Kreis Segeberg

Restaurants bereiten ihre Wiedereröffnung vor

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Annabell Behrmann, Christopher Herbst und Frank Best
Anita Sula und Theo Sideris vom Restaurant Yamass freuen sich, den Betrieb wieder aufzunehmen

Anita Sula und Theo Sideris vom Restaurant Yamass freuen sich, den Betrieb wieder aufzunehmen

Foto: Thorsten Ahlf

Von Montag an dürfen Gastronomen in Schleswig-Holstein wieder Gäste empfangen – allerdings nur unter Einhaltung von strengen Hygieneregeln.

Norderstedt.  Im Eingangsbereich des griechischen Restaurants Yamass in Norderstedt steht ein schwerer Holztisch. Von hier aus hat das Betreiberpaar Anita Sula und Theo Sideris in den vergangenen Wochen Essen zum Mitnehmen verkauft. „Den Tisch müssen wir natürlich noch wegräumen“, sagt Anita Sula und schiebt das Möbelstück mit aller Kraft zur Seite. „Wir freuen uns, dass wir endlich wieder loslegen dürfen.“

Acht lange Wochen mussten die Gastronomen in Schleswig-Holstein wegen der Corona-Pandemie schließen. Von Montag an dürfen sie wieder öffnen – allerdings nur unter Einhaltung von strengen Hygiene- und Abstandsregeln. Im Yamass an der Segeberger Chaussee, das am Dienstag seinen Betrieb wieder aufnimmt, müssen sich die Gäste zunächst die Hände desinfizieren, wenn sie eintreten. Das Personal trägt Schutzmaske und Handschuhe, die Speisekarten werden regelmäßig gesäubert.

Für Frauen und Männer steht jeweils nur eine Toilette zur Verfügung. „Ich hoffe, dass sich die Gäste von den Maßnahmen nicht abschrecken lassen. Alles muss sich erst einmal einspielen“, meint Anita Sula.

Die beiden Besitzer des Yamass haben Glück: Sie müssen die Tische nicht extra auseinanderstellen. Zwischen den meisten von ihnen befindet sich ohnehin ausreichend Abstand. Lediglich vier von 16 Tischen dürfen im Innenbereich wegen der 1,5-Meter-Abstandsregel nicht genutzt werden. „Auf der Terrasse ist Platz für zwölf weitere Tische. Wir hoffen auf gutes Wetter“, sagt Theo Sideris. Für Gäste, die sich in Restaurants noch unwohl fühlen, bietet das Yamass weiterhin einen Abholservice an.

In der Hopfenliebe trägt das Personal Schutzvisiere

Die Hopfenliebe an der Rathausallee darf weit weniger Gäste als normal bewirten. Laut Vorgaben des Wirtschaftsministeriums dürfen nur 50 von den rund 150 Sitzplätzen vergeben werden. Ihre Namen hinterlegen die Besucher am Eingang. Im Unterschied zum Einzelhandel müssen sie allerdings keine Mund-Nasen-Bedeckung tragen. „Ohne Masken gewinnen die Gäste ein Stück Normalität zurück“, sagt Kai Jörg Evers, der kommissarischer Geschäftsführer der Mehrzwecksäle Norderstedt (MeNo) ist und damit auch verantwortlich für die städtische Hopfenliebe. „Trotzdem glaube ich nicht, dass die Leute in Schlangen bis zur Regentrude warten werden.“

Die Kellner werden mit durchsichtigen Schutzvisieren bedienen. „Wir finden, das ist eine charmante Lösung. So kann man ihr Lächeln trotzdem erkennen“, sagt Evers. Auf dem Boden des Brauhauses kleben Richtungspfeile, die verhindern sollen, dass sich Besucher etwa auf dem Weg zu den Toiletten begegnen. Speisekarten stehen als Aufsteller auf den Tischen, die Getränkekarte kann nur online mittels QR-Code abgerufen werden. „Die Karte ist wegen der vielen verschiedenen Biersorten zu umfangreich. Wir können es nicht leisten, sie jedes Mal nach Benutzung zu desinfizieren“, sagt Restaurantleiterin Francis Stechemesser.

