Rätsel

Die Frau, die keine besseren Schuhe tragen wollte

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Wolkenformation in Form eines Fragezeichens (Bearbeitung).

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Foto: Artur Cupak / picture alliance / imageBROKER

Jeden Tag stellen wir Ihnen eine Aufgabe. In unserem Denksport-Rätsel suchen wir heute eine Autorin, die dem DDR-Regime die Treue hielt.

Kreis Segeberg.  Das Konzert ist abgesagt, Geisterspiele der Bundesliga im menschenleeren Stadion sind nicht so Ihr Ding, das Shoppen macht mit der Maske im Gesicht keinen Spaß und die Kumpels am Stammtisch in der Kneipe können Sie auch noch nicht treffen. Was tun? Nun, versuchen Sie doch einmal, das folgende Denksport-Rätsel zu lösen. Wir veröffentlichen täglich unsere Rätsel-Kolumne – gesucht wird der Name einer bekannten Persönlichkeit. Los geht’s!


Netty Reiling war die Heimat zu eng. „Ich wollte überhaupt nur studieren, weil ich fürchterliche Angst hatte, in dem Nest hängenzubleiben.“ Das „Nest“ ist immerhin eine deutsche Landeshauptstadt, gelegen an einem großen Strom, der sich hier von Südost nach Nordwest wendet und seinen bedeutendsten Nebenfluss aufnimmt. Die „Nestflüchterin“ beneidete den Strom, „weil er bald in Holland ins Meer fließen wird.“ Später lebte Netty, unter einem Pseudonym längst als Schriftstellerin berühmt, in Weltstädten wie Berlin, Paris oder Mexico City. Aus der Distanz gestand sie: „In dieser Stadt, in der ich meine Kindheit verbrachte, empfing ich, was Goethe den Originaleindruck nennt; den ersten Eindruck, den ein Mensch von einem Teil der Wirklichkeit in sich aufnimmt.“

Teil ihrer Wirklichkeit waren nach 1918 die sozialen Unruhen in Nettys Heimat. Die 18-Jährige erkannte, „dass es Menschen gab, die schlechter als andere gekleidet waren. Ich scheute mich, bessere Schuhe zu tragen als diese.“ 1928 trat Netty Reiling der KPD bei, fünf Jahre später flüchtete sie mit der Familie aus Nazi-Deutschland. Im Exil versuchte sie ideologisch missbrauchte Begriffe wie „Heimat“ und „Vaterland“ sozial zu definieren: „Wer in unseren Fabriken gearbeitet, auf unseren Straßen demonstriert, in unserer Sprache gekämpft hat, der wäre kein Mensch, wenn er sein Land nicht liebte.“

1942 erschien ihr bekanntestes Werk. Es spielt in ihrer Heimat: über Nacht versteckt sich ein KZ-Flüchtling im bedeutendsten Kulturdenkmal der Stadt, dem romanischen Dom St. Martin. In den USA erschien die Story sogar als Comic-Strip, die Verfilmung mit Spencer Tracy in der Hauptrolle wurde zum Hollywood-Klassiker.

Ab 1947 lebte die Autorin in Ost-Berlin. Dem DDR-Regime hielt sie die Treue – zur Verzweiflung westlicher Kollegen wie Günter Grass, der 1961 an sie schrieb: „Es darf nicht sein, dass Sie, die Sie bis heute vielen Menschen der Begriff aller Auflehnung gegen die Gewalt sind, dem Irrationalismus eines Gottfried Benn verfallen und die Gewalttätigkeit einer Diktatur verkennen, die sich mit Ihrem Traum vom Sozialismus und Kommunismus notdürftig und dennoch geschickt verkleidet hat.“

Welches Pseudonym benutzte die 1983 verstorbene Netty Reiling und wie heißt ihre Geburtsstadt?

Die Antwort steht am Montag im Hamburger Abendblatt. Am Freitag suchten wir nach einem muskelbepackten Selfmademan aus Österreich, der tatsächlich noch Gouverneur in Amerika wurde und nach der zweitgrößten Stadt seiner alten Heimat, in der er seine ersten Muskelberge häufte: es waren Arnold Schwarzenegger und Graz.

( jasch )

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