagen zum Fluglärm im Lärmaktionsplan korrigieren. Die Verwaltungschefin sitze als Vorsitzende der Fluglärmschutzkommission an der Nahtstelle der Informationen rund um die Belastung, die vom Hamburger Flughafen ausgehe. „Sie sollte es eigentlich besser wissen“, sagt Mosel.

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