„Der Tisch fällt weg“ – diesen Satz zu sagen, ist für Maurizio Lestingi sichtlich eine Qual. Um ab Montag, 14 Uhr, wieder Gäste empfangen zu können, muss der Geschäftsführer des Farinelli an der Ulzburger Straße die Kapazität vermutlich halbieren. „Neun von 18 Tischen. Normalerweise passieren hier
90 Personen rein, am Wochenende brummt es.“

Viele Stammkunden haben zuletzt ihr Essen abgeholt, auch einen Lieferservice bieten Lestingi und sein Team derzeit an. Doch das ist nicht vergleichbar mit der Atmosphäre in einem engen, gemütlichen Ristorante. „Es ist ein Familienbetrieb, unser Pizzabäcker hat Gitarre gespielt. Das geht jetzt nicht mehr.“

Zusammen mit Thore Levetzow von der Firma Sedworks misst Lestingi die Abstände, er bestellt Plexiglaswände mit dem Farinelli-Logo. Ob es trotzdem besser ist, wenigstens 50 Prozent zu öffnen? „Ehrlich gesagt, weiß ich es nicht. Das Plexiglas, die Desinfektionsmittel, die Reinigung bekommen wir ja nicht gezahlt. Und was wird es für eine Atmos­phäre, haben die Leute Lust darauf?“

Trotzdem will er optimistisch bleiben. „Aber es ist eine schwierige Situation. Wir müssen an die Gesundheit denken – aber wir müssen auch von etwas leben.“

Das Lee Ho Fook bewirtet nur 30 statt 100 Gäste

Besonders hart hat die Corona-Pandemie das chinesisch-cantonesische Restaurant Lee Ho Fook an der Ulzburger Straße getroffen. „Wir mussten schon 2019 wegen eines Wasserrohrbruchs im Küchenbereich zwölf Wochen lang außerplanmäßig schließen, jetzt geht es an die Substanz“, sagt Inhaberin Cuiju Wong, die zehn Vollzeit- und drei Teilzeitkräfte sowie eine Aushilfe beschäftigt und ihr Lokal am Dienstag öffnen wird.

Nach der Renovierung lief das Geschäft vorzüglich. „Sogar noch besser als zuvor“, sagt Frau Wong und lächelt dabei, „unser Publikum hatte offenbar Entzugserscheinungen.“

Doch dann kam Corona – und die schönen Zeiten, in denen sich bis zu
100 Personen im gemütlichen Lokal verwöhnen ließen, sind vorerst vorbei. Die Kapazität wird zunächst auf 30 Gäste beschränkt, anders lässt sich der behördliche Mindestabstand von 1,50 Metern nicht einhalten. Aber das vielfältige Angebot an asiatischen Leckereien wird nicht reduziert

Um nicht Unmengen an Desinfektionsmittel vorhalten zu müssen, fehlen auf den Tischen die obligatorischen Gewürzständer, dafür liegen Außer-Haus-Speisekarten aus. Der Vorteil: sie sind aus Papier, können entweder mitgenommen oder weggeworfen werden.

Cuiju Wong, die seit 1993 in Deutschland lebt, hat eine große Bitte: „Es wäre schön, wenn unsere Gäste eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen, wenn sie unser Restaurant betreten – und trotz der Lockerungen möglichst viel außer Haus bestellen.“

Und wie sieht’s eigentlich auf dem Dorf aus? Jörg Köneking und Koch Stefan Maaß haben die vergangenen Wochen genutzt, um die Speisekarte des für seine traditionelle deutsche Küche bekannten Jock’s in Sievershütten zu überarbeiten.

Auch dort gilt: Abstand halten ist die erste Gästepflicht. „Deshalb werden wir nur jeden zweiten Tisch besetzen, es gibt einen getrennten Eingang und Ausgang. Und der bei uns normalerweise hoch frequentierte Tresenbereich bleibt vorerst noch gesperrt“, sagt Köneking.

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