Denksport

Rätsel: Seine Sprache erinnert an Kernphysik

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Foto: Artur Cupak / picture alliance / imageBROKER

Gesucht wird ein weltbekannter Literat, der Hunderte Seiten über einen einzigen Tag schrieb.

Das Konzert ist abgesagt, Geisterspiele der Bundesliga im menschenleeren Stadion sind nicht so Ihr Ding, das Shoppen macht mit der Maske im Gesicht keinen Spaß und die Kumpels am Stammtisch in der Kneipe können Sie auch noch nicht treffen. Was tun? Nun, versuchen Sie doch einmal, das folgende Denksport-Rätsel zu lösen. Wir veröffentlichen täglich unsere Rätsel-Kolumne – gesucht wird der Name einer bekannten Persönlichkeit. Los geht’s!


„Schwarzes Meer“ nannten vor mehr als 1000 Jahren die ersten Siedler ihre Ortsgründung. Kein anderes europäisches Hauptstadtbild vermittelt so scharf gezogene soziale Trennungen, Aufteilungen in Ein-Klassen-Viertel.

Der 1882 hier geborene Autor kannte seine Heimatstadt dennoch genau. Er beschrieb die Stadt in seinen Werken so exakt, dass er sich rühmte, man wäre imstande, sie nach seinen Büchern bei Bedarf neu aufzubauen. 1922 erschien das erste seiner beiden bekanntesten Werken. Auf 800 Seiten lieferte der Autor eine Parodie der „Odyssee“ vor der Kulisse der Stadt.

Der moderne Protagonist erfährt binnen eines Tages das, wofür Homers Held Jahrzehnte benötigte. Stichtag ist der 16. Juni 1904 – ein magisches Datum für Literaturwissenschaftler. Die finden in dem epochalen Werk noch heute reichlich Diskussionsstoff. Es ist eine vielstilige Hydra aus Dichtung, Drama, Posse, Reportage und etlichem mehr. Wer sich hindurcharbeitet, steht zum packenden Finale vor einem Monolog, bestehend aus einem einzigen Satz – mit mehr als 40.000 Wörtern.

Für den Dichter besaßen „Worte ihr eigenes Leben, ihr Gedächtnis, ihre Landschaft, wie jener Wein, der an dunklen Purpur gemahnt, an Trauben, die in Griechenland an weißen, tempelähnlichen Häusern wachsen.“ Die Lust des Autoren am Silbenklang trat verschärft im 1939 erschienen zweiten Hauptwerk hervor, je nach Geschmack zum Entzücken oder Entsetzen der Leser. Akrobatische Schachtelwörter und waghalsige Assoziationen machen die Suche nach dem Handlungsstrang zur Detektivarbeit: „An der Mausoleummauer. Fimfim Fimfim. Mit Mordsspaßstattung. Fumfum Fumfum. Sist Optophon, das ontophaniert. Horch! Weizensteins magische Lyga. Sie werden ewisch händeln. Sie werden sich die Löffel voll hören.“ Da lassen viele Rätsel Raum für spekulative Interpretationen. Ein Biograf des 1941 in Zürich verstorbenen Autors stellt fest: „Ihrem Wesen nach erinnert diese Sprache unzweifelhaft an Kernphysik.“

Und die versteht schließlich auch kaum jemand.


Wie hieß der Wortkünstler, der ein Dutzend Fremdsprachen beherrschte? Und in welcher Stadt erlebt sein moderner Odysseus den 16. Juni 1904?

Die Antwort finden Sie in der morgigen Ausgabe des Abendblatts. In der Dienstag-Ausgabe suchten wir den Namen eines Literaten, der nur 23 Jahre alt wurde und nachdem ein Literaturpreis benannt ist. Es ist Georg Büchner (1813–1837), der die längste Zeit seines kurzen Lebens in Darmstadt verbrachte.

( jasch )

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