Medizin

Corona-Diagnose kommt nach zwei Stunden

| Lesedauer: 4 Minuten
Frank Knittermeier
Greta Ullrich, Leitende Ärztin der Zentralen Notaufnahme, mit dem Schnelltester von Bosch. Es liefert präzise Corona-Testergebnisse innerhalb von zweieinhalb Stunden.

Greta Ullrich, Leitende Ärztin der Zentralen Notaufnahme, mit dem Schnelltester von Bosch. Es liefert präzise Corona-Testergebnisse innerhalb von zweieinhalb Stunden.

Foto: Frank Knittermeier

Die Paracelsusklinik in Henstedt-Ulzburg kann ihre Patienten jetzt mit einem Schnelltest auf das Corona-Virus untersuchen.

Henstedt-Ulzburg.  Das Gerät steht klein und unscheinbar in der Ecke eines engen Raumes mit dem Charme einer Abstellkammer. Eingezwängt zwischen Aktenordnern und anderen Kleingeräten im Trakt der Zentralen Notaufnahme. Aber für die Paracelsus-Klinik bedeute dieses Gerät ein Quantensprung in schwierigen Zeiten: Die Klinik in Henstedt-Ulzburg gehört zu den wenigen in Deutschland, die mit einem Schnelltestgerät ausgestattet sind, das den Nachweis von Covid-19-Viren innerhalb von zweieinhalb Stunden liefern kann. Demnächst sollen sogar Testergebnisse in knapp 40 Minuten möglich sein.

Die Paracelsus-Gruppe hat tief in die Tasche gegriffen, um einige ihrer Kliniken mit der automatisierten Labordiagnostik vom Typ Bosch Vivalytic für insgesamt eine Viertelmillion Euro auszustatten. Die Henstedt-Ulzburger Klinik, die in direkter Konkurrenz zu den großen Kliniken in Hamburg steht, gehört dazu. Ärztin Greta Ullrich, Leiterin der Zentralen Notaufnahme der Paracelsus-Klinik an der Wilstedter Straße, hat das neue Gerät vor zwei Wochen in Betrieb genommen und seitdem 25 Tests durchgeführt – alle mit einem negativen Ergebnis. Obwohl ein begründeter Verdacht bestand, wurden keine Corona-Infektionen nachgewiesen.

Corona-Test: Nach zweieinhalb Stunden liegt das Ergebnis vor

Und das funktioniert so: Mit einem Abstrichtupfer wird eine Probe aus Nase oder Rachen entnommen. Diese Probe wird anschließend mit einer Pipette in eine Vivalytic-Kartusche gegeben, in der bereits die für den Testlauf notwendigen Reagenzien enthalten sind. Die Kartusche wird in das Analysegerät geschoben – nach zweieinhalb Stunden liegt das Ergebnis vor.

„Wir können die Ergebnisse auf dem Display ablesen“, sagt Greta Ullrich, die natürlich nicht die einzige ist, die mit diesem Gerät arbeitet. Einige Ärzte, darunter die von der Intensivstation, und das Pflegepersonal von der Notaufnahme sind inzwischen mit dem Gerät so gut vertraut, dass sie jederzeit damit umgehen können. Dafür wurden entsprechende Schulungen veranstaltet.

Test wird in erster Linie für den Krankenhausbetrieb genutzt

Zurzeit setzen Labore weltweit noch überwiegend auf die bewährte PCR-Methode. Mit diesen Tests kann der Erreger in Nasen- oder Rachenabstrichen zwar auch innerhalb weniger Stunden festgestellt werden, je nach Transportzeit oder Auslastung des jeweiligen Labors dauert es aber oft mehrere Tage, bis ein Ergebnis vorliegt. „Wir haben jetzt die Möglichkeit, schnell zu reagieren“, sagt Dr. Jürgen Ropers, Chefarzt und ärztlicher Direktor der Klinik. „Das ist zum Beispiel wichtig für Patienten, die operiert werden müssen.“

Die Paracelsus-Klinik wird allerdings keine Massentests vornehmen. Und auch Personen, die Symptome verspüren, für die Covid-19 verantwortlich sein könnten, dürfen sich nicht prophylaktisch testen lassen. Erst wenn ein echter Notfall vorliegt, wenn ein Hausarzt die Untersuchung anordnet oder wenn Menschen, die zu Risikogruppen gehören (65 plus oder Heimbewohner), Beschwerden haben, wird das Gerät eingesetzt. In erster Linie wird es aber für den internen Krankenhausbetrieb genutzt. „Wir müssen Ressourcen für die Intensivstation frei halten“, sagt Jürgen Ropers. Die logistischen Wege im Falle einer bestätigten Infektion müssten eingehalten werden müssen. Zum Beispiel die Meldungen an das Gesundheitsamt des Kreises Segeberg. „Das könnten wir nicht leisten. Massentests müssen weiterhin in den Laboren gemacht werden.“

Das Gerät spürt auch andere Viren auf – 21 gleichzeitig

Auch für den Privatgebrauch scheint das neue Analysegerät wenig geeignet zu sein: Zu den hohen Anschaffungskosten im fünfstelligen Bereich, würde pro Testdurchgang noch einmal ein hoher zweistelliger Betrag anfallen. Für die Paracelsus-Klinik hat das Gerät aus dem Hause Bosch über die Corona-Tests hinaus noch eine weitere Bedeutung: Es ist auch für andere Infektionskrankheiten einsetzbar und kann nach einem Ende der aktuellen Pandemie weiter genutzt werden: Für Grippeerkrankungen, Geschlechtskrankheiten oder überhaupt für den Nachweis von multiresistenten Erregern. Schon jetzt können damit verschiedene Grippeviren und andere Krankheitserreger nachgewiesen werden – und zwar bis zu 21 gleichzeitig.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Norderstedt