Kreis Segeberg

„Norderstedt ist eine offene und bunte Stadt“

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Zum Internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie am 17. Mai wehen vor dem Rathaus in Norderstedt vier Regenbogenfahnen.

Norderstedt. Wir befinden uns im 21. Jahrhundert – doch immer noch werden in vielen Ländern weltweit jährlich tausende Menschen diskriminiert, gefoltert, angeklagt oder sogar getötet, weil sie beispielsweise das gleiche Geschlecht lieben. Bezeichnend, dass der Deutsche Bundestag erst vor einer Woche ein Konversionsverbot beschloss – also von „Therapien“, mit denen Minderjährige von Homosexualität „geheilt“ werden sollten.

Im Sinne des Kampfes für Toleranz wehen am Norderstedter Rathausmarkt jetzt wieder vier Regenbogenfahnen – das klassische Symbol der Lesben- und Schwulenbewegung. Der wichtige Anlass: Am morgigen Sonntag, 17. Mai, ist der Internationale Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie. Dieser wird seit 2005 gefeiert. Das Datum erinnert an den 17. Mai 1990. Damals strich die Weltgesundheitsorganisation WHO Homosexualität aus ihrer Liste anerkannter psychischer Krankheiten. In Deutschland wird der 17. Mai zudem auch in Verbindung zum früheren Paragraf 175 des Strafgesetzbuches gesehen. Dieser stellte von 1872 bis 1994 sexuelle Handlungen zwischen Männern unter Strafe.

Die Stadt Norderstedt ist seit 2019 Teil des Bündnisses für Akzeptanz und Respekt in Schleswig-Holstein, dies beschloss im Juni des Vorjahres die Stadtvertretung – nur von der AfD gab es seinerzeit eine Gegenstimme. Die Initiatoren waren Danny Clausen-Holm (SPD) und Arne Mann (CDU). Sie sind beide mit Männern verheiratet. „Eine vielfältige, diverse Gesellschaft ist Chance und Stärke zugleich“, sagt Clausen-Holm, „wir alle müssen dafür Sorge tragen, dass dieses vielfältige und bunte Klima für alle auch in Zukunft erhalten und in Norderstedt sichtbarer wird.“

Wie die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, Claudia Meyer, betont, sei die breite gesellschaftliche Akzeptanz gegenüber Homosexuellen nicht selbstverständlich. Sie verweist auf Polen, wo sich in jüngerer Vergangenheit mehrere Regierungsbezirke, Landkreise und Gemeinden als „homosexuellenfreie Zonen“ deklariert hätten. „Akzeptanz oder wenigstens Toleranz sowohl für verschiedene sexuelle Orientierungen als auch geschlechtliche Zugehörigkeiten würde uns allen das Leben erleichtern“, sagt sie.

Für Arne Mann sei das „unser aller Aufgabe“. Der Christdemokrat sagt, die Politik „wolle mit gutem Beispiel parteiübergreifend vorangehen“. Es sei Aufgabe, Zeichen zu setzen. Die Regenbogenfahnen sind ein solches. „Gleich heißt gleich. Gerade in Zeiten, in denen Ausgrenzung und radikale Äußerungen wieder vermehrt wahrnehmbar sind, ist es wichtig zu zeigen, dass Norderstedt eine offene und bunte Stadt ist.“ Oberbürgermeisterin Elke Christina Roeder unterstützt das bedingungslos. „Die Diskriminierung von Menschen ist für uns inakzeptabel. Niemand sollte sich in Norderstedt aufgrund seiner geschlechtlichen Ausrichtung oder sexuellen Identität rechtfertigen müssen“, sagt sie. „Für uns als Stadt ist es wichtig, allen Menschen ein Zuhause bieten zu können, in dem sie sich sicher, geborgen und akzeptiert fühlen.“ Daher setze sich die Stadt „entschieden dafür ein, dass gegenseitiges Verständnis und ein gutes Miteinander für alle Menschen etwas ganz Selbstverständliches sind“.

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