Langenhorn

Ehepaar Nolte lädt abends zum kleinen Corona-Konzert

Der ehemalige Pastor der Lukas-Kirche, Friedhelm Nolte, und seine Frau Annerose auf einem Balkon ihres Hauses in Hamburg Langenhorn.

Der ehemalige Pastor der Lukas-Kirche, Friedhelm Nolte, und seine Frau Annerose auf einem Balkon ihres Hauses in Hamburg Langenhorn.

Foto: Roland Magunia / Roland Magunia/Funke Foto Services

Wenn sie mit ihrer Hausmusik beginnen, steht Friedhelm Nolte im Bad neben dem Waschbecken – und seine Frau Annerose in der Badewanne.

Langenhorn.  Am Anfang, als sie von ihrem Haus aus die ersten Abendmusiken gegeben haben, stand sie direkt neben ihm. Doch auf Dauer war das einfach zu eng – und zu laut, wenn ihr Mann direkt neben ihr in die Trompete bläst. Daher ist sie in die Badewanne umgezogen. Und dort steht sie seit dem 18. März und singt abends für die Nachbarn im Pannsweg in Hamburg-Langenhorn. Jeden Abend.

Aus ein paar geplanten Auftritten sind um die hundert geworden, denn am Anfang haben die Noltes sogar zwei Vorführungen gegeben. „Wir wollten der zunehmenden Isolierung in Zeiten von Corona etwas entgegensetzen und ein Gemeinschaftsgefühl wecken“, sagt Friedhelm Nolte, der mehr als 37 Jahre lang Pastor war, 18 davon in der nahegelegenen Kirchengemeinde St. Lukas.

Auf die Idee zu den abendlichen Hausmusiken, die zuerst vom Balkon und danach vom Badezimmer aus gegeben werden, damit man die Nachbarn auf beiden Hausseiten erreicht, kam das Ehepaar durch die Corona-Konzerte in Italien. „Wir haben dort selbst gerade Urlaub gemacht und mussten ihn wegen Corona abbrechen“, sagt Annerose Nolte, die es mit ihrem Mann auf eigene Faust und auf den letzten Drücker nach Hause geschafft hat – einen Tag vor dem Lockdown in Italien. 50 Jahre lang hatten sie von dieser Reise geträumt – die sie dann mittendrin beenden mussten.

Trotzdem – oder gerade deswegen: Als sie von der Initiative hörten, waren die Noltes sofort dabei. Was mit einem Lied „Ode an die Freude“ („Freude schöner Götterfunken“) begann, hat sich zu einem Auftritt mit drei Liedern ausgeweitet, die jeden Abend wechseln.

Sonst wird es zu langweilig, finden die Noltes, die immer wieder staunen, dass sie nach all der Zeit immer noch Zuschauer haben. „Manchmal sind es zwei – manchmal 15“, sagt das Ehepaar, das jeden Nachmittag auf der Mauer vor ihrem Haus Zettel mit Liedtexten auslegt. Nachdem sie seit mehr als 70 Tagen jeden Abend singen und Trompete spielen, wollen die Noltes die abendlichen Vorführungen jetzt etwas reduzieren – auf drei Tage pro Woche: Mittwoch, Sonnabend und Sonntag. Ganz aufhören? Undenkbar!

Ihr treuester Zuhörer ist übrigens der Leiter des Posaunenchors, in dem Friedhelm Nolte spielt. Er kommt jeden Tag vorbei. Er ist 91 Jahre alt.