Nahverkehr

20-Minuten-Takt für alle Norderstedter Buslinien

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Andreas Burgmayer
Der Busbahnhof Glashütte an der Tangstedter Landstraße wurde 1960 gebaut und soll nun völlig umgestaltet werden.

Der Busbahnhof Glashütte an der Tangstedter Landstraße wurde 1960 gebaut und soll nun völlig umgestaltet werden.

Foto: Andreas Burgmayer / HA

Norderstedt will öffentlichen Personennahverkehr optimieren – Statt punktueller soll es flächendeckende Lösungen geben.

Norderstedt.  Es kommt Bewegung in den öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) der 80.000-Einwohner-Stadt Norderstedt. Die Stadtverwaltung will gemeinsam mit der Politik und den ÖPNV-Planern des Kreises Segeberg den Busverkehr in der Stadt optimieren. Das Ziel ist eine Verdichtung der Taktfrequenzen aller 14 Buslinien, die im Stadtgebiet unterwegs sind. Schon 2011 hatte ein Gutachten der Südholstein Verkehrsservice-Gesellschaft (SVG) einen flächendeckenden 20-Minuten-Takt für alle Linien vorgeschlagen, und zwar werktags zwischen 5 und 20.30 Uhr sowie sonnabends zwischen 7 und 20.30 Uhr. Diese mögliche Lösung soll nun beim Austausch aller Beteiligten im Verkehrsausschuss konkretisiert werden.

Angeschoben hatten die jetzt entstehende Diskussion um die Bustakte die Kinder und Jugendlichen in der Stadt. Schüler des 10. und 11. Jahrgangs des Lise-Meitner-Gymnasiums hatten beim Planspiel Kommunalpolitik die aus ihrer Sicht ungenügende Taktung mancher Buslinien in Norderstedt kritisiert. Diese Kritik brachte der Kinder- und Jugendbeirat in Form eines Antrages in den Ausschuss für Stadtentwicklung und Verkehr ein und forderte dort die Stadtverwaltung auf, die Taktverdichtung zu prüfen. Konkreter wurden zuvor, im September 2019, die Grünen. Sie setzten sich mit einem Prüfauftrag im Verkehrsausschuss durch, der die Taktverdichtung der Stadtpark-Linien 293, 493, 494 und 278 am Wochenende zum Gegenstand hatte.

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Den Grünen-Antrag hat jetzt Claudius Mozer von der SVG auf Anfrage der Stadt Norderstedt bearbeitet. Die SVG führt für die Kreisverwaltung Segeberg die Regie im ÖPNV Norderstedts. Denn der Kreis ist der Träger des Busverkehrs in Norderstedt und übernimmt allein dafür jährliche Kosten in Höhe von 4,5 Millionen Euro.

Bezahlen müsste die Taktverdichtung die Stadt Norderstedt

Mozer hat für seine Modellrechnung den Grünen-Antrag entscheidend abgewandelt. „Man kann einem Buskunden ja kaum erklären, dass auf einer Buslinie am Wochenende ein dichterer Takt gelten soll als werktags, wenn deutlich mehr Menschen in den Bussen unterwegs sind“, sagt Mozer. Er rechnete also durch, was es bedeuten würde, wenn die Linien 293, 493 und 278 durchgehend von Montag bis Sonntag alle zwanzig Minuten fahren würden. Außer Acht gelassen wurde aus Kostengründen die Linie 494 und auch der von den Grünen angedachte 30-Minuten-Takt.

„Der lässt sich schon aus rein technischen Gründen gar nicht in den Fahrplan hineinfriemeln“, sagt Mozer. Außerdem wäre das für die Fahrgäste ein zu verwirrender Fahrplan. Die übersichtliche 20-Minuten-Lösung auf den drei Strecken wäre das nicht. Allerdings würde sie auch 935.000 Euro im Jahr mehr kosten. Doch aus Sicht von Mozer gut angelegtes Geld. „Mit dieser Taktverdichtung auf diesen wichtigen innerstädtischen Linien würden wir dem Ziel des flächendeckenden 20-Minuten-Taktes in Norderstedt ein gutes Stück näher kommen.“

Bezahlen müsste die Taktverdichtung die Stadt Norderstedt. Die Verwaltung gibt in ihrem Fazit zu bedenken, dass punktuelle Taktverbesserungen es für die ÖPNV-Nutzer immer weniger nachvollziehbar machen, welcher Bus wann und wie oft fährt. Zu Recht würde mancher Bürger sich fragen, warum das Arriba-Bad oder das Alstertal Einkaufszentrum im Vergleich zum Stadtpark weniger oft angefahren würde. Sinnvoller sei es mittelfristig, einen lückenlosen 20-Minuten-Takt im gesamten Busnetz zu etablieren. Nur so könnte die ÖPNV-Angebotsqualität nachhaltig gesteigert werden, einfach nachvollziehbar für alle Nutzer. Nur die „konsequente und drastische Taktverdichtungen“ könne auch dafür sorgen, dass die Menschen vermehrt damit beginnen, das Auto stehen zu lassen und den Bus zu nehmen.

Die Taktverdichtung im Busverkehr wird in einer der kommenden Sitzungen des Ausschusses für Stadtentwicklung und Verkehr diskutiert. Wir werden berichten.

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