Schröters Wochenschau

Keine Ruhe um den Ruheforst in Sievershütten

| Lesedauer: 2 Minuten
Jan Schröter
Jan Schröter, Autor aus Bad Bramstedt.

Jan Schröter, Autor aus Bad Bramstedt.

Foto: Wolfgang Klietz

Privatwirtschaft und Bürgermeister gegen Interessengemeinschaft. Um die Einrichtung eines Friedwaldes wird im Kreis Segeberg lauthals gestritten.

Kreis Segeberg.  Im Wald bei Sievershütten ist ein „Ruheforst“ geplant, um den – paradoxerweise – zurzeit ziemlich laut gestritten wird. Während die befürwortende Betreiberfirma „RuheForst GmbH“ das Projekt für unbedenklich erklärt und sich der Sievershüttener Bürgermeister dringend benötigte Steuereinnahmen von dem Vorhaben verspricht, befürchten die in einer Interessengemeinschaft organisierten Gegner des Projekts vor allem vermehrten Autoverkehr durch Trauergäste und die Schädigung des Waldes sowie des Grundwassers durch Totenasche.

Tatsächlich ist Letztere offenbar nicht ganz unbedenklich, denn sie enthält Schwermetalle wie Chrom, Nickel und Cadmium. Das war mir absolut neu. Ich dachte nämlich immer, mit dem Tode hören wir Menschen endlich damit auf, unsere Umwelt zu versauen. Stattdessen aber geht das Elend immer weiter. Wenigstens gibt die Sache mit dem Schwermetall eine gute Erklärung ab, wenn es bei der Kontrolle am Flughafen-Gate immer noch piept, obwohl man bereits den Gürtel abgelegt hat, die Hose um die Knöchel schlackert und die olle Unterbüx mit den Diddl-Mäusen blank liegt.

Im Fall des Sievershüttener Ruheforstes rechnet man – sollten alle Grabstellen belegt sein – mit bis zu 30.000 Kilo verbuddelter Totenasche. Hier lässt sich meines Erachtens bereits im Vorfeld eine praktikable Schwermetall-Reduktion anwenden, indem man als Grab-Erwerber ausschließlich Menschen mit unterdurchschnittlichem BMI-Wert akzeptiert. Ein dürres Zweiglein hinterlässt nach Verbrennung schließlich viel weniger Asche als ein dicker Holzklotz, das weiß jeder, sogar ich. So sparen wir locker die Hälfte der Aschenmenge ein.

Die Totenasche wird nach Fernost geschickt

Beim verbliebenen Rest stünde nun ein neu zu etablierender Arbeitsgang an, nämlich: Trennung der Schwermetalle von den übrigen, grundwasserverträglichen Substanzen. Wir schicken die Totenasche nach Fernost, ungefähr so, wie wir Nordseekrabben nach Marokko schicken, von wo sie dann geschält zurückkommen.

In China kriegen die das bestimmt hin mit der Metalltrennung. Dort verbaut man die so gewonnenen Rohstoffe in ein neues Mobiltelefon, das erhält der Hinterbliebene dann zusammen mit der spärlichen Restasche des verblichenen Erbonkels. So hat man den Guten stets am Ohr und er kann mithören, wie sein Vermögen verprasst wird. Und weil nun der Hinterbliebene die bleibenden Werte des Verstorbenen bei sich hat, muss er praktisch nie zu dessen Wald-Grab fahren. Dort liegt ja bloß ein winziger Rest völlig unbedenklicher Asche.

Friedhof belegt, Ruhe in der Gemeinde Sievershütten, und das Grundwasser bleibt sauber.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Norderstedt