Migration

Neustart für die Flüchtlingsunterkunft – wegen Corona

Innen-Staatssekretär Torsten Geerdts (l.) und Landesamts-Direktor Dirk Gärtner in der Landesunterkunft für Geflüchtete im Levo-Park Bad Segeberg.

Innen-Staatssekretär Torsten Geerdts (l.) und Landesamts-Direktor Dirk Gärtner in der Landesunterkunft für Geflüchtete im Levo-Park Bad Segeberg.

Foto: Heike Hiltrop

Die Einrichtung im Bad Segeberger Levo-Park stand leer. Nun sollen wieder bis zu 600 Flüchtlinge einziehen – auf Zeit.

Bad Segeberg .  Die Gemeinschaftsunterkunft des Landes Schleswig-Holstein im Segeberger Levo-Park nimmt Mitte Juni ihren Betrieb wieder auf. 2016 hatte die Stadt Hamburg die Einrichtung angemietet – allerdings den Mietvertrag schon 2017 wieder gekündigt, da von der Stadt dort lediglich gut 400 Flüchtlinge untergebracht werden mussten. Nun werde der Standort wieder „sukzessive hochgefahren“, sagte Staatssekretär Torsten Geerdts aus dem Innenministerium bei einem Rundgang.

Epidemiologen sehen ein erhöhtes Infektionsrisiko in Gemeinschaftsunterkünften. Sie raten dazu, Kontaktmöglichkeiten zu reduzieren und den Bewohnern zu ermöglichen, gebotene Sicherheitsabstände einzuhalten. „Durch eine räumliche Entzerrung in den Landesunterkünften trägt Schleswig-Holstein den Empfehlungen zum Beispiel des Robert-Hoch-Instituts Rechnung.“ So begründete der Staatssekretär die Entscheidung für die Reaktivierung der Unterkunft. Denn mit der Unterkunft in Segeberg solle in der Corona-Krise vor allem die Unterkunft in Boostedt entlastet werden.

„Die Reserveliegenschaft in Bad Segeberg haben wir instand gehalten, um sie bei Überlastung der anderen Landesunterkünfte schnell reaktivieren zu können“, sagte der Staatssekretär. „Natürlich haben wir dabei weniger an eine Pandemie gedacht, sondern eher an eine mögliche Erhöhung der Zugangszahlen. Das hindert uns aber jetzt nicht daran, hier pragmatisch zu reagieren.“ Noch vor einigen Monaten wurde im Landtag diskutiert, ob die Investition in eine Reserveliegenschaft sinnvoll ist. Geerdts: „Die aktuelle Situation hat den Kurs der Landesregierung bestätigt: Durch die vorausschauende Investition in die Landesunterkunft Bad Segeberg können wir jetzt schnell und mit überschaubarem Aufwand für die Steuerzahler reagieren.“

In Boostedt sollen bald weniger als 500 Flüchtlinge leben

In der neuen Landesunterkunft werden zunächst Menschen untergebracht, die für die Verteilung in die Kreise und kreisfreien Städte des Landes Schleswig-Holstein vorbereitet werden. Nach einer Vereinbarung zwischen Land und Kommunen werden sie zwei Wochen vorsorglich gesondert untergebracht und abschließend auf eine Corona-Infektion getestet, bevor sie aus der Obhut des Landes entlassen werden. Damit sollen die Kommunen vor weitergetragenen Infektionen geschützt werden. Bisher wurden diese Menschen in speziellen Isolationshäusern in den Landesunterkünften Neumünster und Boostedt vorbereitet. Die Unterbringung in Segeberg entlastet nun diese Standorte und ermöglicht es den Bewohnern, sich während der zweiwöchigen Vorbereitungszeit in der neuen Landesunterkunft frei zu bewegen.

Entlastet werden soll zunächst insbesondere die Landesunterkunft in Boostedt: Die Belegung dort soll wieder unter die Marke von 500 Bewohnern sinken. Im Zuge der Corona-Krise hatte die Gemeinde Verständnis dafür gezeigt, dass kurzfristig bis zu 700 Menschen dort wohnen konnten. „Mit dieser Umverteilung haben wir erreicht, dass auch in Neumünster und Rendsburg Leben und Wohnen für die Bewohner mit angemessenem Abstand möglich ist und zu enge Kontakte vermieden werden können“, erläuterte Landesamts-Direktor Dirk Gärtner diese Maßnahme.

Das Land wird bis zu 600 Personen in Bad Segeberg unterbringen. Im ersten Schritt werden etwa 200 Personen die neue Landesunterkunft beziehen. Danach wird die Belegung nach und nach erhöht. Für Alleinreisende wird eine Einzelunterbringung angestrebt. Für welchen Zeitraum der Betrieb der Unterkunft notwendig ist, hängt vom Infektionsgeschehen und der Entwicklung der Zugangszahlen ab. Derzeit geht das Land von einem Zeitraum von bis zu 24 Monaten aus.

In den vergangenen Wochen hat das Land die notwendigen Dienstleistungen ausgeschrieben und vergeben: Der Kreisverband Segeberg des Deutschen Roten Kreuzes wird die Bewohner in der Landesunterkunft betreuen. Die Notarzt-Börse aus Pogeez übernimmt die hausärztliche Versorgung. Mit diesem Unternehmen hat das Land schon in den drei anderen Landesunterkünften gute Erfahrungen gemacht. Ein privater Sicherheitsdienst und ein Catering-Unternehmen werden ebenfalls auf dem Gelände tätig sein. Die Landesunterkunft bekommt eine eigene Polizeistation.