Norderstedt

Die Vorschulkinder dürfen wieder in die Kitas

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Miriam Opresnik
Schritt für Schritt zurück zum Regelbetrieb in der Kita: Von heute an können die Vorschulkinder in die Betreuung zurückkehren.

Schritt für Schritt zurück zum Regelbetrieb in der Kita: Von heute an können die Vorschulkinder in die Betreuung zurückkehren.

Foto: Monika Skolimowska / dpa

Kieler Kabinett beschließt zahlreiche Lockerungen der Corona-Maßnahmen. Doch in den Einrichtungen fehlt es an Personal und es gibt viel Kritik.

Norderstedt.  Die Ungewissheit war groß. Bis zuletzt wussten die Kindertageseinrichtungen selbst nicht, was die Landesregierung beschließen wird. Erst am Sonnabend, rund 36 Stunden vor der nächsten Phase der Kita-Öffnung, hat sich das Kabinett in der neuen Landesverordnung zur Bekämpfung des Coronavirus für zahlreiche Lockerungen entschieden – die bereits ab dem heutigen Montag in Kraft treten. Das gilt auch für die Kitas in Schleswig-Holstein.

Zwar ist in dem Erlass von einem „Betretungsverbot für Kindertagesstätten inklusive Krippen und Kinderhorten“ bis einschließlich 31. Mai die Rede – doch es gibt mehr Ausnahmen als bisher. Ab heute dürfen auch wieder Kinder, die im Schuljahr 2020/21 eingeschult werden, in die Kitas – sowie Jungen und Mädchen mit heilpädagogischem Förderbedarf oder Sprachförderbedarf. Sie sollen in Gruppen von bis zu zehn Kindern betreut werden.

Seit dem 16. März gilt für die Kitas in Schleswig-Holstein ein Betretungsverbot, der Betrieb war seitdem lediglich für Notfallgruppen erlaubt. Erst am vergangenen Mittwoch waren die Einrichtungen über die geplanten Lockerungen informiert worden. „Das war alles zeitlich schon sehr knapp“, Ulf Bünning, Geschäftsführer des Trägers „Der Kinder wegen“, der in Norderstedt sechs Kitas mit 370 Betreuungsplätzen betreibt. Erst am Freitag habe man die Eltern über die geplanten Änderungen informieren können.

„Das Vorgehen des Kabinetts ist den Eltern und Kitas gegenüber unverantwortlich“, sagt Gesa Kitschke, Leitung des Unternehmensbereichs Kindertagesbetreuung der AWO. „Angesichts der kurzfristigen Entscheidung des Kabinetts hätte man mit der Umsetzung lieber noch eine Woche warten sollen.“

Das Problem: „Die Vorgaben des Kabinetts, wonach nur zehn Kinder pro Gruppe betreut werden dürfen, führen vereinzelt zu personellen und räumlichen Engpässen“, sagt Björn Sumpf, kaufmännischer Leiter des Kita-Eigenbetriebs in Henstedt-Ulzburg mit zehn Kitas und 1500 Plätzen. Bisher nutzen zwischen 170 und 210 Kinder die Notbetreuung – ab heute könnten 250 weitere dazukommen. Doch nicht alle von ihnen können sofort betreut werden. „In der Kürze der Zeit ist es nicht möglich, die Pläne der Landesregierung flächendeckend in allen Einrichtungen zum heutigen Tag umzusetzen“, so Björn Sumpf. Henstedt-Ulzburg ist kein Einzelfall. Viele Kitas haben akuten Personalmangel. „Vor Corona hatten wir im Elementarbereich Gruppen von 20 Kindern, die von 1,5 Erziehern betreut wurden – jetzt brauchen wir zwei Erzieher für zehn Kinder. Das sind mehr als doppelt so viele“, sagt Gesa Kitschke von der AWO. Die Lage werde dadurch erschwert, dass viele Erzieher selbst zur Risikogruppe gehören und daher nicht eingesetzt werden können. Fast ein Drittel des Kitapersonals ist 50 Jahre und älter – 2006 lag der Anteil dieser Altersgruppe noch knapp bei einem Fünftel. Allein beim Kita-Eigenbetrieb in Henstedt-Ulzburg gehören etwa 20 Prozent der Erzieher zur Risikogruppe.

Trotz aller Probleme – bei „Der Kinder wegen“ befürwortet man die kurzfristige Lockerung und die stufenweise Öffnung der Kitas. „Es wird höchste Zeit“, sagt Ulf Bünning. Man habe in den vergangenen Wochen gemerkt, wie der Druck auf die Familien gestiegen sei und immer mehr Eltern die Notbetreuung in Anspruch genommen hätten. „Eine weitere Schließung im bisherigen Umfang würde mir unverhältnismäßig erscheinen“, so Bünning.

In Norderstedt gibt es etwa 700 Schulanfänger, die ab heute wieder Anspruch auf Betreuung hätten. „Es handelt sich dabei jedoch nicht um einen vollumfänglichen Anspruch“, sagt Anette Reinders, Schuldezernentin der Stadt Norderstedt. „Da es nicht genug Kapazitäten gibt, um alle Kinder gleichzeitig zu betreuen, werden die Kinder in den zehn städtischen Kitas vermutlich tageweise betreut.“ Bis 1. Juni gelten die neuen Regeln. Dann soll das bestehende Betretungsverbot für Kindertagesstätten aufgehoben werden und der Übergang von der Notbetreuung in einen eingeschränkten Regelbetrieb erfolgen. So der Plan. Demnach soll die Betreuung in mehreren Stufen Schritt für Schritt wieder hochgefahren werden.

Henstedt-Ulzburg warnt vor zu hohen Erwartungen. Schon heute sei abzusehen, dass der Betreuungsumfang tage- beziehungsweise stundenweise beschnitten werden müsse, um allen Kindern eine Betreuung zu ermöglichen. „Wir streben zwar zum Start des neuen Kita-Jahres die Rückkehr zu Regelbetrieb an“, sagt Ulf Bünning.

„Aber auch wenn der Regelbetrieb Einzug hält, wird man einige oder viele Dinge anders machen müssen als in der Vergangenheit.“ Nach Corona werde es keine Rückkehr zur alten Normalität geben können. Man müsse sich eine neue Normalität aufbauen. Mit neuen Regeln – und Einschnitten.

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