Kolumne

Corona-Tagebuch: Der neue Job "Corona-Scout"

Jan Schröter schreibt das  Quarantänetagebuch.

Jan Schröter schreibt das Quarantänetagebuch.

Foto: Jan Schröter / Schröter

Grillen mit Freunden ist unter Corona-Bedingungen so aufwendig wie ein G-20-Gipfel – eine Marktlücke.

16 Bundesländer, 16 unterschiedliche Corona-Regelwerke. Ab nächsten Montag kommen überall im Lande neue Regeln hinzu oder alte Regeln werden modifiziert. Das ist allmählich ähnlich übersichtlich wie eine Steuererklärung, nämlich ohne Fachberatung kaum zu durchblicken. Hier bietet sich für Reisebürokaufleute, Freizeitanimateure und Reisebusunternehmer ein alternatives Betätigungsfeld als Corona-Scouts, um endlich wieder aus der Kurzarbeit herauszukommen.
Bei uns im Norden bleibt, unter anderem, Grillen in der Öffentlichkeit verboten. In Baden Württemberg ist das ab dem 18. Mai wieder erlaubt, wenn auch nur mit Mitgliedern des eigenen und maximal eines weiteren Haushalts. Es bedarf also einer guten Organisation, das überlässt man dann Profis, zum Beispiel den oben Genannten.

Sie wohnen in Schleswig-Holstein, besitzen leider keinen eigenen Garten und möchten trotzdem Familie und Freunde zum Grillen einladen? Die Corona-Scouts empfehlen eine Location im Stadtpark von, sagen wir mal, Freudenstadt. Keine Ahnung, ob es dort einen Stadtpark gibt, ich bin ja kein Experte. Aber Freudenstadt hört sich vielversprechend an und liegt immerhin in Baden-Württemberg, also ist jedenfalls dort Grillen erlaubt. Sie und die in Ihrem Haushalt lebende Familie dürfen sowieso dabei sein. Den bis dato nicht in Ihrem Haushalt lebenden Familienmitgliedern richten Sie einen Zweitwohnsitz in Ihrem Keller ein.

Auch bei dem dafür erforderlichen Behörden-Papierkram helfen die Scouts, ebenso bei der nächsten Formalität: eingeladene Freunde werden kurzerhand adoptiert und auf beide Haushalte verteilt. Ledige Gäste dürften auch kurzfristig einheiraten. Man kann sich ja nach dem Grillwochenende wieder scheiden lassen – gute Leute wie Liz Taylor oder Joschka Fischer waren meist auch nie länger verheiratet.

Der Transfer nach Freudenstadt erfolgt in Kolonnenfahrt mit mehreren Reisebussen, weil pro Sitzreihe nur ein Passagier genehmigt ist. Vor Ort gilt es dann lediglich noch, ein paar Kleinigkeiten zu beachten. Auch hierbei assistieren die Corona-Scouts sachkundig, unter anderem bei der Auswahl des zeitgemäßen Grillguts. Bratwürste von 1,5 Metern Länge sorgen in der Hand der Hungrigen für sicheren Abstand voneinander. Sogar nach dem Verzehr verhindert diese spezielle Corona-Wurstkreation, dass sich die Grillgourmets zu nahe treten. Erstens verhindert deren akut vergrößerter Leibesumfang jede Kuss-Aktivität, zweitens ist einem erst mal nicht danach.

Ist das Wetter schlecht oder Baden-Württemberg zu weit, essen wir im Restaurant. Das geht nun auch bei uns wieder, wenn auch nur unter Sicherheitsauflagen. Ein Hamburger Architektenbüro bietet allen Restaurantbetreibern sogar Corona-Separees im Bausatz an, in Holzrahmenbauweise und mit durchsichtiger Plastikfolie bespannt.

Bleibt nach dem Essen noch etwas auf dem Teller übrig, wird der Gast samt Speiserest gleich in die Folie eingewickelt und kann von seinem Hund nach Hause apportiert werden.

Das Leben ist schön.