Norderstedt – Meine Stadt

Mit Stefan Jacobs legen Sie sich besser nicht an

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Stefan Jacobs (59) war 1987 Deutscher Vizemeister im Ju-Jutsu und sicherte sich 1988 DM-Bronze. Von 1997 bis 2001 war er deutscher Bundestrainer und betreut seit 2013 die Schweizer Nationalmannschaft.

Stefan Jacobs (59) war 1987 Deutscher Vizemeister im Ju-Jutsu und sicherte sich 1988 DM-Bronze. Von 1997 bis 2001 war er deutscher Bundestrainer und betreut seit 2013 die Schweizer Nationalmannschaft.

Foto: Thorsten Ahlf

Der 59-jährige Norderstedter ist Mitbegründer und Cheftrainer von Kodokan, einem der erfolgreichsten Kampfsportvereine in Deutschland.

Norderstedt . Als Stefan Jacobs 1962 im zarten Alter von zwei Jahren erstmals das Mutter- und Kind-Turnen bei TuRa Harksheide besuchte, gab es Ju-Jutsu noch gar nicht. Die komplexe Kampfsportart, die Elemente vom Judo, Ringen, Boxen, Karate und Aikido vereint, war zunächst eine Unterart des Judo und bekam erst 1969 ein eigenes Regelwerk. Auftraggeber war das Bundesinnenministerium, das für Polizei, Zoll, Justiz und Streitkräfte ein effektives und stilübergreifendes System der waffenlosen Selbstverteidigung suchte. So wurden aus vielen Kampfkunststilen diejenigen Techniken zusammengefasst, die für die tägliche Praxis dieser Berufsgruppen am besten erschienen.

Bevor Stefan Jacobs das Thema Kampfsport und Selbstverteidigung für sich entdeckte, galt seine Leidenschaft aber erst einmal dem Leistungsturnen. Bis zu seinem 14. Lebensjahr standen Barren, Sprung und Boden im Mittelpunkt. „Allerdings hat mir mein damaliger Trainer keine große Zukunft vorausgesagt, denn nach seiner Auffassung war ich nicht gelenkig genug. Daran erinnere ich mich noch ganz genau“, sagt der heute 59-Jährige, der parallel zum Turnen auch als Mittelstreckler bei der LG Alsternord unterwegs war.

Nach der niederschmetternden Prognose wechselte Stefan Jacobs vom Turnen zum Judo und fühlte sich dort pudelwohl. Unter der Regie des damaligen TuRa-Coaches Claus Witt, der später zum 1. SC Norderstedt wechselte, wurde nebenbei auch Ju-Jutsu praktiziert. Das faszinierte Stefan Jacobs so sehr, dass das Interesse, einen eigenen Verein zu gründen, mit der Zeit immer größer wurde. „1988 haben wir dann mit 13 Leuten den Verein Kodokan gegründet. Wir haben von der Stadt Norderstedt zwei Trainingszeiten im Gymnastikraum in der Realschule Garstedt bekommen“, erinnert sich Stefan Jacobs, der 1987 Deutscher Vizemeister wurde und sich 1988 DM-Bronze sicherte.

Die größten Erfolge feiert Stefan Jacobs aber als Übungsleiter. Seit 1992 besitzt der Harksheider die Trainer-A-Lizenz, ist Diplom-Trainer und seit sechs Jahren zudem Diplom-Sportwissenschaftler. Jacobs, der eigentlich gelernter Flugzeugmechaniker ist, war von 1997 bis 2001 deutscher Bundestrainer und betreut seit 2013 die Schweizer Nationalmannschaft. Parallel dazu ist er als Vereinscoach in Norderstedt tätig.

In den vergangenen 20 Jahren haben die Athleten seines Clubs, der mittlerweile eine Trainings- und Wettkampfgemeinschaft mit dem TuS Holstein Quickborn eingegangen ist, sieben Weltmeister-, fünf Europameistertitel und zwei Weltcupsiege erkämpft. Tim Weidenbecher gewann bei den World Games 2017 in Polen Gold mit dem deutschen Team, Marisol Harms holte bei den World Games 2005 Bronze im Einzel.

Stefan Jacobs leitet zweimal pro Woche das Schleswig-Holsteiner Landeskadertraining am Heidberg-Gymnasium – nicht ohne Hintergedanken, denn die meisten Athleten starten für Kodokan. Jacobs holt die Sportler von der Schule ab, fährt mit ihnen in den Übungsraum, das Dojo von TuRa Harksheide, und bringt die Aktiven nach der Einheit wieder zurück zur Schule.

Wegen der Corona-Krise finden keine Wettkämpfe statt

„Aufgrund der Corona-Krise ist zurzeit allerdings überhaupt kein Training möglich, da wir die Sporthallen nicht nutzen können. Diejenigen, die in Hamburg zur Schule gehen, haben zurzeit ja auch nur einmal pro Woche sechs Stunden Unterricht. Das ist alles. Die Kaderathleten halten sich individuell fit. Ich glaube auch nicht, dass in diesem Jahr noch größere Wettkämpfe stattfinden, denn die Situation ist ja in den Ländern sehr unterschiedlich. Das wären dann auch keine fairen Bedingungen.“ Auch die Tätigkeit als Schweizer Nationalcoach liegt auf Eis. „Seit März war ich nicht mehr dort, denn ich konnte ja nicht einreisen. Da wird es auch erst frühestens nach den Sommerferien wieder losgehen.“

Das Unterrichten liegt Stefan Jacobs im Blut: „Eigentlich wollte ich immer Lehrer werden. Mittlerweile habe ich mein Hobby zum Beruf gemacht, das ist doch toll“, sagt Jacobs, der mit Spannung die Fertigstellung der neuen Kampfsporthalle am Exerzierplatz erwartet. Natürlich erhofft er sich dadurch einen Zuwachs an Mitgliedern und bessere Trainingsmöglichkeiten. Momentan müssen die Aktiven von einer Halle zur anderen ziehen. Oft müssen die schweren Matten erst aufgebaut und nach dem Training wieder weggeräumt werden, denn die Übungseinrichtungen werden auch von anderen Sportlern genutzt. „Norderstedt hat das Potenzial, eine Sportstadt zu werden. Wir brauchen ein gutes Hallenmanagement, um die Zeiten noch besser nutzen zu können. Es wäre auch wünschenswert, wenn es zwischen den Norderstedter Vereinen noch mehr Interaktion geben würde. Es gibt ja schon Beispiele, wie man Sport vereinsübergreifend anbieten und gestalten kann“, sagt er.

Wenn Stefan Jacobs mal nicht in Sachen Ju-Jutsu unterwegs ist, reist er gerne – mit dem Rad oder auch zu Fuß. Der 59-Jährige ist immer unterwegs, die buddhistische Weisheit „Der Weg ist das Ziel“ passt perfekt – auch im Hinblick auf seine Wünsche und Träume. „Ich möchte gerne einmal den Jakobsweg gehen. Aber nicht unbedingt den spanischen, denn es gibt auch noch zahlreiche andere, zum Beispiel einen in Portugal, der nicht so populär ist.“ Die Namensgleichheit ist reiner Zufall. Und dass Kodokan übersetzt „Schule des Weges“ bedeutet, natürlich auch...

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